Schnipp, schnapp – Corona-Mähne ab

Friseure dürfen wieder öffnen und beseitigen haarige Lockdown-Spuren

Startklar: Sabine Rethorn in ihren Salon in Wagenfeld ist froh, dass es heute endlich wieder losgeht. Größere Mengen an Pflegeprodukten hatte sie bereits für das entfallene Weihnachtsgeschäft geordert.
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Startklar: Sabine Rethorn in ihren Salon in Wagenfeld ist froh, dass es endlich wieder losgeht. Größere Mengen an Pflegeprodukten hatte sie bereits für das entfallene Weihnachtsgeschäft geordert.

Wagenfeld / Rehden / Lemförde – Klappernde Scheren sind seit Montag wohl das meist gehörte Geräusch in den heimischen Friseursalons. Denn diese dürfen nach dem mehr als neunwöchigen Lockdown endlich wieder öffnen. Mit strahlendem Lächeln und dem Gefühl, neu geboren zu sein, dürften nicht gerade wenige Kunden in den ersten Tagen die Salons verlassen, froh, den „Corona-Look“ endlich los zu sein.

„Das Telefon stand nicht still, wir haben die ganzen Anfragen auf dem Anrufbeantworter so zeitnah wie möglich abgearbeitet“, erzählt Jennifer Kröger, Inhaberin von „Jennifers Trendhaar“ in Lemförde. Stammkunden und Neukunden hätten gleichermaßen die Chance auf einen Termin. „Aber die Stammkunden waren die ersten, die sich gemeldet haben.“ Zum Start am heutigen Montag sei ihr Salon ausnahmsweise auch zu Wochenanfang geöffnet. „Wir sind den März über ausgebucht, Überstunden sind in solch eine Situation natürlich unvermeidbar und eingeplant. Aber es gibt für alles ein Limit. Ich kann und möchte meine Mitarbeiterinnen nicht kurzfristig verheizen.“ Hinzu käme, dass ihr Team aus Teilzeitangestellten bestehe, die aus privaten Gründen verständlicher Weise nur ein begrenztes Zeitbudgets zur Verfügung stellen könnten. „Wir sind alle Mütter mit Kindern.“

Wenn es jetzt endlich wieder an die Scheren geht, sei für viele Kunden nach dem vorgeschriebenen Haarewaschen ein Neuschnitt angesagt, so Kröger weiter. „Nach fast zehn Wochen ist so gut wie jede Frisur rausgewachsen. Aber es ist dann umso schöner, zu sehen, wie glücklich die Menschen sind, wenn sie frisch frisiert und gestylt den Salon verlassen – wie ein neuer Mensch“, erinnert sich Jennifer Kröger noch an die erste Wiederöffnung im vergangenen Jahr. „Das zeigt uns, wie unsere Arbeit von den Kunden wertgeschätzt wird. Und wir sind froh, dass wir die letzten Wochen für Online-Schulungen genutzt haben, um uns fit für die neuesten Trends der Saison zu machen.“ Trotz der bundesweit großen Nachfrage sei das Ordern von Pflegeprodukten in größerer Menge kein Problem gewesen.

Nicht nur bei Jennifer Kröger von „Jennifers Trendhaar“ in Lemförde liefen die letzten Wochen für Terminvereinbarungen die Drähte heiß.

Eine leicht verlängerte Lieferzeit kann jedoch Sabine Rethorn von „Naturfriseur Sabine“ in Wagenfeld bei ihren Naturprodukten beobachten. „Glücklicherweise hatte ich mit Blick auf das Weihnachtsfest reichlich bestellt. Ich musste zwar alles vorfinanzieren, da der zweite Lockdown unerwartet kam. Aber jetzt, wo es wieder losgeht, kommt mir der Vorrat zu Gute.“ Auch in ihrem Salon ist der März bereits nahezu komplett ausgebucht. „Es wird viel Arbeit, aber es ist ein schönes Gefühl, nicht mehr untätig und hilflos herumsitzen zu müssen“, sagt sie. Angesichts der Fülle an Terminnachfragen habe sie sich für die nächsten Wochen auf viele Überstunden eingestellt, so Rethorn weiter, die von montags bis samstags sechs Tage in der Woche für ihre Kunden da ist. „Das meiste waren Stammkunden, die sich quasi den Hörer in die Hand gegeben haben.“ Alles harmonisch unter einen Hut zu bringen, sei gar nicht so einfach. „Man weiß zwar nie, wann einen der nächste Lockdown trifft, aber irgendwo ist dann auch kräftemäßig die Schmerzgrenze erreicht“, sagt sie.

Die angeordnete zweite Schließung hat für die Friseurmeisterin neben den finanziellen Einbußen auch personelle Konsequenzen gehabt. „Da niemand wusste, wie lange der Lockdown noch andauert, musste ich im Januar meine Mitarbeiterin entlassen.“ Sie sei froh, dass diese schnell eine andere Tätigkeit gefunden habe. „Jetzt mit der Kundenschwemme in der ganzen Branche krieg ich sie nicht wieder zurück – und weiß auch nicht, ob ich das wirklich möchte.“ Gebrandmarkt von den beiden Lockdowns sei ihr Optimismus verhalten, wie lange die Öffnung der Friseurläden anhalten werde. „Jetzt jemanden einzustellen, um bei der nächsten Schließung wieder zu kündigen? Das Risiko ist mir zu groß, denn für Mitarbeiter trage ich schließlich Verantwortung. Und vor einem dritten Lockdown sind wir alle nicht gefeit. Da arbeite ich lieber erstmal eine Zeit allein.“

Viel logistisches Fingerspitzengefühl musste auch Bianka Quante vom Salon „Vier Haareszeiten“ in Rehden walten lassen. Per Anrufbeantworter nahm sie Terminanfragen entgegen, bat jedoch zugleich um Verständnis, dass man zunächst den Stammkunden Vorrang gebe. „Ich hoffe, dass wir in ein paar Wochen wieder für alle Kunden da sein können“, bittet sie um Verständnis und weist darauf hin, dass in Sachen Hygiene die gleichen Auflagen gelten wie vor dem Lockdown. Einziger Unterschied: Es muss eine FFP2-Maske oder eine medizinische Maske getragen werden. „Alltagsmasken sind für einen Friseurbesuch nicht mehr ausreichend.

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