„Reinhard Mey hatte ich nicht immer im Hinterkopf“

Werner Winkel zieht Publikum in der Auburg schnell in seinen Bann

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Werner Winkel pflegt die Liedermacher-Gilde, trägt seinen Teil zur Aufklärung bei und regt zum Nachdenken an.

Wagenfeld - Von Simone Brauns-Bömermann. Ja, es waren die Lieder von Reinhard Mey und ja, es waren auch die eigenen, die begeisterten und zum Lachen brachten. Die Rede ist von Werner Winkel, ein fast 68ziger, wie er selbst erzählt in der Auburg, der das Publikum schnell zu seinem machte in seinem Konzert am Samstagabend.

Er steht schon seit den 1970er Jahren mit seiner Gitarre auf der Bühne, die Mundharmonika ist stets dabei.

Der Musiker ist auch Puppenspieler, stammt aus Ottersberg und ist glühender Fan des Liedermachers Franz Josef Degenhardt. Auch Hannes Wader ist sein Vorbild. Zu Reinhard Mey kommt er erst später, erläutert der Künstler im Verlauf, doch dann entfacht die Begeisterung für den vielfältigen Liedermacher. „Ich liebe eigentlich Rockmusik, Reinhard Mey hatte ich nicht immer im Hinterkopf. Aber er hat so unglaublich tiefsinnige und gesellschaftskritische Songs, die hängen bleiben.“

Das Schöne sei bei den Songs von Mey, dass sie so langlebig und aktuell seien, auch wenn schon vor 20 Jahren geschrieben. Wie das Lied „Gretel und Kasperle, Großmutter, Wachtmeister und Krokodil“. In Peter Lustig Manier nimmt Mey Politik aufs Korn. Winkel ergänzt nach dem Stück: „Und der Trump ist in dem Puppenspiel der Theaterdirektor.“ Die folgende Eigenkomposition „Vielleicht kann man es noch gebrauchen“ erinnert an das TV-Format „Bares für Rares“ und jeder Gast im Saal denkt schnell über sich selbst nach. Das Sammelgen schlägt von der Bühne entgegen mit Fazit „Garage, Boden, Keller, Stube dicht, dann wohne ich im eben im Zelt.“ „Der bunte Hund“ ist wieder von Mey und ein Wortspiel par excellence mit Freiheitsanspruch, der Hund nur als Transportmittel der Message wie in einer Fabel.

Winkel rührt die Werbetrommel für von Hand gemachte Musik, entführt in vergangene Zeiten mit Parallelen zum Heute.

Er erinnert sich an die Zeiten mit fünf Liter billigem Lambrusco und endlosen Diskussionsrunden, mit Reden und Philosophieren über Gott und die Welt. „Ist gerade in aller Munde mit dem Todestag von Rudi Dutschke“, meint Winkel. An der Zeit störte ihn aber früher und heute, dass alles so verkopft war.

Es wird ein herrlich zartes Konzert, wie in der Art Balladen-Rapper beim Song „Annabelle“, einem Zungenbrecher von Mey. „Ich spiel das in halber Geschwindigkeit, sonst krieg ich das nicht hin.“ Richtig Stellung nimmt er gegen Agitatoren mit Namen wie Trump, Assad, Putin, Machthaber dieser Couleur. „Nein, meine Söhne geb´ ich nicht“ von Reinhard Mey ist der Aufruf zum Ungehorsam gegen Unvernunft und Willkür. Der Text ist absolut nachlesenswert, hat Passagen wie: „Ihr werdet sie nicht mit Hass verderben, ich werde sie den Ungehorsam lehren, sie werden nicht in Reih’ und Glied stehen, nicht durchhalten, ich werde mit ihnen fliehen in Armut wie Diebe, wir haben nur ein Leben.“ Das mit der Armut erinnert daran, dass jeder ein Flüchtling werden kann. Zu dem Thema „Krieg ist generell Mist“ hat Winkel auch selbst ein Lied geschrieben: Das geht hart ins Gericht mit scharfer Wortwahl mit den Verantwortlichen. Es geht um hitzköpfige Psychopaten, die in weiche Sessel furzen und Kinder in den Tod schicken. „Da lob ich mir die Könige von früher, die sind wenigstens vorneweg geritten.“

Mit den Hempels erinnert er an alle Spießer, die die Leichen nicht im Keller, sondern unterm Bett oder Sofa haben. „Sind hier Hempels im Saal?“, fragt Winkel. „Nö, die räumen auf“, die schlagfertige Antwort vom Wagenfelder Publikum. Werner Winkel pflegt die Liedermacher-Gilde, trägt seinen Teil zur Aufklärung bei und regt zum Nachdenken an. Eins mit Gesang an Gitarre.

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