Serie „Projekte im EFMK“

Landschaftspflegeverband setzt erste Projekte um

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Ulrike Ehlers und Tanja Boldt-Dröge (links), die sich um die Bürokratie kümmert, bringen im Landschaftspflegeverband Diepholzer Moorniederung die verschiedenen Akteure in der Landschaftspflege zusammen.

Ulrike Ehlers ist in den ersten Monaten im Amt viel herumgekommen. Ein Netzwerk aufbauen und die Wünsche und Sorgen aller Beteiligten kennenlernen, stand für die Geschäftsführerin des vor gut einem Jahr gegründeten Landschaftspflegeverbandes (LPV) Diepholzer Moorniederung mit Sitz im Europäischen Fachzentrum Klima und Moor (EFMK) ganz oben auf der Liste. Beendet ist diese Reise noch lange nicht, aber inzwischen hat auch die praktische Umsetzung der Verbandsziele begonnen und trägt bereits erste Früchte.

Ströhen - „Wir sind ein neutraler Vermittler“, beschreibt sie die Rolle des LPV, in dem Landwirtschaft, Naturschützer und Politik je zu einem Drittel vertreten sind. „Diese Parität ist eine ganz gute Sache, denn so kommt am Ende immer etwas heraus, was alle mittragen. Und jeder lernt etwas vom anderen.“

Das erste Projekt, das der LPV in Angriff nahm, war das Anlegen von Blühsäumen. „Das ist etwas, was man schnell starten und umsetzen kann“, so Ehlers. Gemeinden und einige Landwirte stellten Flächen zur Verfügung. Im Frühjahr wurden vor allem in Wagenfeld, aber auch in den Samtgemeinden Rehden und Barnstorf die ersten Blühsäume angelegt. Die Kosten trugen die Kommunen. Im September folgte die Aussaat insektenfreundlicher Pflanzen auf weiteren 7 000 Quadratmetern in Wagenfeld, Lemförde, Barnstorf und Kirchdorf – dieses Mal aus Fördermitteln finanziert. In Kürze sollen an den Säumen Infotafeln aufgestellt werden. Damit wird dieses Projekt enden, weitere dieser Art wird es laut Ehlers wohl nicht geben. „Wir haben keine Mittel mehr dafür.“

Stattdessen rückt die Diepholzer Moorschnucke in den Fokus. Der Landschaftspflegeverband verfolgt zusammen mit den sechs Schäfern der Region zwei Ziele: Zum einen sollen die Tiere in der Landschaftspflege noch umfänglicher eingesetzt, zum anderen soll ihr Fleisch unter dem EU-Gütesiegel „g.U.“ (geprüfte Ursprungsbezeichnung) vermarktet werden. Voraussetzung dafür ist aber, dass die Schafe in der Region geschlachtet werden. Darum soll hier eine Schlachtstätte entstehen. Details und der Standort sind laut Landrat Cord Bockhop noch offen. Eine Vermarktungsstudie, die der LPV in Kürze in Auftrag geben wird, soll aufzeigen, wie die Schäfer und die Region am besten von den vom Aussterben bedrohten Diepholzer Moorschnucken profitieren und sie dadurch auch erhalten können.

Die wolligen Vierbeiner sind aber nicht nur Fleischlieferanten, sie sind auch begnadete Landschaftspfleger. „Die Moorlandschaften werden seit Jahrhunderten von Schafen offen gehalten. Das hat eine lange Tradition“, weiß Ehlers. „Bei meinen Gesprächen habe ich herausgehört, dass die Schäfer weitere Flächen suchen.“ Auch hier möchte der LPV helfen, Flächen ausfindig machen, die noch von Schafen beweidet werden könnten und bei Bedarf Kontakt zwischen Eigentümern und Schäfern herstellen.

Um die Herausforderungen gemeinsam besser meistern zu können, hat Ehlers einen Schäfertreff zum regelmäßigen Austausch ins Leben gerufen, der bei entsprechendem Interesse zu einem Weidetierhaltertreff erweitert werden soll. Denn eines der Ziele des LPV ist die Unterstützung der Weidetierhalter zum Beispiel bei Anträgen zu Agrarumweltmaßnahmen, die den Haltern ein besseres Einkommen ermöglichen.

Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt, der ebenfalls langsam anläuft, ist die Beratung und Unterstützung von Privatleuten bei der Aufwertung ihrer Flächen. „Aber wir machen keine Gartenberatung“, stellt Ulrike Ehlers klar. Dafür würden die Ressourcen nicht reichen. Dem LPV gehe es um größe freie Flächen, die beispielsweise zu einem Biotop weiterentwickelt oder mit Hecken, Obstbäumen und ähnlichem aufgewertet werden könnten. „Drei Privatleute haben sich schon mit größeren Projekten gemeldet“, berichtet die Geschäftsführerin. Die Finanzierung solcher Maßnahmen kann in Ströhen zum Teil über die Flurbereinigung laufen, für andere Bereiche ist die Bingo-Umweltstiftung immer eine gute Adresse. Ein paar Anträge liegen laut Ehlers schon vor. Das Procedere beschreibt sie wie folgt: Der LPV stellt den Förderantrag, die Privatperson stellt die Fläche zur Verfügung und zahlt, was nicht gefördert wird.

Der LPV Diepholzer Moorniederung ist übrigens erst der vierte in Niedersachsen und die erste Neugründung seit 20 Jahren. In ganz Deutschland bestehen laut Ehlers 178 Verbände. „In Bayern gibt es in fast jedem Landkreis einen.“ Warum Niedersachsen so „hinterher hinkt“, vermag sie nicht zu erklären. „Aber vielleicht sind wir ja ein gutes Vorbild, und es werden noch weitere gegründet.“

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