Serie „Urlaub in der Heimat“

700 Tiere und beeindruckende Moorwelten - zu Besuch in Ströhen

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Tigerdame Taimura wurde von Tierpfleger Simon Martens mit aufgezogen.

Ströhen - Von Jan Dirk Wiewelhove. Einzigartige Tier- und Naturwelten ganz nah beieinander. Diese Kombination bietet Ströhen im Süden des Landkreises Diepholz. Am vierten Tag unserer Sommerreise besuchen wir den Tierpark und die Moorwelten dort.

Der Türriegel geht auf, schon flitzen die Tiere auf Simon Martens zu. Sind sie zutraulich? Können die gefährlich werden, fragen wir uns. Doch Martens beruhigt. „Die Kattas sind ganz lieb“, erklärt er. Auf beiden Seiten fällt schnell die Scheu, plötzlich sitzt ein Exemplar auf meinen Schultern. Es war nur einer von vielen tollen Momenten auf der Runde durch den Tierpark Ströhen.

Die Kattas sind ziemlich zutraulich.

Dieser private Zoo liegt am Rande des Landkreises an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen. Er beheimatet 130 Tierarten und etwa 700 Tiere, weiß Geschäftsführer Nils Ismer, der gleichzeitig auch Tierarzt ist. Wir begeben uns auf die Spuren des Nachwuchses auf dem 30 Hektar großen Gelände. Allein in diesem Jahr sind Babys von rund 30 Tierarten zu bestaunen.

Ganz frisch auf der Welt ist ein weibliches Tigerbaby, das am 29. Juni das Licht der Welt erblickte. „Es läuft schon ganz lebendig herum“, erklärt Simon Martens. Nur jetzt entspannt es sich am Bauch der Mutter, fernab vom Ferientrubel im Park. Nebenan dreht Taimura ihre Runden, die zuvor auch von Martens aufgezogen wurde. Es ist großartig zu sehen, mit welcher Leidenschaft der 25-Jährige von seiner Arbeit erzählt.

Erdmännchen buhlen um Aufmerksamkeit

Doch wir müssen uns losreißen, es gibt noch viel zu erkunden. Jungtiere sind bei den Ziegen, Schafen, Kängurus, Hochlandrindern, Uhus, Axishirschen, Litschi-Wasserböcken.... zu bestaunen. Mal sind sie noch ganz klein, mal sind die Tiere schon fast ausgewachsen.

Neugierig beäugt uns dieses Erdmännchen.

Nicht nur die Jungtiere buhlen um die Aufmerksamkeit der Besucher. Da sind zum Beispiel die Erdmännchen und Fuchsmangusten. „Das sind schon coole Tiere“, findet auch Simon Martens. Sie haben inzwischen ihr gesamtes Außengehege untergraben. Wir würden überall einstürzen, erzählt der Tierpfleger aus leidlicher Erfahrung.

Einen weiteren Neuzugang hatte der Tierpark vor Kurzem zu verzeichnen. Gepard Zawadi ist aus dem Erfurter Zoo ins niedersächsische Ströhen gezogen. Wenn alles gut geht, könne man sogar eine Gruppe Geparden aufbauen, sagt Geschäftsführer Nils Ismer.

Ein weiteres Merkmal der Einrichtung ist die Einbindung eines Gestüts für Araberpferde. Rund 200 Pferde leben dort - etwa 40 Fohlen pro Jahr werden gezüchtet und weltweit verkauft. Die Besucher haben auch hier die Möglichkeit, die Pferde hautnah zu erleben und zu streicheln. Es ist die Mischung aus Tierpark und Pferdezucht, die Besucher von nah und fern in die Provinz lockt.

Tierkindertaufe am 20. August

Der Tierpark lädt alle Interessierten, insbesondere Kinder, zur Tierkindertaufe am Sonntag, 20. August, ein. Zuerst findet um 14 Uhr eine Führung durch den Park statt. Im Anschluss können die Besucher Namensvorschläge für den Nachwuchs abgeben.

Sommerreise: Zu Gast im Tierpark Ströhen 

Weitere Informationen

Öffnungszeiten im Sommer: täglich von 9 bis 19 Uhr.

Eintrittspreise: Erwachsene 14 Euro, Kinder (von drei bis 15 Jahren) 8 Euro. Kombiticket Tierpark-Moorwelten: Erwachsene 16 Euro, Kinder 10 Euro.

Alle Infos auf der Webseite des Tierparks

Adresse: Tierparkstraße 43, 49419 Ströhen, Telefon 05774/505.

Vom Tierpark ab in die Moorwelten

Nur wenige Kilometer entfernt finden wir uns mitten in der Diepholzer Moorniederung wieder, genauer gesagt am Rande des 1580 Hektar großen Neustädter Moors, erklärt uns Dr. Michaela Meyer, die Leiterin der Moorwelten. Diese Forschungs- und Ausstellungseinrichtung bringt den Besuchern die Entstehung des Moors nahe und bietet Führungen durch das Schutzgebiet an. An einer solchen Familienführung nehmen wir teil.

