Positive Entwicklung in Wagenfeld

Großes Interesse herrschte bei der Einwohnerversammlung der Gemeinde Wagenfeld im Central-Hotel, bei der Bürgermeister Matthias Kreye (rechts) und seine Fachdienstleiter über aktuelle Entwicklungen berichteten. Fotos: Brüggemann

Wenn Gemeinden zu Versammlungen einladen, ist die Resonanz normalerweise nicht sehr groß. Anders war es bei der Einwohnerversammlung der Gemeinde Wagenfeld. Der Saal im Central-Hotel war am Dienstagabend voll besetzt, als Bürgermeister Matthias Kreye und seine Fachdienstleiter über Entwicklungen in der Gemeinde informierten. Besonders die Pläne der Firma Prokon sorgten für Zündstoff.

VON LUCAS BRÜGGEMANN

Wagenfeld - Der strittigsten Punkt der Einwohnerversammlung hatte sich Bürgermeister Matthias Kreye für den Schluss aufgehoben: die Pläne der Prokon Regenerative Energien, in Ströhen eine Biogasanlage zu errichten. Die Anlage solle täglich mit etwa 100 Tonnen Gülle und Mist „gefüttert“ werden und das produzierte Biogas ins Gasnetz einspeisen, erklärte Kreye. „Wir sind da noch ganz am Anfang, und aus unserer Sicht sind da noch ganz viele Fragen offen, die geklärt werden müssen“, betonte er, dass eine Entscheidung noch längst nicht getroffen ist.

Die Gemeinde fordere vom Planer der Anlage ein Verkehrsgutachten. Auch die Einspeisung von Abwässern in das Kanalnetz sei ein Betrachtungspunkt. Prokon will ein bestehendes Baurecht nutzen, um ihre größere, aber anders konzipierte Anlage zu bauen. Zur rechtlichen Klärung, ob das möglich sei, habe man sich einen Fachanwalt genommen, so Kreye.

Aus der Versammlung kamen kritische Nachfragen. „Warum holen wir uns den Mist aus Vechta?“, fragte ein Besucher. Weitere Fragen bezogen sich auf die Chance neuer Arbeitsplätze und ob die Gemeinde den Antrag für die Anlage auch abschmettern könnte. Ein Besucher fragte: „Ist die Anlage ein finanzieller Gewinn für die Wagenfelder Bevölkerung?“ Dazu könne man nichts sagen, erklärte Kreye mit Verweis auf das Steuergeheimnis.

Bevor der Bürgermeister und seine Kollegen ihre Berichte vortrugen, hatte eingangs Landrat Cord Bockhop das Wort erhalten. Er ging unter anderem auf den Breitbandausbau und das Thema Krankenhäuser ein. „Die Krankenhausstandorte im Kreis wollen wir so lange wie möglich erhalten“, sagte Bockhop. Sollte es aber eine neuerliche Diskussion geben, werde man nicht über einzelne Standorte diskutieren, sondern über die Zusammenlegung der Kliniken Diepholz, Sulingen und Bassum an einem zentralen Ort. „So lassen sich Synergieeffekte erzeugen und Personal im Bereitschaftsdienst einsparen“, so Bockhop.

Zum Thema Breitbandausbau sagte der Landrat: „Es ist so weit vorbereitet.“ Man wolle nach aktueller Planung nun doch jedes Haus direkt anschließen, und er empfahl den Wagenfeldern, die Möglichkeit direkt zu nutzen, ein nachträglicher Anschluss werde teurer werden.

Dennis Härtel, Leiter des Fachdienstes Umwelt und Bauen, informierte die Wagenfelder, dass die Gemeinde habe vier neue Baugebiete mit insgesamt 63 Grundstücken ausgewiesen hat. Der Um- und Neubau der Sporthalle nehme langsam Formen an. Der erste Bauabschnitt, in dem die alte Sporthalle in zwei Bewegungsräume umgewandelt wurde, steht kurz vor der Vollendung. Die neuen Räume können in Kürze ihrer Bestimmung übergeben werden. Auch der zweite Bauabschnitt, der Hallenneubau, gehe voran, so Härtel. „Die Bodenplatte ist gegossen, und der Kabinentrakt wird bereits hochgezogen.“

Das zweite große Bauprojekt ist die Sanierung des Hallenfreibades, die im April beginnen soll und eine Neugestaltung der Umkleidekabinen, einen neuen Eingangsbereich und Personaltrakt sowie eine neue Wassertechnik umfasst. Besonders die Installation der neuen Technik sei mit Schließungen des Bades verbunden, aber bis zum Beginn der Sommersaison sollen die Arbeiten abgeschlossen sein, so Härtel. Das Investitionsvolumen beziffert er mit rund 900 000 Euro.

Der Fachdienstleister Bürgerservice, Sven Schröder, vermeldete zur Einwohnerentwicklung, dass es im vergangenen Jahr mehr An- als Abmeldungen im Einwohnermeldeamt gegeben habe. Wesentliche Faktoren seien Saisonkräfte, die dauerhaft in Wagenfeld blieben, und Flüchtlinge, die in Wagenfeld eine neue Heimat fanden. Außerdem zeige sich ein positiver Trend in der Geburtenstatistik, was sich auch in der Erweiterung der Betreuungsplätze niederschlage.

Elke Schepmann vom Fachdienst Finanzen freute sich besonders über die hohen Einnahmen bei der Gewerbesteuer im vergangenen Jahr: unter dem Strich 2,8 Millionen Euro. „2018 war unser Rekordjahr. So viel hatten wir noch nie“, erklärte Schepmann. Den hohen Einnahmen stehe ein Rekordinvestitionsvolumen von etwa fünf Millionen Euro gegenüber. Dennoch sei man nach wie vor seit 2015 schuldenfrei, so Schepmann weiter.

Zum Abschluss der Einwohnerversammlung gab Bürgermeister Matthias Kreye einen Überblick über die gewerbliche Entwicklung in der Gemeinde. Er berichtete unter anderem über steigende Beschäftigungszahlen. „Wir sind zum ersten Mal bei über 2 000 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten“, sagte Kreye. Die größten Arbeitgeber seien immer noch ZF, die Firma Lütvogt und die Wagenfelder Spinnerei.

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