Wagenfelder mit zwei Revolvern zum Titel

Oliver Luersen Europameister beim „Cowboy Action Shooting“

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„Olli the Kid“ (stehend, 5.v.l.) traf bei den Europameisterschaften der Westernschützen in der „Frontiersman“-Klasse auf eine starke Konkurrenz. Der 45-jährige Wagenfelder hatte während des Wettkampfes nur zwei Fehlschüsse zu verzeichnen und holte sich souverän den Titel.

Wagenfeld - Von Gerhard Scheland. Ein Hauch von Nostalgie, amerikanischer Pionierzeit und Abenteuer sowie Wild-West-Romantik in Vollendung wehte über das Schießgelände in Oparany in der Tschechischen Republik. Annähernd 300 Schützinnen und Schützen aus allen Teilen Europas ermittelten dort an drei Tagen in mehreren Klassen die neuen Titelträger im „Cowboy Action Shooting“ (CAS), in Deutschland besser bekannt als Westernschießen.

Am Start war auch der passionierte Westernschütze Oliver Luersen (45) aus Wagenfeld. „Olli the Kid“ wetteiferte als „Frontiersman“ um Sieg und Platz, leistete sich im Parcours nur zwei Fehlschüsse und kehrte mit dem Europameister-Titel in seiner Klasse nach Wagenfeld zurück. In der Gesamtwertung landete der Wagenfelder Cowboy auf Rang 32. „Ein gutes Ergebnis, zumal wir in unserer Klasse mit losem Schwarzpulver und Bleikugeln schießen, während in den anderen Klassen mit moderneren Patronenrevolvern geschossen wird“, zeigte sich der Wagenfelder mit seinem Abschneiden äußerst zufrieden.

Zu Beginn fehlt die Konzentration

Der kleine Ärger über die eigenen Fehler war da längst verflogen. „Fehlschuss Nummer eins hatte ich im ersten Parcours. Da war die nötige Konzentration noch nicht da. Den zweiten Fehlschuss habe ich mir im letzten Durchgang geleistet. Da waren Kondition und Konzentration offensichtlich verbraucht“, resümierte „Olli the Kid“ nach dem Wettkampf.

Der fand in diesem Jahr unter extrem schwierigen Witterungsbedingungen statt. „Der zweite Tag war völlig verregnet. Da war kein Schießen unter Wettkampfbedingungen möglich. Deswegen mussten wir am finalen dritten Tag neun Durchgänge schießen. Für Schützen und Waffen gleichermaßen eine Herausforderung“, erinnert sich Oliver Luersen bis heute.

Keine Trefferzonen - Ziel muss fallen 

Jeder „Frontiersman“ war bei den europäischen Titelkämpfen mit zwei Vorderladerrevolvern, einer Flinte und einer Winchester am Start – allesamt originalgetreue Nachbauten der historischen Waffen, die während der amerikanischen Cowboy-Ära zum Einsatz gekommen sind. Geschossen wurde im Parcours immer abwechselnd nach Vorgabe: Revolver, Unterhebelrepetierer, Schrotflinte.

Treffer wurden entweder durch Umfallen der stählernen Klappfallziele oder bei den sogenannten Gongs durch ein lautes „Pling“ angezeigt. Ringzahlen oder Trefferzonen gibt es – wie bei anderen sportlichen Schießdisziplinen – beim Cowboy Action Shooting nicht. „Beim CAS ist Schnelligkeit bei der Handhabung der Waffen eine wesentliche Voraussetzung für eine gute Platzierung“, betont Luersen. „Wenn Ziele nicht getroffen oder in einer falschen Reihenfolge beschossen werden, hagelt es Zeitstrafen“, ergänzt er.

Da auch beim Cowboy Action Shooting das Thema Sicherheit eine bedeutende Rolle spielt, mussten Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor dem Match einen „Sicherheits- und Regeltest“ absolvieren und sich über Neuerungen in der Sportordnung informieren.

Trockentraining im eigenen Keller

Seine Liebe zum Schießsport hat Oliver Luersen während seiner Bundeswehrzeit entdeckt. Vom Virus des Cowboy Action Shootings wurde er aber erst einige Jahre später befallen. „Im Sommer 2005 habe ich einen in Freiburg lebenden Freund zu den Deutschen Meisterschaften in Philippsburg bei Karlsruhe begleitet und mich schon im Herbst des gleichen Jahres zu meinem ersten Cowboy-Wettkampf angemeldet.“ Zunächst noch mit mäßigem Erfolg. Der stellte sich erst in den Folgejahren ein. 2012 holte der Wagenfelder sich den ersten Europameister-Titel, und ein Jahr später wurde er in Phoenix/Arizona bei starker Konkurrenz Amerika-Meister. Verdienter Lohn für Trainingsfleiß und die nötige Portion Talent im Umgang mit historischen Waffen.

In den ersten Jahren fuhr der Wagenfelder einmal wöchentlich zum Training auf die Schießanlagen in Pr. Oldendorf und Borgholzhausen. „500 Schüsse an einem Nachmittag waren damals keine Seltenheit“, betont Luersen. Heute lässt er es etwas ruhiger angehen. Aktuell konzentriert er sich auf Trockentrainingsübungen im eigenen Keller: Schnelle Waffenwechsel und sichere Handhabung von Revolver und Flinte. Den „scharfen Schuss“ trainiert der Sportschütze inzwischen nur noch im 14-tägigen Rhythmus. Aus zeitlichen Gründen einerseits, aber auch, um seinen Beruf des Orthopädie-Schuhmachermeisters, die Familie und sein Hobby unter einen (Cowboy-)Hut zu bringen. Trotz alledem möchte der 45-Jährige solange an nationalen und internationalen Titelkämpfen teilnehmen, „wie es mir Spaß macht.“

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