Musikalisches Feuerwerk mit der Mandoline

Avi Avital begeistert Publikum in der Auburg in Wagenfeld

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Musiker mit Leib und Seele: Avi Avital holte in Wagenfeld das Letzte aus seinem Instrument heraus.

Wagenfeld - Von Simone Brauns-Bömermann. Die Startphase der 31. Niedersächsischen Musiktage fand mit sechs Programmpunkten in Stadt und Region Osnabrück statt, wanderte in den Dom zu Verden und die Stadtkirche in Rotenburg/Wümme. Am Dienstag war der „Klang-Denk-Kunst-Architektur-Natur-Raum-für-Neues“-Begriff in der Auburg in Wagenfeld angekommen.

Das historische Gebäude hatte Glück, dass es in der Auswahl der Räume des diesjährigen Festivals einen eher begrenzten Saal mit rund 100 Plätzen zu bieten hat, einer intimen Bühne. Die Wahl des Künstlers für den Raum Auburg fiel auf den Superstar an der Mandoline: Avi Avital.

Avital und Publikum geben sich gegenseitig Herzlichkeit

Mit dem Titel: „Raum“ wird das Thema groß aufgehängt. Avital ergänzt das Gesamtthema durch seinen Titel des Konzertes „Durch Länder und Räume“ um die Komponenten Zeit und Reise, die sich meist bedingen und seine Interpretation von Raum als Definition: Freiraum der Stile.

Er ist ein Musikstar, steht exklusiv als erster Mandolinen-Solist bei der Deutschen Grammophon unter Vertrag, kennt die Konzertsäle der gesamten Welt und elektrisiert sein Publikum. Was er in Wagenfeld erfuhr, war Herzlichkeit, was er gab war Herzlichkeit. Denn es ist nicht selbstverständlich, dass ein prominenter Künstler sein Spiel unterbricht und nach einer Besucherin schaut, die sich unwohl aus dem Saal entfernt. Ein kurzes „Sorry“ bei der Rückkehr auf die Bühne für die unterbrochene Spielexplosion, Innehalten, Sammeln und Fortfahren mit dem begeisternden Spiel des Stars.

Avital akzeptiert weder Tabus noch Grenzen

Ja, er spielte in einem historischen Denkmal, das dezent den Rahmen bot, doch es war der Künstler, der Denk- und Klangräume mitbrachte, Genres, Zeiten und Interpretationen. Und ganz praktisch ein kleines Instrument mit großer Wirkung in Wechselwirkung mit seinem Reisebegleiter. Bettina Wegner sang die Kitas rauf und runter: „Sind so kleine Hände, darf man nie drauf schlagen…“, Avi Avital hält es ähnlich: Ist so klein das Instrument, darf es nie verstummen. 

Mit Avital kam ein Mensch und Kosmopolit, der keine Tabus und Grenzen akzeptiert und gemeinsam Kulturen, Zeitepochen, Stile mit seinem hölzernen Instrumenten-Freund verbindet. Er hinterließ restlos begeisterte Zuhörer, die ihre Bravorufe und Pfiffe nicht unterdrücken konnten, die zwischen neuer Musik und dem musikalischen Gedicht des Japaners Yasuo Kuwahara, Johann Sebastian Bachs Partita Numero zwei in d-Moll, und dem für einen hartnäckigen Fan von Avi komponierten Stück denken müssen.

Avital erlaubt sich keine Atempausen

„Sie werden ein Feuerwerk erleben“, flüstert ein Gast, der Avital mehrfach gehört hatte. „Da muss man sich reinhören“, eine Stimme in der Pause. Ein Wechselbad der Gefühle für das Publikum, Schweißperlen auf der Stirn, sinnlicher Mund und verklärte Augen des Künstlers verschmelzen zu einem Drahtseil gespannter Konzentration im ausverkauften Saal. Die Fenster geöffnet, nicht zuletzt, um sich auch gedanklich im Raum verlieren zu können. Die Zuhörer müssen auf alles gefasst sein: Auf jüngste Musik aus 2014 von Kareem Roustom mit Noten vom I-Pad, Seitenblättern per Funkpedal, mit Percussion an Lackschuh auf Bühne und Finger an der Mandolinendecke.

Zeitsprung: „You will hear the very first mandolin solo composition from the 16th century”, Avitals nächste Ankündigung. Aufrecht sitzend wie am Italienischen Hof. Avital hat seine Studien an der Mandoline in Italien bei Ugo Orlandi perfektioniert. Er gibt sich aber selbst keine Atempause: Vor dem Auftritt in Wagenfeld spielte er über 20 Konzerte beim Schleswig-Holstein-Musik-Festival und am Sonntag noch in Tel Aviv.

Avital steht nach dem Konzert mit Gästen bei einem Bier zusammen

Avital ist ein musikalischer Architekt: An Brücken denkt er immer, er baut sie gemeinsam mit seinem Instrument. Der Mann verbindet vergoldete Kuppeln mit norddeutschem Fachwerk. Das Konzert begann mit einem Verlieren im szenischen Raum: Einem chassidischen Gebetslied ohne gedankliche Grenzen und endet mit einer Zugabe, die rasant, brachial, exzessiv und voller Kraft in Wüsten der nordöstlichen Hemisphäre entführt. Die Gäste springen auf, pfeifen und entladen ihre Begeisterung für den Künstler und sein Kunstgeschenk. Es treibt um, ob man nicht Bach einmal öfter solo auf der Mandoline hören solle und es bewerten wie Brahms zu Clara Schumann über die Chaconne aus der Partita Numero zwei: „Der Mann schrieb eine ganze Welt der tiefsten Gedanken und größten Gefühle“. Avi Avital stand nach dem Power-Konzert beim Bier mit den Besuchern zusammen – mit dem breiten Lachen, das nur ein Weltfreund hat.

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