Turbulenter Saisonauftakt

Premiere der Freilichtbühne: 60 unerschrockene Wettertrotzer lachen sich „schlapp“

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Gemüsebauer Franz Kohlkopf (Horst Guse, Mitte) und der dubiose Drogendealer Mario (Timo Friedhoff) stecken unter einer Decke. 

Vor der Premiere ist die Anspannung bei den Aktiven der Freilichtbühne Wagenfeld immer groß. Das liegt zum einen natürlich am Lampenfieber, aber auch an den Unwägbarkeiten, die eine Freilichtveranstaltung nun mal mit sich bringt. Bleibt es trocken oder regnet es? Wenn die Wetterlage nicht eindeutig ist, beschäftigt diese Frage mindestens genauso wie „Sitzt der Text?“. Am Samstagabend hatten die Laienspieler Glück. Fast 70 unerschrockene Besucher trotzten Regen und Kälte und wollten die Premiere von „Blots Zoff mit den Stoff“ sehen.

Wagenfeld - „Wir haben der Phantombrigade als Rahmenprogramm heute abgesagt“, erläuterte Organisator Christian Maas vor dem Hintergrund, dass im Vorfeld nicht klar, ob gespielt werden kann. Rainer Bruns hatte aufgrund der Wetterlage nur eine Kasse besetzt. „Ich habe bereits 15 Karten mehr als die 51 vorbestellten verkauft.“ Das stimmte versöhnlich.

Die Zuschauer hatten kaum Zeit, Luft zu holen oder an die Regentropfen zu denken, denn eine Lachsalve jagte die nächste bei der höchst amüsanten Premiere. „Toll“, „super“ und „richtig gut“ erklang aus dem Publikum.

Gespannt verfolgte das Premierenpublikum den „Zoff“ zwischen dem Gemüsebauer-Ehepaar Erika (Sonja Falldorf) und Franz Kohlkopf (Horst Guse) und der ÖkobäuerinMaja Müslein (Henrike Heine), die nebenbei chinesische Heilkunst betreibt. Zu diesem Zwist dazu gesellten sich die leichtgläubige Kaufladenbesitzerin Berta Lädchen (Dela Lohaus), die mal bei Müslein, mal bei Kohlkopfs kauft, die liebestollen und um Schutzgeld erpressten Pizzeria-Besitzer Maria (Janine Hagelmann) und Giovanni Tomati (Wilhelm Schröder), die vornehme und reiche Henneliese von Wolkenstein (Annika Hartrampf), der „stockschwule“ und scheinbar harmlose Softie Thorsten Weekmann (Carsten Falldorf) und der dubiose Drogendealer Mario alias Bonzo (Timo Friedhoff).

Letzterer lässt neuerdings seltsame Pflanzen zwischen konventionellen Tomaten und Radieschen der Kohlkopfs anbauen, ist offiziell der Erntehelfer aus Polen und bewaffnet. Klaus Müslein (Walter Rogge) ist langsam und hungrig, weil ständig auf Müsli- und Trennkost-Diät und emanzipiert sich unerwartet von seiner Maja. Das Chaos nimmt seinen Lauf, als er versehentlich Bonzos Pflanzen statt der Tomatensetzlinge auf dem Bio-Bauernmarkt verkauft.

Während sich die Fronten zwischen den Gemüseanbauern verhärten, leidet Giovanni unter dem „Erlöschen“ seines feurigen Naturells, Maria leidet im Negligé mit ihm. Wenn Urgestein Walter Rogge alias Klaus Müslein in altmodischer Damenkleidung auftritt, schießt er den Vogel ab: „Hier steiht doch klipp un klor von’t Nachlassgericht schreven: ,Erscheinen Sie bitte heute um 11 Uhr vor dem Nachlassgericht in Sachen Ihrer verstorbenen Mutter’.“

Die Premiere lebte vom Szenenapplaus, hielt optische Leckerbissen durch die kongeniale Kostümwahl, Interpretation von Sprache und Intensiv-Spiel der Schauspieler parat. Das Verwirrspiel um die Pflanzen und den Absatzmarkt am Gemüsestand bediente dabei die schönsten Klischees. Turbulenter als Mann in Etuikleid aus Bratpfanne essend, dubioser Schutzgelderpresser mit „Wumme“ im Anschlag und Cannabis-Pflanzen-Attrappen in den Rabatten der Bühne geht es kaum.

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