Arbeitskreis prüft Alternativen

Ströhen: „Hanka‘s Dorfladen“ schließt

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In den vergangenen Jahren sind in Deutschland mehr als 200 bürgerschaftlich getragene Dorfläden eröffnet worden. In Ströhen werben Anna-Lena Langhorst, Christa Renzelmann und Holger Kuhlmann (von links) als „Einkaufs-Dreamteam“ für die Einrichtung eines solchen.

Ströhen - Von Gerhard Scheland. Aus aktuellem Anlass hat im Verein Ströher Dorfleben der neu gegründete Arbeitskreis „Dorfladen“ sein ehrenamtliches Wirken aufgenommen – zielorientiert zwar, aber wohl ergebnisoffen: „Hanka´s Dorfladen“ an der Mindener Straße schließt am heutigen Samstag für immer seine Türen. Damit ist in Ströhen auch die letzte Möglichkeit des Einkaufs im eigenen Ort dahin.

Viele Jahre gab es an der Varreler Straße in Ströhen ein Edeka-Geschäft. Als das geschlossen wurde, eröffnete Hanka Lindenberg an der Mindener Straße einen kleinen Dorfladen. Auf einer Verkaufsfläche von gut 50 Quadratmetern bot sie in ihrem Laden das Wichtigste für den Lebensunterhalt an. Ab heute gibt es für die Ströher auch diese Möglichkeit nicht mehr. Junge Leute müssen zum Einkaufen ebenso in umliegende Gemeinden fahren wie die ältere Generation. Für Einwohner im Teenager-Alter sicherlich ein weniger großes Problem, für oft nicht motorisierte und gehbehinderte Senioren allerdings ein sehr großes.

Der Arbeitskreis „Dorfladen“, besetzt mit Hanka Lindenberg, Klaus Ullmann, Reiner Kowarik, Linda Puppe und Heidrun Hilgemeier, ist sich darüber einig, dass Ströhen weiterhin einen gemeinschaftlichen Dorfladen haben sollte. Das Quintett favorisiert ein Geschäft auf Genossenschaftsbasis. Weil viele Ströher so denken, ist die Unterstützung aus Sicht des Arbeitskreises erfreulich groß.

Wirtschaftliche Faktoren nicht aus den Augen verlieren

Holger Kuhlmann, Christa Renzelmann und Anna-Lena Langhorst geben der Initiative ein Gesicht: Das Trio begleitet den Arbeitskreis als „Einkaufs-Dreamteam“ durch Informationsschriften und Werbematerialien. Die drei Ströher Bürger ließen sich nicht lange bitten und waren schnell davon überzeugt, einen aktiven Beitrag zu den Diskussionen leisten zu müssen, dass ein Dorfladen für Ströhen richtig und wichtig ist. 

Ortsvorsteher Holger Kuhlmann beantwortet die Frage nach einem Dorfladen für Ströhen mit einem spontanen „Ja“. Gibt aber gleichzeitig zu bedenken, dass wirtschaftliche Faktoren bei den Bestrebungen nicht aus den Augen verloren werden dürften. „Es hat sich schon oft genug gezeigt, dass eine gute Idee nicht reicht, um eine gute Sache zu werden“, betont Kuhlmann.

„Dorfladen-News“ informieren Bürger

Bei den Überlegungen von Christa Renzelmann steht die Grundversorgung für alle älteren Menschen im Mittelpunkt. „Es ist wichtig, intensiv zu prüfen und zu diskutieren, wie ein Dorfladen genau funktioniert und welche der unterschiedlichen Möglichkeiten die richtige für Ströhen ist“, fordert die Ströherin. Und Anna-Lena Langhorst gefällt insbesondere der Gedanke, nach der Arbeit vor Ort in einem gut sortierten Dorfladen einkaufen zu können, ohne eine halbe Stunde durch große Einkaufszentren flitzen zu müssen. „Deswegen bin ich als Fotomodell mit in den Einkaufswagen gestiegen.“

Damit alle Bürger von Beginn an und zu jeder Zeit den gleichen Wissensstand haben, gibt der Arbeitskreis in den nächsten Tagen und Wochen mehrere „Dorfladen-News“ heraus. Das erste zweiseitige Info-Blatt ist bereits erschienen.

Erster Info-Flyer bereits gedruckt

Mit der Headline „Ein gemeinschaftlicher Dorfladen! Vor Ort! In Ströhen!“ Der Flyer enthält auch bereits Informationen über den Betrieb von Dorfläden in ähnlich großen Kommunen – in Niedersachsen, aber auch in anderen Bundesländern.

Schwerpunkt-Thema der nächsten „Dorfladen News“ soll nach Informationen des Arbeitskreises und seiner ehrenamtlichen Mitarbeiter der Besuch einer Ströher Delegation in dieser Woche in Welbergen, einem Ortsteil von Ochtrum in der Nähe von Münster, sein. Dort wird seit einigen Jahren ein etwa 200 Quadratmeter großer Dorfladen betrieben. Insbesondere werden die Chronisten die Vor- und Nachteile eines wirtschaftlichen Vereins denen einer Genossenschaft gegenüberstellen.

Heidrun Hilgemeier sieht als Mitglied des Arbeitskreises die größte Herausforderung darin, eine stabile Struktur für einen Dorfladen zu finden, die von möglichst vielen Ströhern unterstützt wird. Dem Argument, dass fast alle Einwohner so mobil seien, dass ein Dorfladen nicht mehr nötig ist, begegnet Hilgemeier mit einem Gegenargument: „Ströhen kann sich gut einen Dorfladen leisten, da viele so mobil sind, dass sie ihren Einkauf aufteilen können. Ein solider Einkauf im Dorfladen, bestehend aus den typischen Grundnahrungsmitteln, regionalen Produkten, frischen Obst- und Gemüsesorten, muss dann beim Wocheneinkauf in Super- oder Verbrauchermärkten in der Region nur noch ergänzt werden.“

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