Ehepaar Hafemann serviert Pannekoeken

In „Falldorf's Gasthaus“ kehrt wieder Leben ein - Start für neues Dorf-Konzept

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Freitag öffnen Petra und Michael Hafemann offiziell das „Pannenkoeken-Haus“ in Wagenfeld. An den Wochenenden servieren sie ihren Gästen an drei Tagen holländische Spezialitäten.

Wagenfeld – In eines der ältesten Gasthäuser Wagenfelds zieht wieder Leben ein. Petra und Michael Hafemann aus Osnabrück eröffnen am Freitag „Falldorf’s Pannenkoeken Gasthaus“ an der Rahdener Straße.

Die Öffnungszeiten sind Freitag, 17 bis 22 Uhr, Samstag und Sonntag, 11.30 bis 22 Uhr. Die Küche ist an den genannten Tagen bis 20.30 Uhr geöffnet. Für Gruppen oder Familienfeiern öffnet das Ehepaar nach eigener Aussage auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten.

Mit Blick auf die Zukunft hat die Familie Falldorf entschieden, Platz für ein neues Konzept zu schaffen. Dieses startet Freitag mit der Eröffnung des Pannenkoeken-Hauses. Mit der Unternehmensgruppe Neues-Dorf GmbH, deren Geschäftsführerin Petra Hafemann ist, wurde 2018 ein Anfang gemacht, ein Neues-Dorf-Konzept umzusetzen. 

Regional und nachhaltiges Restaurant

Teil dieses Konzeptes ist der Start des regionalen und nachhaltigen Restaurants. „Wir haben uns für ein Pfannkuchenhaus nach holländischer Art entschieden“, sagt Michael Hafemann. Verwendet werden sollen biologische, regionale und fair-gehandelte Produkte.

Seine Frau Petra hat die Gastronomie von Haus aus gelernt, ihr Vater hat Restaurants betrieben. Er selbst koche und backe sehr gern. Zwölf Jahre lang habe er sich in der Theorie mit internationalen Umweltprojekten beschäftigt, erläutert der ehemalige Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der heute für den Norddeutschen Rundfunk arbeitet und dies auch weiterhin tun will. 

Mit dem neuen Konzept solle eine neue Siedlungsform auf dem Land umgesetzt werden, um der Entvölkerung der Dörfer entgegenzuwirken. „Was muss in den ländlichen Regionen passieren?“, fragt Hafemann, um selbst zu antworten: „Wir müssen die Infrastruktur ändern.“ 

Hotel soll gebaut, Scheune renoviert werden

Einzelprojekte, auch wenn sie noch so ambitioniert seien, reichten nicht aus. Deshalb habe eine Arbeitsgruppe ein Baukastensystem entwickelt. Hilfreich dabei sei eine Bestandsimmobilie. In Wagenfeld sei dies Falldorfs Gasthaus. Vermittelt habe ihm dies Bürgermeister Matthias Kreye.

Bewusst sei ihm und seiner Frau gewesen, dass das Konzept nur umgesetzt werden könne, wenn sie auch vor Ort seien. „Deshalb sind wir jetzt hier“, so Hafemann. Bisher klappe die „schnelle Integration“ sehr gut. „Wir spüren Rückenwind, und das ist sehr angenehm“, freut sich Hafemann.

Die weiteren geplanten Schritte in dem Konzept sind der Bau eines Hotels mit 24 Betten sowie die Renovierung der Scheune.

Gasthaus mit 150 Jahren Geschichte

Zudem will Hafemann die „Wagenfelder Gespräche“ ins Leben rufen. Wissenschaftler sollen zu unterschiedlichen Themen Stellung nehmen. „Wir wollen ein Unterzentrum von Wagenfeld werden, wenn nicht mehr“, nennt Hafemann als Ziel.

Das Gasthaus firmierte von Beginn an unter dem Namen „Falldorf’s Gasthaus“. Hinter ihm liegt eine bewegte Geschichte. Im Dezember 1869, in diesem Jahr also vor 150 Jahren, erhielt das Ehepaar Carl Falldorf und Friederike geborene Reuter die Konzession für den Betrieb einer Schank- und Speisewirtschaft. Das Ehepaar hatte ein Grundstück in einer Größe von 25 Hektar vom Apotheker Bartels aus Wagenfeld erworben. 

„Zu Beginn war das eine Ausspannstelle. Die Landwirte, die die umliegenden Äcker und Wiesen bestellten, machten hier Pause“, weiß Ur-Urenkel Wilhelm Falldorf, heutiger Besitzer, zu berichten. An Speisen seien Butterbrote und Strammer Max angeboten worden.

Auch wenn sich die Schwerpunkte in der Landwirtschaft von Generation zu Generation änderten, „die Kneipe hatte immer Tradition und es waren schöne Jahre“, resümiert Falldorf.

Holskenbälle in der Region bekannt

Sein Großvater betrieb mit anderen Wagenfeldern gemeinsam neben Landwirtschaft und Gastronomie ein Karussell, das von Pferden angetrieben wurde. Damit zogen sie zu den Volksfesten. Auf dem Brockumer Markt betrieb er ein Festzelt und in der Hofscheune wurden die weithin bekannten Holskenbälle veranstaltet. 

„Bei Großvater standen der gastronomische Bereich und die Holskenbälle im Vordergrund. In der Landwirtschaft lag bei ihm der Schwerpunkt in der Landwirtschaft“, erinnert sich sein Enkel. „Aber mit dem letzten Tag der Reichsmark wurde auch der letzte Holskenball gefeiert“, ergänzt er. Viele Paare hätten sich auf den Holskenbällen kennengelernt, auch seine Eltern.

Bei Vater Karl wechselte der Schwerpunkt wieder zur Landwirtschaft. Dieser hatte zunächst eine Bäckerlehre in Lemförde gemacht und sollte eine Bäckerei in Wagenfeld übernehmen. Doch sein Bruder, der für die Hofnachfolge vorgesehen war, fiel im Zweiten Weltkrieg. Also musste Karl ran. „Der hatte ein besseres Auge für Milchkühe und stellte die Landwirtschaft in den Vordergrund“, erzählt sein Sohn Wilhelm. Karl Falldorf führte Gastronomie und Landwirtschaft bis zu seinem Tod im Jahre 1983. Danach übernahm seine Ehefrau Elfriede.

Gastwirtschaft seit Ende 2014 geschlossen

Im Jahre 2000 widmete Wilhelm Falldorfs Frau Irmgard die Gaststätte um zu einem Restaurant. In dem Jahr wurde auch die Landwirtschaft aufgegeben. Gut 15 Hektar Fläche waren im Rahmen der Flurbereinigung abgegeben worden. Heute gehören noch vier Hektar zum Anwesen. Restaurant und Gastwirtschaft wurden am 31. Dezember 2014 geschlossen. 

In dem Jahr war Wilhelm Falldorf als Bürgermeister der Gemeinde Wagenfeld in den Ruhestand gegangen. „Ich wollte danach nicht mehr hinter dem Tresen stehen, meine Frau auch nicht“, begründet er den Entschluss. Danach wurde das Haus für ein paar Monate als griechisches Restaurant betrieben.

Falldorf selbst war noch als Landwirt ausgebildet worden und hatte anschließend ein Landwirtschaftsstudium absolviert, bevor er Realschullehrer wurde und später hauptamtlicher Bürgermeister. „Ich hatte ein Auge für Mastvieh und Mutterkühe“, sagt er schmunzelnd in Erinnerung an seinen beruflichen Werdegang.

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