Familie Glückstadt hat langen Atem beim Umbau eines alten Fachwerkhauses

Familie Glückstadt baut altes Fachwerkhauses aus

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Im großen Dachgeschossatelier des Hauses Glückstadt in Wagenfeld trafen sich am Sonntag alle anwesenden Künstler zum gemeinsamen Foto.

Wagenfeld - Zugegeben, einen so langen Atem wie die Familie Günter Glückstadt aus Wagenfeld, ein historisches Gebäude umzubauen zu einem modern funktionierenden Haus mit heutiger Technik, Wärmekonzept und Wohlfühlcharakter hat nicht jeder. Seit 1990 baut die Familie aus Passion an dem Fachwerkgebäude.

Zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag lud sie an alter Bausubstanz interessierte Nachahmer und Gäste ein. Und das schon im fünften Jahr, sodass die Bauabschnitte und der Fortschritt für die Besucher sichtbar sind. Wo 2014 noch das skelettartige Fachwerk entkernt stand, sind Räume zu erkennen, der Ofen bollert im Flettbereich, die provisorische Treppe führt die Besucher ins ausgebaute Obergeschoss.

Einzug 2018 geplant

„Im nächsten Jahr möchten wir einziehen“, vermeldet stolz und gar nicht überdrüssig des Bauens der Hausherr Günter Glückstadt. Denn sein Weg war neben der Renovierung von Grund auf, Schritt für Schritt, quasi genussvoll, auch der Gedanke, an seinem Beispiel ganz praktisch sinnvolle Konstruktionen anderen Bauherren alter Gebäude und das Bauen im Bestand zu verdeutlichen. So entwickelten sich Trauben von Führungswütigen hinter Glückstadt, die alles über Materialien, Handwerk, Gewerken und vor allem seinen Erfahrungen wissen wollten. Denn instinktiv wissen die meisten, dass zum Beispiel eine Fachwerkkonstruktion höchst gefährdet ist, wenn mit Materialien saniert wird, die die Diffusion verhindern, stoppen und den Taupunkt in das Fachwerk verlagern. Dass mit Augenmaß vorzugehen ist im Altbau und nicht alles, was bei einer Sanierung bezüglich Dämmung, Fenstertausch oder Gebäudetechnik machbar ist, notwendig und auf den Altbau bezogen vernünftig ist.

Bei der Altbausanierung heißt das Gebot der Stunde: Abwägen der Möglichkeiten, angemessener, individueller und sensibler Umgang mit Bausubstanz und Gebäudecharakter. So hat auch das Haus von Glückstadt unterschiedlichste Nutzungen und Bauausführungen gesehen. Vom Fachwerkhaus mit Stallgebäude in Reet, über Bausünden der „Man kann alles an Baumaterialien bekommen“–Ära. Eine Informationswand belegt mit Bildern in chronologischer Abfolge, welchen Lebensweg das Haus hatte.

Glückstadt ist Mitglied in der Interessengemeinschaft Bauernhaus (IgB), dessen Leitspruch ist: „Wir lieben alte Häuser.“ Der Slogan greift bei ihm: Ein bisschen mit Selbstkritik schreibt die Familie zum Tag des offenen Denkmals auf der IgB-Internetseite: „49419 Wagenfeld - Niederdeutsches 2 Ständer-Hallenhaus von 1810; endlich fertig??? Nach mehrjähriger Renovierung fast fertiggestellt. Das Haus wird mit einer Fußbodenheizung beheizt, die mit Erdwärme (Tiefenbohrung) gespeist wird. Für die Belichtung im inneren Bereich wurde ein Lichtschacht eingebaut.“

Den und mehr plus der obligaten Kunstausstellung von Glückstadts Malkollegen aus der Volkshochschule unter der Leitung von Marianne Kellermann-Hiller zu sehen, lud das Paar viele Gäste auch zu gemütlichem Plausch und Kaffee und Kuchen ein. In dem fast fertigen Gebäude, das aber überall noch halbfertige Nischen, Durchblicke, Fensterlaibungen, offenes Fachwerk und einen Treppenschacht zur Hängung der Bilder der neun Künstler bietet, bietet sich für die Besucher eine außergewöhnliche Kulisse. Im großen Dachgeschossatelier treffen sich alle anwesenden Künstler zum gemeinsamen Foto. Die in der Endausbauphase befindlichen Wände bilden mit den Bildern eigene Stillleben, die Gäste stört nicht, dass sie vor Porensteinen, an Fußbodenheizungsrohren sitzen. Das überhaupt erste Bild von Martina Cording, die erst ein Jahr lang in der Malgruppe weilt, passt zum Tag des Denkmals besonders gut: Die auf die Grundformen reduzierten roten Häuser in grüner Landschaft. So wie der gesamte Tag. J sbb

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