Philotes – Spiel um Freundschaft

Schüler: „Manches ist wirklich so“

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Wütend erhebt Benny die Faust gegen seine Mutter.

Wagenfeld - Von Melanie Russ. Die Hand ist zur Faust geballt und zum Schlag erhoben. Die von Wut erfüllten Augen blicken in das geschockte Gesicht seines Gegenübers. Es ist der dramatische Höhepunkt des Stücks „Philotes – Spiel um Freundschaft“ über Computerspielsucht, verborgene Ängste und den Wert der Freundschaft, das das Ensemble von Theaterspiel aus Witten in der Oberschule in Wagenfeld auf die Bühne brachte.

Die Faust gehört Benny (Kevin Herbertz). Erhoben hat er sie gegen seine Mutter (Beate Albrecht), die ihm gerade seinen Computer entrissen hat. Auch Benny ist von seiner Reaktion offenbar geschockt. Er hält aber nur kurz inne, fordert dann mit alter Vehemenz den Computer zurück. Doch die Mutter bleibt hart und stellt ihn vor die Wahl: Entweder er hört auf mit dem Computerspielen oder er fliegt raus. Lange überlegen muss Benny nicht. „Gib mir ‘nen Fuffi, und ich bin weg.“ Das Geld bekommt er nicht. Trotzdem packt er wütend seinen Rucksack und stürmt davon. Erst als sich auch Tom (Alexander Weikmann) von ihm abwendet und ihn vor die gleiche Wahl stellt – er oder das Computerspiel – wird Benny nachdenklich.

Tom und Benny sind schon lange beste Freunde, haben gemeinsam Tischtennis gespielt und eine Weile auch in der virtuellen Welt von Philotes Seite an Seite gekämpft. Doch während Tom weiter seinen Interessen in der realen Welt nachgeht und eifrig für das nächste Tischtennisturnier trainiert, verliert sich Benny immer mehr in dem Spiel, sucht sich neue Online-Freunde und vernachlässigt alles andere: die Schule, Tom und selbst die neue Mitschülerin Lara (Floriane Eichhorn), die sich sehr für ihn interessiert. Als Tom dringend die Unterstützung seines Freundes braucht, der aber zu sehr mit seinem Spiel beschäftigt ist, droht die Freundschaft zu zerbrechen. Doch ganz zum Schluss ein letztes Mal vor die Wahl gestellt, scheint Benny die richtige Entscheidung zu treffen – für Tom, Lara und die Realität.

„Ihr habt uns Eltern zu hundert Prozent aus der Seele gesprochen“, bekannte Stephan Kawemeyer, Vorsitzender des Fördervereins, in der an das Stück anschließenden Gesprächsrunde mit den vier Schauspielern. Alle Eltern im mit nur rund 25 Zuschauern recht spärlichen Publikum hatten sich in der einen oder anderen Szene wiedergefunden. Beate Albrecht, zugleich Autorin des Stücks, kennt diese Reaktionen bereits. In den Gesprächen mit Müttern und Vätern nach den Vorstellungen erlebe sie immer wieder eine irrsinnige Sorge und Hilflosigkeit. Die Eltern machten sich große Sorgen, dass ihre Kinder in die Sucht abdrifteten, wollten ihnen aber andererseits auch nicht alles verbieten.

Jugendliche finden sich wieder

Haben sich auch die jugendlichen Zuschauer in dem Stück wiedergefunden? „Manches ist wirklich so“, gab ein Schüler zu. Es komme schon vor, dass aus „nur noch zehn Minuten“ spielen zwei Stunden würden. Aus der Erfahrung von Schauspieler Kevin Herbertz wissen die meisten Jugendlichen, dass sie zu viel spielen, und sie verstehen auch ihre Eltern und warum diese sich sorgen. Der Rat der Schauspieler an Eltern und Jugendliche lautet darum: darüber reden.

Gefördert wurde die Veranstaltung durch das Blaue Kreuz in der Evangelischen Kirche Landesverband Niedersachsen, dessen Vorsitzender Andreas Dubenhorst aus Wagenfeld ist, sowie aus Fördergeldern der „Niedersächsischen Landesstelle Sucht“.

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