Futter, warmes Nest und Liebe

Stefanie Bode aus Ströhen päppelt verwaiste und verletzte Eichhörnchen auf

Stefanie Bode braucht beim Füttern des etwa drei Wochen alten Eichhörnchens viel Geduld.
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Stefanie Bode braucht beim Füttern des etwa drei Wochen alten Eichhörnchens viel Geduld. Trinkt es die Spezialmilch zu schnell, könnte sie in die Lunge geraten.

Stefanie Bode aus Ströhen kümmert sich seit drei Jahren um verwaiste und verletzte Eichhörnchen. In diesem Jahr hat sie schon 16 Jungtiere aufgepäppelt und in die Freiheit entlassen.

Ströhen – Bewegt sich da was in dem Berg aus kuscheligen Decken? Auf den ersten Blick ist das sechs Wochen junge Eichhörnchen kaum zu sehen, das sich zusammen mit seinen Geschwistern in seinem Ersatznetz eingemummelt hat. Ganz ruhig liegt es da und schaut mit großen Augen auf die Menschen, die sich über sein Körbchen beugen. Als Stefanie Bode es vorsichtig herausnimmt, wird es schlagartig munter. Noch ist es zutraulich, doch das wird sich in wenigen Wochen ändern.

Die Ströherin betreibt seit drei Jahren eine Auffangstation für Eichhörnchen. Die wuseligen Nager mit buschigem Schwanz haben es ihr schon lange angetan. „Das sind einfach tolle Tiere“, findet sie. Zu dem ehrenamtlichen Engagement kam Bode, weil sie sich irgendwann fragte, ob es für Eichhörnchen eigentlich eine ähnliche Hilfe gibt wie für Igel oder Rehkitze. Bei ihrer Recherche stellte sie fest: Es gibt sie, aber nicht in der Region. Also entschied sie, sich selbst um verwaiste und verletzte Tiere zu kümmern.

Warm und kuschelig haben es die Eichhörnchen bei Stefanie Bode.

Über Facebook kam Stefanie Bode in Kontakt mit Fachleuten, von denen sie lernte, Eichhörnchen richtig aufzupäppeln. „Viele Informationen, die man im Internet findet, sind falsch“, hat sie festgestellt. „Man muss versuchen, die Tiere so artgerecht wie möglich zu halten, man braucht einen Tierarzt, der sich mit Wildtieren auskennt, und man muss sich mit Medikamenten auskennen“, zählt sie einige der Anforderungen auf. Sei ein Eichhörnchen beispielsweise von einer Katze gebissen worden, brauche es umgehend Antibiotika.

Eichhörnchen-Notruf

Auf der Homepage des Vereins Eichhörnchen-Notruf gibt es viele Informationen dazu, wie man Findelkindern helfen kann, unter anderem die zehn wichtigsten ersten Schritte nach einem Fund. Kontakte zu den Auffangstationen sind dort ebenfalls aufgeführt. Unter der Notfall-Hotline 0700/20020012 ist das Telefonteam von März bis September täglich von 10 bis 12 Uhr und 17 bis 19 Uhr erreichbar.

Die Ströherin richtete in ihrem Haus auf eigene Kosten ein Eichhörnchen-Zimmer mit kuscheligen Boxen für die ganz kleinen und zwei Käfigen für die etwas älteren Tiere ein und schloss sich dem Eichhörnchen-Notruf an. Über dessen Hotline bekommt Hilfe, wer ein verwaistes oder verletztes Eichhörnchen findet. Auch der Kontakt zu Bode kann über die Nummer hergestellt werden. 2020 habe sie 35 Jungtiere aufgepäppelt, in diesem Jahr seien es schon 16, erzählt sie.

Nach dem Essen bekommt das drei Wochen alte Eichhörnchen eine Bauchmassage, die bei der Verdauung hilft.

Wer ein alleingelassenes Jungtier findet, sollte sich nicht scheuen, es aufzuheben, sagt Bode. Sei die Mutter in der Nähe, nehme sie es trotz Menschenkontakts wieder an. Ein Problem ist eher, dass die kleinen Eichhörnchen auch im Sommer schnell auskühlen und dann von ihrer Mutter nicht mehr zurückgeholt werden. Das Wichtigste sei darum, das Tier zu wärmen, so Bode. Ein elektrischer Handwärmer auf niedrigster Stufe eigne sich dafür oder eine mit lauwarmem Wasser gefüllte PET-Flasche. Danach sollte man den Eichhörnchen-Notruf wählen und sich beraten lassen. Dort gebe es auch eine Audiodatei mit dem Ruf eines Jungtiers, der die Mutter, so sie noch in der Nähe ist, anlocken kann.

„Auf keinen Fall sollte man ein kleines Eichhörnchen selbst füttern. Dabei kann man viel falsch machen“, warnt Stefanie Bode. Und schon gar nicht mit normaler Milch. Jungtiere, die meist nur wenige Wochen alt sind, wenn sie zu ihr gebracht werden, müssen anfangs alle zwei Stunden mit einer Spezialmilch gefüttert werden – Tag und Nacht. Die Menge wiegt die Ströherin dem Körpergewicht entsprechend genau ab, weil die Tiere anfangs kein Sättigungsgefühl haben.

Streicheleinheiten bekommt das achtwöchige Eichhörnchen von Stefanie Bode ebenfalls.

Wenn sie selbstständig fressen können, bekommen die Eichhörnchen Nüsse, Beeren und Samen heimischer Bäume und Sträucher sowie Pilze. „Sie bekommen hier nichts, was sie draußen in der Natur nicht auch finden würden“, betont Bode. Aus ihrer Sicht spricht nichts dagegen, größere Eichhörnchen im eigenen Garten zu füttern. „Aber viele legen Studentenfutter aus. Das ist ganz falsch“, so Bode. Sie empfiehlt, nicht zu viel Weichfutter wie Äpfel auszulegen, sondern auch hartes Früchte wie Wal- und Haselnüsse mit Schale. „Eichhörnchen sind Nagetiere und müssen ihre Zähne abwetzen.“

Bei Stefanie Bode bekommen die Waisenkinder aber nicht nur Futter und ein sicheres Nest, sondern auch viel Liebe – zumindest anfangs. „Es ist am Anfang wichtig, dass sie jemand bekuschelt“, erklärt sie. Nach einigen Wochen legt sich die Anhänglichkeit und die Scheu des Wildtieres gewinnt die Oberhand. Zwar lassen sich die Eichhörnchen noch ergreifen, doch ihre Begeisterung hält sich sichtbar in Grenzen.

In der 28 Quadratmeter großen Voliere können die Eichhörnchen große Sprünge machen.

Wenn sie in die 28 Quadratmeter große Auswilderungsvoliere kommen, die Stefanie Bode vor einem Jahr hat errichten lassen, ist es mit der Nähe endgültig vorbei. Hier verzichtet sie ganz auf Kontakt, versorgt die Tiere nur noch mit Futter. In der Voliere können sie mit großen Sprüngen ihre Muskeln für ein Leben in freier Natur stärken. Mit 15 bis 16 Wochen werden die Eichhörnchen in die Freiheit entlassen. Allerdings setzt die Ströherin sie nicht einfach vor die Tür. Sie öffnet eine Klappe, und die Tiere entscheiden selbst, wann sie gehen. Einige sind sofort weg, einige bleiben etwas länger und ein paar kommen ein Zeit lang abends zum Schlafen zurück.

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