Versteigerung von mehr als 100 Tieren aus dem Kreis Vechta

Wahnsinns-Warteschlangen in Ströhen: Die wohl außergewöhnlichste Pferdeauktion des Jahres

Stau auf der Zufahrtstraße zum Tierpark Ströhen, eine gut 50 Meter lange Schlange geduldig wartender Bieter bereits zwei Stunden vor Auktionsbeginn. In kurzen Abständen rollten am Freitagmorgen Kleinlaster und Autos mit Pferdeanhängern auf den Parkplatz und die angrenzende Weide.

  • Im Tierpark Ströhen fand eine außergewöhnliche Auktion statt.
  • 106 Pferde wurden dort am Freitag versteigert.
  • Das Angebot lockte Bieter von nah und fern an.

Ströhen – Die Aussicht auf ein „Schnäppchen“ bei der wohl außergewöhnlichsten Versteigerung des Jahres in dieser Gegend lockte Reitsportler und Züchter von Ostfriesland bis Nordrhein-Westfalen, aus den Niederlanden und sogar dem süddeutschen Raum aufs Tierparkgelände. Und selbst an einem Vollprofi wie Volker Raulf ging dieser Auftrag des Landkreises Vechta nicht spurlos vorüber. „Verkäufe mit einer Tierschutz-Geschichte als Hintergrund sind immer eine emotionale Sache“, gestand der gefragte Sachverständige des Auktionshauses Mennraths aus Mönchengladbach im Gespräch mit unserer Zeitung. Nicht weniger als 103 Pferde mit teils vielversprechenden Abstammungen aus dem Dressursport hatte der Auktionator bis zum Nachmittag an den Mann oder die Frau gebracht. Im Katalog standen 106 Tiere.

Pferdeauktion in Ströhen: Warmblüter stammen aus Lohne

Die Warmblüter, fast ausschließlich Stuten, aber auch Stut- und Hengstfohlen, stammen laut Informationen der „Oldenburgischen Volkszeitung“ (OV) von einem Züchter aus Lohne. Zwischen ihm und dem Veterinäramt der Vechtaer Kreisverwaltung gab es laut Raulf schon über „einen längeren Zeitraum ein Hin und Her – und jetzt wurde da wohl gehandelt“, schilderte der Experte vom Niederrhein.

Die Behörde bestätigte die Anzahl der Pferde, hielt sich ansonsten aber bedeckt: „Die Tiere kommen aus einer Pferdehaltung im Landkreis Vechta“, teilte Kreis-Sprecher Jochen Steinkamp mit. Das Veterinäramt habe sie dem Halter „wegen wiederholter Verstöße gegen den Tierschutz weggenommen“ (wir berichteten). Ziel sei es, die Pferde „tierschutzgerecht unterzubringen“. Gegenüber der OV hatte die Züchterfamilie beteuert, sich stets um die Pferde gekümmert zu haben.

Auktion in Ströhen: Pferde waren den ganzen Sommer draußen auf der Weide

Dicht an dicht bereit zur Abholung: Der Parkplatz des Tierparks Ströhen hatte sich am Freitag schon zwei Stunden vor der großen Auktion mit Pferdeanhängern gefüllt. Wer hier ein Tier ersteigern wollte, musste es sofort bezahlen – und mitnehmen.

Nach Raulfs Einschätzung befänden sich die Trakehner, Oldenburger und Hannoveraner tatsächlich noch in einem „guten Zustand: Es hat sich positiv ausgewirkt, dass sie praktisch den ganzen Sommer über draußen auf der Weide standen und so genügend Gras hatten.“ Auch aus Reihen des Tierparks und seinem renommierten Arabergestüt war von einem „adäquaten“ Erscheinungsbild der „Gäste“ die Rede, die hier seit etwa 14 Tagen untergebracht sind. Diese stattliche Anzahl sei „für uns schon eine ziemliche Herausforderung gewesen“, räumt Tierparkleiter Dr. Nils Ismer ein, „aber es passte zeitlich noch, weil wir jetzt gerade unsere eigenen Pferde einstallen. Deshalb musste die Auktion auch relativ zügig vonstatten gehen.“ Die Kosten stellte Ismer dem Landkreis Vechta in Rechnung. „Das ist aber nicht viel – und nichts im Vergleich zu unseren Ausfällen durch die Corona-Einschränkungen“, unterstrich der Tierarzt.

Auktion in Ströhen: Bisheriger Eigentümer hat Pferdehaltungs- und Betreuungsverbot

Der bisherige Eigentümer hatte laut Kreisverwaltung bereits vor einiger Zeit ein Pferdehaltungs- und Betreuungsverbot ausgesprochen bekommen. Er hätte die Tiere auch noch selbst verkaufen dürfen. Da er dieser Aufforderung aber nicht nachgekommen sei, habe der Kreis die Pferde nach Fristablauf „gesichert“. Sie befänden sich nun so lange im Besitz der Kommune, „bis sie an einen zuverlässigen Halter verkauft werden“.

Und das dürfte für den überwiegenden Teil nun der Fall gewesen sein. Ein Pferd nach dem anderen kam – natürlich nur bildlich gesprochen – innerhalb von vier Stunden unter den Hammer von Auktionator Raulf. Als „täglich Brot“ bezeichnete er einen solchen Umfang für sein Unternehmen zwar nicht, „aber es ist auch nichts Ungewohntes für uns, weil wir solche Aufträge kurzfristig, schnell und präzise erledigen können“. Etwa 500 Pferde versteigert das Haus Mennraths jährlich, „dieses Jahr sind es dann eben eher 600“, schätzte Raulf.

Schnell verkauft: Dieser 14 Jahre alte Hannoveraner fand ebenfalls einen Abnehmer. 300 Biet-Interessenten hatten sich für die Auktion, die der Landkreis Vechta initiiert hatte, angemeldet.

Trotzdem war während der Versteigerung in Ströhen nicht viel normal. „Für gewöhnlich ziehen solche Auktionen schon mal bis zu 2 000 Leute an, jetzt durften wir im Zuge der strengen Corona-Richtlinien nur 300 zulassen“, erläuterte Raulf. Die Interessenten mussten sich vorher anmelden, das Kontingent war schnell ausgeschöpft. Kurzentschlossene kamen daher nicht mehr auf das Tierparkgelände. Für einen geregelten Ablauf sorgten unter anderem Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes.

Erlös aus Pferdeauktion steht ehemaligem Eigentümer zu

Zwischen 700 und 7000 Euro: Zum Gesamtertrag der Groß-Auktion konnte die Vechtaer Kreisverwaltung am Freitag noch keine Angaben machen. Allerdings seien pro Pferd Preise zwischen 700 und 7 000 Euro erzielt worden, hieß es vom Landkreis. Der Erlös stehe dem ehemaligen Eigentümer zu – abzüglich der Kosten, die durch Wegnahme, Auktion und den Verwaltungsaufwand entstanden seien. nb/ov

Rubriklistenbild: © Krüger

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