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Mit ländlicher Idylle punkten: Gemeinde Wagenfeld poliert ihr Image auf

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Von: Melanie Russ

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Fachwerk und Jugendstil, roter Stein und Holz sind Elemente des ländlichen Stils, der im Leitlinien-Entwurf für die Gemeinde Wagenfeld in den Fokus gerückt werden.
Fachwerk und Jugendstil, roter Stein und Holz sind Elemente des ländlichen Stils, der im Leitlinien-Entwurf für die Gemeinde Wagenfeld in den Fokus gerückt werden. © Russ

Der Wagenfelder Ortskern wird sich in den kommenden Jahren stark wandeln. Mit den baulichen Veränderungen möchte sich die Gemeinde auch ein Leitbild für die künftige Entwicklung geben.

Wagenfeld – Viele Köche verderben den Brei, heißt es. Doch in der Gemeinde Wagenfeld wird sich in den kommenden Jahren so viel tun, dass ein Koch nicht reicht. Allein in der auf etwa zehn Jahre angelegten Ortskernsanierung werden verschiedene Planer Projekte umsetzen. Damit aus den vielen Projekten kein buntes Sammelsurium, sondern ein einheitliches Ganzes wird, möchte sich die Gemeinde ein Handbuch geben, das Leitlinien und Ziele formuliert, an denen sich alle Planer und die Verantwortlichen in der Gemeinde orientieren sollen.

Das Handbuch soll aber nicht nur Gestaltungsrichtlinien beinhalten, sondern auch eine klare Positionierung dazu, für welche Werte und Ideale die Gemeinde Wagenfeld steht und wie sie sich nach außen präsentieren möchte. Einen ersten, von Russ Bauwert erstellten, Entwurf präsentierte Wilko Russ am Dienstag in der Sitzung des Bau-, Wege-, Verkehrs- und Umweltausschusses. Er soll den Fraktionen als Diskussionsgrundlage dienen.

Bürgermeister Matthias Kreye: „Wir brauchen eine einheitliche Linie.“

Der Wunsch nach einem Leitfaden kam während der Planungen für die Neugestaltung des Marktplatzes auf – der ersten Maßnahme der Ortskernsanierung. Bei der Auswahl der Gestaltungselemente von Bänken, Beleuchtung und Zäunen bis zur Farbe der Pflasterung wurde deutlich: Das Angebot ist schier unendlich. „Darum ist es wichtig, dass wir eine Leitlinie haben“, argumentiert Bürgermeister Matthias Kreye mit Blick auf den begonnen Umbruch im Ortskern, der in einer einheitlichen Gestaltung münden soll. „Dieser Schuss muss sitzen“, sagt Russ. Denn in den kommenden 30 bis 40 Jahren werde die Gemeinde eine derartige Förderung wie für die Ortskernsanierung nicht mehr bekommen. Nachjustieren wäre also schwierig.

Einheitliche Materialien für alle infrastrukturellen Anlagen

Wilko Russ schlägt zum einen die Zusammenstellung eines Werkzeugkastens mit Materialien vor, die den ländlichen Charakter der Gemeinde aufgreifen und sich in vielen verschiedenen infrastrukturellen und baulichen Anlagen wiederfinden sollen: warmer Wagenfelder Backstein, roter Betonstein, helle Kontraste in Sandstein, Eichenholz in Fachwerkelementen oder als Rahmen für Beschilderungen, Elemente in Corten-Stahl, der mit seiner Rostoptik an vergangene Zeiten erinnert, weiße Koppelzäune, Bänke, Beleuchtung und ähnliche Elemente in anthrazit beschichtetem Stahl. Im öffentlichen Bereich soll dieser Werkzeugkasten verpflichtend verwendet werden, aber auch private Investoren sollen sich davon gerne inspirieren lassen.

Werben mit dem Ideal eines attraktiven Landlebens

Neben der Infrastruktur wird laut Russ das Image einer Gemeinde im Werben um junge Familien, Best Ager und Unternehmen immer wichtiger. Er plädiert dafür, nicht zu versuchen, städtisch zu wirken, sondern die ländliche Identität der Gemeinde, das Ideal eines attraktiven modernen Landlebens in den Vordergrund zu stellen. Heimatverbundenheit, Leben im Einklang mit Natur und Umwelt, verlässliches Miteinander statt städtische Anonymität, Idylle sind Stichworte.

Russ empfiehlt auch, nicht nur um junge Familien zu werben, wie es alle Kommunen tun, sondern ebenso um Best Ager, Menschen über 60 Jahren, die im Ruhestand die Stadt gegen das Landleben tauschen wollen. Sie seien häufig finanzstärker als junge Familien, die gerade ein Haus gebaut haben, und konsumfreudig.

Ein Leitbild, das aufzeigt, wohin die Reise in den kommenden Jahrzehnten geht, kann laut Russ auch hilfreich sein, Investoren in die Gemeinde zu locken, die zur Zielgruppe passende Produkte und Dienstleistungen anbieten, also beispielsweise für die Best Ager.

Zu einer guten Außendarstellung gehört für Wilko Russ auch ein eingängiger Slogan, der das Leitbild (Heimatverbundenheit, Landleben, Lebensqualität) prägnant zusammenfasst. Sein Vorschlag: „Mien to Huus“.

Kritik von Ortsvorsteher Reinhard Heider: Auch die Ströher beteiligen

Ströhens Ortsvorsteher Reinhard Heider verfolgte die Ausführungen aufmerksam aus dem Zuhörerraum und meldete sich in der Einwohnerfragestunde mit deutlicher Kritik zu Wort. Für seinen Geschmack liegt der Fokus des Entwurfs zu stark auf dem Wagenfelder Ortskern. „Wenn ihr uns mitnehmen wollt, müsst ihr uns beteiligen. Du hast viele Beispiele genannt, aber nicht ein einziges aus Ströhen“, kritisierte er Wilko Russ. „Wenn es um die Außendarstellung geht, hat Ströhen auch einiges zu bieten.“ Den Tierpark und die Moorwelten zum Beispiel. Das Handbuch sei für die gesamte Gemeinde gedacht, stellte Heider klar.

Das sieht auch SPD-Ratsherr Heino Spreen so, der die Sitzung als Zuschauer verfolgte. „Wir werden mindestens zweigleisig fahren müssen“, vermutet er, dass angesichts der unterschiedlichen Gegebenheiten in Wagenfeld und Ströhen nicht das eine Konzept für alle möglich sein wird. Matthias Kreye beschwichtigte und betonte, dass der Entwurf lediglich aufzeigen soll, in welche Richtung man gehen möchte. Kritik und Vorschläge seien sehr willkommen.

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