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Moorbahn in Ströhen sucht Verstärkung: „Wir brauchen frische Rentner“

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Von: Carsten Sander

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Lokführer gesucht! Reiner Kowarik wirbt um neue Moorbahn-Mitstreiter.
Lokführer gesucht! Reiner Kowarik wirbt um neue Moorbahn-Mitstreiter. © Sander

Die Moorbahn in Ströhen ist eine der touristischen Attraktionen in der Dümmer-Region. Doch die meisten Lokführer sind älter als die ebenfalls schon betagte Lokomotive. „Wir brauchen frische Rentner“, sagt Koordinator Reiner Kowarik und meint damit wenigstens eine leichte Verjüngung.

Ströhen – Um „Emma“ in Gang zu bringen, braucht es nicht mehr als einen Kanister Diesel und den richtigen Schlüssel. Dann springt der Motor an, und die 56 Jahre alte Lokomotive zieht die Waggons aus der Halle. In diesem Fall ohne Mitfahrer und nur, um sich in der Sonne präsentieren zu können. Reiner Kowarik geht die paar Meter zu Fuß neben her, führt die Lok beinahe wie am Zügel. „Ich sag' immer: Das ist mein Pferd“, lacht der Mann, der sich als Koordinator federführend um den Betrieb der Ströher Moorbahn kümmert – und deren Zugpferd ist „Emma“. Damit sie auch in den kommenden Jahren gehegt, gepflegt und gefahren wird, hat Kowarik in den vergangenen Monaten schon ein bisschen Alarm geschlagen. Denn: Das Lokführer-Team der Moorbahnen braucht Nachwuchs.

Derzeit sind es noch zwölf, 13 Männer, die sich in den Dienst der Bahn stellen. Zwischen dem 1. April und dem 31. Oktober fahren sie Fami-lien und Touristen von Ströhen ins Moor und wieder zurück. Immer zu zweit im Führerstand, „aus Sicherheitsgründen“, so Kowarik. Und weil der Fahrplan mittlerweile von Dienstag bis Freitag Touren um 14 und 15 sowie an Wochenenden und Feiertagen um 11.30 und 14 Uhr vorsieht, kommt ganz gut 'was zusammen an Fahrten. Mit anderen Worten: Der Aufwand ist hoch, die Personaldecke könnte aber dicker sein. Erst recht mit Blick auf die kommenden Jahre. Die Moorbahner sind nämlich nicht mehr die Jüngsten. Im Schnitt 70 Jahre sei das Team alt, schätzt Reiner Kowarik, selbst schon knapp vor der 80. „Wir brauchen frische Rentner“, sagt er und lacht erneut: „Die Aufgabe eignet sich eigentlich ganz gut für Rentner.“

Vor wenigen Monaten hat Reiner Kowarik schon einmal einen ersten Hilferuf abgesetzt. Und ja, er hat sogar gewirkt. Ein bisschen wenigstens. Bei ihm hätten sich tatsächlich Interessenten gemeldet, die mithelfen wollen, den Betrieb der Moorbahn als Lokführer langfristig aufrechtzuerhalten. Mehr als „eine Anbahnung“ zwischen ihm und den möglichen Mitstreitern sei bisher aber nicht zustande gekommen, so Kowarik. Wie nachhaltig das sein wird? Abwarten.

Die Anforderungen, um „Emma“ ins Moor und zurück steuern zu dürfen, sind nicht besonders groß. „Ein bisschen Hirn und Wille“ bräuchte es, das reiche dann schon, meint Kowarik: „Es ist kein Drama, diese Lok zu fahren. Mit mehr als 6,5 km/h darf sie ohnehin nicht unterwegs sein – und dafür braucht man keinen ICE-Schein.“

Kontakt

Bei Interesse an einer Mitarbeit ist Reiner Kowarik via Telefon unter 05774/1280 oder per Email unter rkowarik@t-online.de zu erreichen. Wichtig: Mögliche Lokführer sollten aus der nahen Umgebung stammen.

Nein, vor allem braucht man Zeit und Lust für und auf den Job, der kein Geld bringt. „Wir machen das alle ehrenamtlich“, sagt Kowarik, der gespannt ist, wie sich die bald beginnenden Ferien in Nordrhein-Westfalen und etwas später in Niedersachsen auf die Fahrgastzahlen der Moorbahn auswirken werden. Durch die neue Buslinie F17 sind der Moorbahn-Bahnhof und die Haltestelle an den Moorwelten mit dem Marissa Park am Dümmer verknüpft. Und auch wenn die Buszeiten und Abfahrtszeiten der Moorbahn noch nicht optimal synchronisiert sind, könnte der neue Shuttle-Service für eine Steigerung der Fahrgastzahlen sorgen. 70 Personen passen in die Waggons, bei Bedarf kann auf 110 aufgestockt werden. Doch das war bislang „nicht so häufig“ nötig, sagt Reiner Kowarik. Im Jahr kutschiert die Bahn zwischen 3 000 und 5 000 Menschen zum Moorpadd und wieder zurück. Ob diese Werte sich nun erhöhen, mag Kowarik nicht prophezeien: „Es kann sein, aber Prognosen sind noch schwierig. Es ist wie bei einer Straßenbahn, da weiß der Fahrer auch nie, wie viele Menschen zusteigen. Ende Juli sind wir schlauer.“ Klar ist aber: Nach schweren Corona-Jahren zieht der Betrieb wieder an, das sei jetzt schon zu spüren.

Den Sommer wird die aktuelle Riege der Lokführer sicher schaffen, glaubt Reiner Kowarik. Und vielleicht geht es auch noch ein, zwei, drei Jahre in der bestehenden Besetzung weiter. Doch der Blick in die Zukunft zeigt eben, dass Verstärkung und Verjüngung not tun.  

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