In einem Film lernen die Besucher, wie das Moor entstanden ist.

Bevor wir durch das rund 6000 Jahre alte Moor wandern, bekommen wir einen Einblick in die interaktive Ausstellung. Wir starten bei Hugo, einem Kranich mit zwei Metern Spannweite, der mit 17 Jahren gestorben ist. Hugo war mit Ringen markiert und zeigte den Forschern so, welchen Zugweg er von Deutschland nach Spanien zurücklegte. Weiter geht es über ein Quiz und einen Film nach draußen.

Kleine Forscher auf Holzwegen

Die Kinder werden mit Entdecker-Westen, einer Becherlupe und einem Kescher ausgestattet. Dann fährt Emma, die 52 Pferdestärken starke Moorbahn, in den kleinen Bahnhof ein. Sie bringt uns zuverlässig tuckernd ins Moor, wo die Erlebniswanderung beginnt.

Zusammen mit Anika Starke (links) begutachten die Kinder Sonnentau.

Ganz schön feucht ist es hier im Hochmoor, einem nährstoffarmen Boden, der jedes Jahr um einen Millimeter in die Höhe wächst. Das heißt, seitdem Napoleon Anfang des 19. Jahrhunderts durch die Lande zog, wuchs es um etwa 20 Zentimeter. Für uns sind Holzlatten verlegt, die auch leicht mal überflutet werden können.

Artenreichtum in karger Landschaft

Auf dem ersten Blick sehen wir eine recht karge, sehr matschige Landschaft, die fast baumfrei ist. Hier und da blühen ersteHeidepflanzen in sattem Violett. Doch unsere Führerin Anika Starke hilft uns, dem Moor viele kleine Wunder zu entlocken. Die Kinder finden sogenannte Rauschbeeren - Vorsicht, giftig! - sowie Pilze, Libellen, Schmetterlinge und Spinnen am Wegesrand.

Wenn die ganze Gruppe auf einem Flecken Erde hochspringt, merken wir richtig, wie der Moorboden nachgibt. Ein spannendes Gefühl ganz ohne Trampolin. Diese Sprung-Aktion wäre wenige Meter weiter nicht möglich gewesen, wenn wir nicht im Moor versinken wollen.

Sommerreise: Auf hölzernen Pfaden durch die Moorwelten Ströhen

Barfuß durchs Moor

Deswegen gehen wir schön auf den Wegen zurück zur Moorbahn. Zum Abschluss der rund dreistündigen Führung geht es in den Barfußpark direkt am Haus. „Hier wird das Moor im Kleinen erlebbar“, erklärt Michaela Meyer.

Über Schafwolle und Birkenreisig taste ich mich ans Moor heran. Durch den Duftgarten geht es in Richtung Moor-Fußbecken, ein knietiefes Matscherlebnis, das entspannend wirkt. Dann gibt es noch ein bisschen Matsch auf die Hände, bevor noch Heu an den Füßen klebt.

Im Moor-Fußbecken versinken die Kinder tief im Matsch.

Eine ganz besondere Mutprobe erwartet die Besucher am Schluss des Parcours, wenn blaue Glasscherben durchlaufen werden müssen. Da kann nichts passieren, versichert Meyer. Ein schöner Abschluss einer Führung, die viel Aufschluss über den Aufbau und die Funktion des Moores gegeben hat.

Die nächste Entdeckungsreise für Familien findet am Donnerstag, 3. August, von 13 bis 16 Uhr statt.

Informationen über die Moorwelten

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr.

Eintrittspreise: Erwachsene (ab 18 Jahre) 5,50 Euro, Kinder (ab vier Jahre) 3 Euro. Kombiticket Tierpark-Moorwelten: Erwachsene 16 Euro, Kinder 10 Euro.

Weitere Infos auf der Webseite der Moorwelten.

Adresse: Auf dem Sande 11, 49419 Wagenfeld. 

Hierhin sind wir auch gereist:

Die Woche begonnen haben wir in Groß Henstedt mit einer Expedition in ein Maislabyrinth.

Auch am zweiten Tag riefen uns die Felder, allerdings ließen wir uns mit einem Bus die 300 Hektar große Heidelbeer-Anbaufläche des Fruchthofes Thiermann in Kirchdorf zeigen.

Am dritten Tag paddelten wir mit dem Kanu über die Lohne vom Dümmer See bis nach Diepholz - eine insgesamt zehn Kilometer lange Strecke.

Doch damit nicht genug Wassersport: Wir wagten uns zum Windsurfen auf den Dümmer See.

Zum Abschluss besuchten wir Bruchhausen-Vilsen. Wir wanderten rund um den Heiligenberg und informierten uns über Kräuter.

Den kompletten Überblick über die Sommerreise durch den Landkreis Diepholz finden Sie hier.

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