Konflikte, Schulden, Kriminalität, Alkohol und Verhütung Thema beim Präventionstag

Oberschüler erfahren den „Rausch“

Katrin und Rihanna versuchen sich unter der Anleitung von Trainer Roland Magg in Selbstverteidigung. Foto: Russ

Wagenfeld - Von Melanie Russ. Ein Mann bedrängt eine Jugendliche, versucht ihr näher zu kommen und sie gegen ihren Willen zu umarmen. Doch sie weiß sich zu wehren. Geschickt windet sie sich aus der Umklammerung. Der Mann ist Roland Magg, und er will der Achtklässlerin nichts Böses. Ganz im Gegenteil. Er zeigt ihr, wie sie sich gegen unwillkommene Übergriffe verteidigen kann.

Die Gewaltprävention, zu der für Magg auch die Selbstverteidigung gehört, ist eines von mehreren Modulen des Präventionstags an der Oberschule Wagenfeld am Dienstagvormittag. Schulsozialarbeiterin Lena Schröder hatte ihn für die Schüler der Jahrgänge sieben bis zehn organisiert. Je nach Altersstufe befassen sich die Jugendlichen mit (Alkohol)-Sucht, Gefahren im Internet, Gewaltprävention, Jugendkriminalität, Schulden und Sexualprävention. Schröder hatte dazu verschiedene Fachleute eingeladen, die allerdings nicht nur referieren, sondern die Schüler auch aktiv einbinden und praktische Erfahrung sammeln lassen. So wie Roland Magg, Fachtrainer für Gewaltprävention.

Er zeigt den Achtklässlern einfache Techniken, mit denen sie sich eines aggressiven Gegenübers erwehren können. Am besten sei es natürlich, erst gar keinen Körperkontakt entstehen zu lassen, betont Magg. Wer selbstbewusst auftrete und sein Gegenüber mit klaren Worten in die Schranken weise, der könne manchem Konflikt aus dem Weg gehen.

Wenn es doch zum Körperkontakt kommt, dann reicht oft eine kluge Bewegung oder ein gezielter Druck auf den Ellbogen, um sich einem Griff zu entziehen. Doch manchmal ist das nicht genug. Dann müssten die Jugendlichen auch „schlagen und treten“ können, um sich zu schützen, so Magg. Dabei geht es ihm allerdings nicht um rohe Gewalt, sondern um die richtige Technik. „Selbstverteidigung muss ohne Kraft funktionieren.“ Das bedeutet zum Beispiel, dass ein Tritt gegen den Oberschenkel, der den Gegner aus dem Gleichgewicht bringt, effektiver ist als ein Faustschlag.

Das Wissen um solche Techniken gebe Kindern Sicherheit, ist Maggs Erfahrung. „Sie haben dann ein ganz anderes Auftreten.“ Und sie können ihr Wissen nicht nur für sich selbst einsetzen, sondern auch Schwächere schützen.

„Es war sehr interessant“, er habe einiges gelernt, meint Achtklässler Louis. Er habe selbst schon mal Ärger mit einem Klassenkameraden gehabt, berichtet er. „Aber inzwischen ist er mein bester Freund.“

Ein paar Räume weiter haben die Siebtklässler viel Spaß dabei, in sicherer Umgebung die Auswirkungen des Alkoholkonsums am eigenen Leib zu erfahren. Mit einer Rauschbrille, die einen Blutalkoholgehalt von 0,8 bis 1,5 Promille simuliert, auf der Nase müssen sie auf einem Strich balancieren, einen Ball fangen oder ein Fahrradschloss verschließen – eine echte Herausforderung. „Es ist ein komisches Gefühl. Erst ist man nüchtern und dann auf einmal betrunken“, beschreibt Katharina ihr Gefühl. „Da wird einem richtig schlecht.“ „Man sieht alles doppelt und dreifach. Man hat das Gefühl, einen Berg rauf und runter zu gehen“, ergänzt Leon.

Die Siebtklässler haben nach eigenem Bekunden selbst noch keine Erfahrungen mit Alkohol gemacht, wissen aber sehr genau, welche Auswirkungen übermäßiger Konsum haben kann. „Mein Bruder war mal betrunken und wurde dann auch aggressiv“, berichtet ein Schüler.

Die Zehntklässler befassen sich in Jungen- und Mädchengruppen unterteilt mit Sexualprävention. Ihre Lehrer sind nicht dabei, damit die Jugendlichen ungehemmt sprechen und Fragen stellen können. Die Antworten liefern Mitarbeiter des Vereins für Sozialpädagogische und Lerntherapeuthische Hilfen aus Vechta. Am Beispiel eines fiktiven jungen Paares befassen sie sich unter anderem mit allen Facetten der Verhütung, bei der es eben nicht nur um die Verhinderung einer Schwangerschaft mit der Pille geht, sondern auch um die Übertragung von Krankheiten und gegenseitige Verantwortung.

Auch in den fünften und sechsten Klassen ist Prävention ein Thema, die ganz Kleinen haben aber ihre eigenen Programme. Für die Sechstklässler gibt es die Aktion „Wir sind stark“, die Fünftklässler machen gemeinsam mit Schröder ein regelmäßiges Sozialtraining, bei dem es um gewaltfreie Kommunikation geht, die unter anderem mithilfe von Rollenspielen eingeübt wird.

Auch in den unteren Klassen gebe es schon gelegentlich Konflikte, in den höheren Klassen manchmal Reibereien, schildert Lena Schröder die Situation an der Oberschule Wagenfeld. Doch „insgesamt ist es ein friedliches Miteinander“, betont die Schulsozialarbeiterin. „Hier an der Schule ist das Klima sehr angenehm.“

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