SERIE: FORSCHUNG IM EFMK Optimoor ermittelt die beste Methode zur Hochmoorsanierung

Nur ein Prozent der Flächen ist noch intakt

Anna Bartel leitet das Projekt Optimoor, mit dem Möglichkeiten der Sanierung von landwirtschaftlich genutzten Hochmoorflächen erprobt werden sollen. Foto: Russ

Ströhen - Von Melanie Russ. Einst galten sie als karges Land, das dem Menschen am besten urbar gemacht als landwirtschaftliche Fläche oder als Torflieferant dient. Doch längst ist die Erkenntnis gereift, dass Hochmoore viel mehr sind, dass sie eine immense Bedeutung für den Klimaschutz haben.

Denn in ihnen wurden im Laufe ihrer Entstehung Unmengen an Kohlenstoff und anderen Treibhausgasen gebunden. Trocknen die Moore aus, gelangen diese Gase in die Atmosphäre und verschärfen den Klimawandel. Das Projekt Optimoor im Europäischen Fachzentrum Moor und Klima in Ströhen erforscht seit 2016 Möglichkeiten, auf landwirtschaftlich genutzten Flächen wieder ein lebendiges Hochmoor entstehen zu lassen.

Dabei geht es den Forschern nicht nur um das Klima, sondern auch um die Artenvielfalt (Biodiversität). „Viele Arten, die auf Hochmoore spezialisiert sind, können auf landwirtschaftlichen Flächen nicht bestehen“, erklärt Projektleiterin Anna Bartel.

„Nur etwa ein Prozent der ehemaligen Moorflächen in Deutschland ist noch intakt, der Rest ist degradiert“, beschreibt sie die Ausgangslage. Der Kohlenstoff werde auf den veränderten Flächen explosionsartig freigesetzt – 20 bis 30 Mal schneller, als er vor langer Zeit eingelagert worden sei. „Zwölf Prozent der Treibhausgase in Niedersachsen kommen aus den Mooren.“

Hauptsächlich seien die Flächen für die Nutzung als Grün- oder Ackerland entwässert worden. Als Vorwurf an die Landwirtschaft möchte sie das aber nicht verstanden wissen. „Man wollte die Flächen einfach nutzbar machen. Die Tragweite dieses Handelns war damals noch nicht bekannt.“

Heute ist sie es. Darum soll in dem Projekt Optimoor ergründet werden, wie dieser Prozess nach Möglichkeit umgekehrt werden kann. Auf einer etwa ein Hektar großen, früher als Grünland genutzten Fläche im Hankhauser Moor bei Rastede wurden 2017 sieben Versuchsfelder angelegt. Eine dient als Referenz, auf den anderen werden unterschiedliche Sanierungsmaßnahmen umgesetzt – von der einfachen Vernässung des Grünlands über die zusätzliche regelmäßige Mahd bis zur Abtragung einer gut 60 Zentimeter dicken Bodenschicht und anschließender „Beimpfung“ mit Torfmoosen. Auf den Flächen werden regelmäßig Treibhausgase, Nährstoffe, Tier- und Pflanzenwelt überprüft.

Eine reine Wiedervernässung wie etwa bei für den Torfabbau trockengelegten Flächen reicht nach den ersten Erkenntnissen des Monitorings nicht aus. „Das ist gestörtes Material. Torfmoose würden darauf nicht wachsen, und man bekommt den Boden auch nicht mehr so nass, wie er ursprünglich war“, beschreibt Bartel die Beschaffenheit der oberen Bodenschicht. Wird der Oberboden dagegen abgetragen und auf der darunter liegenden Torfschicht Torfmoose angesät, sind laut Bartel schnell positive Veränderungen zu erkennen.

Das Monitoring läuft noch bis nächstes Jahr, danach folgt die Auswertung. Am Ende soll eine Sanierungsanleitung stehen, die auf ähnlich genutzte Flächen übertragbar sein soll.

Um die langfristige Entwicklung der renaturierten Flächen bewerten zu können, hofft Bartel auf eine Anschlussfinanzierung für das 2021 endende Projekt. „Projektförderung ist für Moore schwierig, weil Moore viel Zeit brauchen.“ Zudem habe man 2018 und 2019 mit der Trockenheit zu kämpfen gehabt. In einer langfristigeren Projektphase könnten solche Extreme besser ausgeglichen werden.

Auch im Landkreis Diepholz sieht Bartel großes Potenzial. Es gebe reichlich als Grünland genutzte Hochmoorflächen. Aus landwirtschaftlicher Sicht besonders wertvoll sind die Flächen laut Bartel nicht. Einen Profit brächten sie den Landwirten nur durch Fördermittel, nicht durch den Ertrag. Die Bewirtschaftung sei schwierig, weil der Boden jährlich ein bis zwei Zentimeter absinke und die Entwässerung in tieferen Schichten schwieriger werde. Bundesweit befinden sich laut der Projektleiterin etwa 7,3 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzflächen auf Mooren. Würden sie komplett aus der Nutzung herausgenommen, könnte die Landwirtschaft ihre Treibhausgasemissionen um etwa 37 Prozent reduzieren.

Inwieweit die Flächen verfügbar werden und wie eine Sanierung finanziert werden könnte, ist allerdings offen. „Geld für solche Maßnahmen ist schwer zu bekommen“, weiß Bartel. Lohnenswert wäre es trotzdem. Denn auch wenn die Bilder vom brennenden Amazonas, der „grünen Lunge“ der Erde, weltweit für Bestürzung sorgt, und Bund und Land hohe dreistellige Millionenbeträge in die Aufforstung des deutschen Waldes stecken wollen – eine weit größere Bedeutung für das Klima haben die Moore. Sie machen laut Bartel weltweit etwa drei Prozent der Landmasse aus, während Wald etwa 30 Prozent bedecke. Trotzdem speicherten die Moore doppelt so viel CO2 wie die Wälder.

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