Vier Einzelkünstler und Künstlergruppe stellen aus

Moorwelten mit frischem „Flügelschlag“

Applaus zur Vernissage der Ausstellung „Flügelschlag“ in den Moorwelten.

Ströhen - Von Simone Brauns-bömermann. Frischer Wind, wie ein starker „Flügelschlag“, zieht durch die Moorwelten. Mit der Kunstausstellung „Flügelschlag“ zum fünften Geburtstag des Europäischen Fachzentrums Moor und Klima im Besucherzentrum der Moorwelten in Ströhen bezogen 136 junge und auch renommierte Künstler Stellung zu ihrem von Mooren umgebenen Lebensraum.

Ein schönes Bild bot sich dazu am Donnerstagabend zur Vernissage: Der Parkplatz der Moorwelten gut gefüllt, die Gäste der Ausstellung im Begriff den Eingang zu entern. Das Datum der Ausstellungseröffnung war von Dr. Michaela Meyer als Leiterin der Moorwelten gut gewählt: Genau vor fünf Jahren hatte das Zentrum seine Tore geöffnet. Schon damals wurde das klare Ziel verfolgt, auch und vor allem die junge Generation mit der Idee eines außerschulischen Lernortes rund um den Lebensraum Moor einzubinden.

Mit der seit dem Frühjahr organisierten Gemeinschaftsausstellung von den vier Einzelkünstlern Annette Aschern (Visbek), Edwin Partoll (Drentwede), Sven Stumpe (Ströhen) und Sven-Sönke Näter alias „Nieré“ (Brockum), den 14 Damen der Künstlergruppe Hüllhorst und insgesamt mehr als 120 Schülern der Grundschulen aus Wagenfeld und Ströhen war dies gelungen. Für die Schüler war dazu der Kreativwettbewerb „Ich und das Moor“ ausgeschrieben.

„Wir haben diverse Exponate exemplarisch ausgewählt, in der nächsten Woche werden wir die Besten prämieren“, verriet Meyer bei der Eröffnung. Für ihre Idee und den Mut, regionale Künstler zur Belebung des Hauses mit dem einheitlichen Thema „Moor“ bei den Werken in die Moorwelten zu holen, erhielt Meyer ein großes Lob vom Hausherrn und Bürgermeister Matthias Kreye: „Ihnen ist es gelungen, eine so tolle Ausstellung zu organisieren. Ich bin begeistert, wie viele Gäste heute da sind. Damit hatte ich nicht gerechnet.“

Die Werke, die in den Gängen – sie stellen die Flügel des als Kranich konzipierten Gebäudes dar – , in den Treppenhäusern und Fluren zu sehensind, zeigten große Verbundenheit zu dem faszinierenden, mal spröde abweisenden, aber durch Stille, Tiefe und Ruhe geprägten Lebensraum Moor mit seinen Schätzen, die sich oft erst im zweiten Blick zeigen.

Als wäre es gut, Flügel wie die Kraniche zu besitzen, um an die entlegenen Standorte zu gelangen oder einfach mal aus der Vogelperspektive das ganze Ausmaß des prägenden Lebensraumes zu sehen, muteten die sehr unterschiedlichen Werke der verschiedenen Künstler an.

Die fünf Werke der Grundschüler aus Wagenfeld thematisierten, auf das Wesentliche reduziert, die Tier- und Pflanzenwelt im Moor: Die Kraniche, Frösche und die zarten Pflanzen, wie das Wollgras. Ströher Grundschüler hatten auch ein großes Modell der Moorbahn mit Strecke, angrenzenden Höfen, Schafen in Gattern und Aussichtstürmen gebaut.

Die 14 Malerinnen aus Hüllhorst waren mit zwölf Damen zur Vernissage vor Ort und freuten sich über den prall gefüllten linken Flügel, wo ihre Werke ausgestellt werden. „Wir haben uns über die Einladung sehr gefreut und den Sommer genutzt, uns mit dem Moor näher auseinanderzusetzen“, sagte Helga Deppe aus der Gruppe. Sie kannte die Moorwelten bereits, hatte hier schon ausgestellt, war aber wie ihre Kolleginnen mit dem gemeinsamen Titel erneut an die Landschaft herangetreten.

Herausgekommen sind Malereien der Landschaft, Tier- und Pflanzenwelt. Hier arbeiteten die Künstler mit ihren eigenen Techniken. So entstand die „Fledermaus“ von Evelyn Woker aus Löhne in Enkaustik-Technik. Mit ihrem zwölfteiligen Gesamtwerk, das wie eine Collage aufgehängt ist, präsentierte die Gruppe aus Hüllhorst die gesamte Schönheit der Moorwelt.

Edwin Partolls Genie, Gesehenes so gekonnt zu reduzieren, dass dem Betrachter sprichwörtlich nur die Spucke wegbleiben kann, wurde im Seminarraum deutlich. Seine Skulpturen lieferten Zeugnis davon: Seine metallenen Kranich-Vögel sind wie Pinselschwünge in Metall fixiert. Die zwei großen Metallkraniche von ihm hielten derweil draußen im Barfuß-Patt Wache und genossen den feuchten Nebel.

Annette Aschern versteht ihre Kunst als Abbild der Mystik der Moore. Die ausgebildete Architektin, intermediale Kunsttherapeutin und freie Künstlerin hatte ihre „Moormomente“ mit kleinen Gedichten, japanischen Haikus, versehen, mit dem Ziel der intensiven Erfahrung des Lebensraumes Moor. Sie hatte auch den Titel der Ausstellung angeregt.

Nieré sieht das Moor quasi durch zwei Objektive: Durch das Auge und durch die Linse des Fotoapparates. Die Fotografie ist der Fokus seiner Kunst, die seine Bilder mal mehr, mal weniger groß verfremdet. „Nieré bringt das Wichtigste auf den Kern“, benannte es Meyer. Und wie die Kraniche Gruppenvögel sind, standen auch Nierés Werke nicht allein, sondern in Serie.

Sven Stumpe ist ein Holzsammler der besonderen Art. Er liebt die Mooreiche, je älter desto besser, und gefunden müsse sie sein. Seine Exponate „erstrahlten“ – durch Lichtkunst ergänzt – wie ein wertvoller Schatz, von Stumpe wiedergefunden. „Wow, wie wunderbar“, war häufig von Betrachtern, während des Rundgangs, zu vernehmen. Die Ausstellung ist für Besucher bis zum 30. November erlebbar.

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