Wissenschaftliche Leiterin des EFMK zieht 100-Tage-Bilanz

„Im Naturraum Moor gibt es noch viel zu erforschen“

Die Bündelung von Kompetenzen zu den Themen Moor und Klima fest im Blick: Dr. Nele Jantz ist seit 100 Tagen wissenschaftliche Leiterin im EFMK in Ströhen. Jetzt zieht sie eine erste Bilanz. - Foto: Gerhard Scheland

Ströhen - Von Gerhard Scheland. Nach den ersten 100 Tagen als wissenschaftliche Leiterin des Europäischen Fachzentrums Moor und Klima (EFMK) in Ströhen fällt das Resümee von Dr. Nele Jantz ausgesprochen positiv aus: „Ein vielseitiger Job, in dem ich mit vielen interessanten Menschen zusammenkomme und wichtige Behörden und Ämter aus den Bereichen Naturschutz, Wissenschaft, Forschung, Torfindustrie und Landwirtschaft kennenlerne.“ Kein Arbeitstag gleiche dem anderen, betont die 30-jährige Biologin, „deswegen ist meine Arbeit immer abwechslungsreich und nie langweilig“.

Die gebürtige Staderin hat am 1. April dieses Jahres die Nachfolge von Dr. Geerd Smidt angetreten. Seit der Einweihung des EFMK im Oktober 2014 hatte die wissenschaftliche Arbeit im Naturraum Diepholzer Moorniederung in dessen Händen gelegen. „Im Naturraum Moor gibt es noch viel zu erforschen, packen wir es an“, hatte Nele Jantz vor gut drei Monaten bei der Amtsübernahme versprochen – und gleich mit großem Engagement losgelegt. Erste Erfahrungen mit dem besonderen Naturraum hatte sie zuvor bereits bei einem fünfmonatigen Forschungsprojekt des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege gesammelt: „Holozäne Moorentwicklung im Darlatener Moor“.

Ein wichtiges Ziel ihrer Arbeit sieht die wissenschaftliche Leiterin in der Bündelung von Kompetenzen zu den Themen Moor und Klima, in enger Zusammenarbeit mit dem im Obergeschoss des Fachzentrums residierenden BUND Diepholzer Moorniederung sowie dem Deutschen Verband für Landschaftspflege (DVL), der vor vier Monaten im Westflügel der „Moorwelten“ eine Beratungsstelle eingerichtet hat. „Unser gebündeltes Wissen müssen wir möglichst effektiv für ein nachhaltiges Landmanagement und den Schutz des Moores einsetzen“, betont die 30-Jährige.

Vorliegende Forschungsergebnisse machen deutlich, dass der Treibhausgas-Ausstoß der Bundesrepublik drastisch gesenkt werden muss, um die im Pariser Abkommen verabredeten Klimaschutzziele zu erreichen. In Niedersachsen ist die Landnutzung von Moorböden allein für etwa elf Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Bekannt ist allerdings auch, dass Flächen in Moornähe schon lange landwirtschaftlich genutzt werden. „Wenn wir unser Ziel erreichen wollen, müssen wir nach Alternativen suchen, sie entwickeln und voranbringen“, macht die Biologin deutlich. „Ansatz ist dabei nicht, alles unter Schutz zu stellen, sondern primär intakte Naturschutzflächen zu erhalten sowie industriell abgetorfte Moorflächen und ehemalige Handtorfstiche wieder zu renaturieren. Gerade in diesen Flächen steckt noch großes Potenzial. Im Hinblick auf die Nutzung von Moorböden als Ackerfläche wollen wir mit Landwirten zusammen nach Lösungen suchen, die es ermöglichen, regionalen Betrieben ein wirtschaftliches Auskommen zu garantieren und gleichzeitig die Emissionen zu reduzieren. Der Anbau von Moosen als Torfersatzstoff ist dabei ein sehr vielversprechender Ansatz.“

Mehrere Projekte bereits umgesetzt

Mit Unterstützung der wissenschaftlichen Leitung im EFMK sind in der Vergangenheit bereits mehrere Projekte angeschoben und erfolgreich umgesetzt worden. Nele Jantz hat inzwischen weitere neue Förderprogramme beantragt und sich um die Mitarbeit bei verschiedenen Projekten beworben. „Die Projekte ,Moorland’ und ,OptiMoor’ befinden sich zurzeit in der Beantragungsphase. Es sind jeweils noch letzte Detailfragen zu klären“, erläutert Jantz den aktuellen Stand der Antragstellung.

Die Bewahrung und Wiederherstellung von Mooren im Zuge der Anstrengungen für den globalen Klimaschutz steht über dem Projekt „Moorland“, welches vom BUND Landesverband Bremen ins Leben gerufen wurde. Die Initiatoren setzen dabei auf die Unterstützung vieler klimafreundlicher Menschen und hoffen, dass sie möglichst viele Käufer von sogenannten Klima-Zertifikaten finden. „Gekauft wird damit symbolisch ein zur Wiedervernässung anstehendes Moorstück in einem der Klimamoore in der Region“, beschreibt die EFMK-Wissenschaftlerin das Projekt. „Welches Moor als Klimamoor geeignet ist und welches Schutzprojekt gefördert wird, entscheidet ein unabhängiger, mit Experten besetzter Vergaberat.“ Nele Jantz sieht bei dem Projekt gute Chancen, dass die sogenannte „Goldgrube“ im Bereich des Neustädter Moores vom Vergaberat als förderwürdig anerkannt wird.

Um die Erprobung und Entwicklung der Optimierung von Hochmoor-Sanierung auf landwirtschaftlich vorgenutzten Flächen zur Erhöhung der Biodiversität und Kohlenstoffspeicherung geht es beim „OptiMoor“-Projekt. „Zur Sanierung von landwirtschaftlich vorgenutzten Hochmoor-Standorten fehlen bisher strukturierte und wissenschaftlich erhobene Erkenntnisse“, begründet Nele Jantz ihren Antrag als Hauptvorhabensträgerin. Anders als ehemalige Torfabbau- oder Ödlandflächen im Moor seien intensiv genutzte landwirtschaftliche Flächen bisher nicht Ziel von großflächigen Wiederherrichtungs-Maßnahmen im Moor gewesen.

„In einem 10.000 Quadratmeter großen Feldversuch im Ammerland werden mit einem definierten Wassermanagement sieben Varianten von Vernässungsmaßnahmen erprobt und wissenschaftlich begleitet“, beschreibt die Biologin das Projekt.

Neben der Vegetations- und Nährstoffentwicklung, so die Fachfrau, würden auch Veränderungen im Relief, der Hydrologie und der Treibhausgas-Emissionen erfasst. Die Mess-Ergebnisse könnten dabei helfen, bei zukünftigen Sanierungsvorhaben eine Erhöhung der moortypischen Biodiversität und Kohlenstoff-Speicherung zu erreichen.

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