Landkreis-Vorschlag: Mit 750 000 Euro kleine Dörfer an den ÖPNV anbinden

Mit dem Taxi zum Linienbus

Im Stundentakt im Landkreis Diepholz unterwegs sind Bernd Rittmeyer und Anke Borchers – wie andere Busunternehmen auch.  
Archivfoto: Michael H. Dümer
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Im Stundentakt im Landkreis Diepholz unterwegs sind Bernd Rittmeyer und Anke Borchers – wie andere Busunternehmen auch. Archivfoto: Michael H. Dümer

Landkreis Diepholz – Im Stundentakt mit dem Bus zum Wunschziel: Mittlerweile ist das in fast allen Kommunen im Landkreis möglich. Bis auf die Gemeinde Wagenfeld bieten alle Städte, Gemeinden und Samtgemeinden mindestens in einem zentralen Ort ein solches Angebot im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Aber die Bewohner kleiner Dörfer haben viel zu oft keinen Zugang zu diesen öffentlichen Verkehrsmitteln, weil sie zu ländlich wohnen und die Bushaltestellen viel zu weit entfernt sind.

Diesen Menschen eine ÖPNV-Anbindung zu bieten, ist Ziel eines Vorschlags der Kreisverwaltung. Sie will allen Kommunen im Landkreis einen Zuschuss von bis zu 50 000 Euro gewähren, wenn sie eine solche Anbindung schaffen – wie, das entscheiden allein die Kommunalparlamente. Je nach Projekt können sie möglicherweise noch Zuschüsse aus anderen öffentlichen Töpfen gewinnen und so eine komfortable Lösung erarbeiten. Der Landkreis will sie – politische Zustimmung vorausgesetzt – mit bis zur Hälfte des verbleibenden Defizits fördern.

Im Schulausschuss, der unter der Leitung von Dietrich Struthoff (CDU) im Gymnasium Syke tagte, reagierten die Mitglieder durchweg mit Anerkennung auf den Verwaltungsvorschlag. Für die innerörtliche Erschließung sollen insgesamt 750 000 Euro zur Verfügung gestellt werden. Der Zuschuss ist auf fünf Jahre und jeweils 50 000 Euro pro Jahr und Kommune begrenzt.

Die Kommunen haben die Wahl. Sie können bedarfsgesteuerte Systeme wie ALT (Anruflinientaxi) und AST (Anrufsammeltaxi) einrichten, Bürgerbusse schaffen oder den Linienverkehr ausweiten. Zwingend jedoch ist die Anbindung zu den Regionalbuslinien oder zur Bahn. Genauso sind die Konzepte des Verkehrsverbunds Niedersachsen (VBN) und dessen Zweckverbands (ZVBN) zu beachten.

„Bürgerbusse gibt es bereits in Weyhe, Syke und Bassum“, stellte Erster Kreisrat Wolfram van Lessen fest. Stuhr habe eigene Buslinien. Schwaförden und Kirchdorf dagegen setzen auf Anrufsammeltaxis, berichtete der Erste Kreisrat. Er schilderte die äußerst positiven Erfahrungen von Heinrich Kammacher als Samtgemeindebürgermeister in Kirchdorf damit: Ältere Menschen könnten in ihren Dörfern wohnen bleiben, weil sie von Montag bis Freitag mit dem Anrufsammeltaxi zum Arzt oder zum Supermarkt fahren könnten.

Für die SPD-Kreistagsfraktion kündigte Peter Jahnke die Zustimmung zu diesem Konzept an. Auch Hans-Werner Schwarz sagte für die Fraktion der Liberalen im Kreistag Unterstützung zu – genau wie Elke Oehlmann für die Grünen. Sie wünschte sich, dass auch Carsharing und Fahrradmitnahme ins Konzept aufgenommen werden. Für Hermann Schröder (FWG) war das Konzept ein „sehr flexibler, sehr guter Ansatz“. Auch seine Fraktion will es im Kreistag unterstützen – ebenso wie die CDU, wie deren Sprecher Gerhard Albers versicherte.

In der Abstimmung registrierte Dietrich Struthoff im gesamten Gremium nur eine Enthaltung. Erster Kreisrat Wolfram van Lessen hatte zuvor deutlich gemacht, dass die Finanzierung unter dem Vorbehalt der zukünftigen Möglichkeiten stehe. Will heißen: den finanziellen Auswirkungen der Corona-Pandemie.

Um gleichwertige Lebensverhältnisse im gesamten Landkreis zu schaffen, müssten aber auch Leistungsverbesserungen in der Gemeinde Wagenfeld realisiert werden. Deshalb solle die Verwaltung gemeinsam mit dem ZVBN über Leistungsverbesserungen auf der Linie 170 beraten, lautete der Beschlussvorschlag eines weiteren Tagesordnungspunkts im Schulausschuss. Hans-Werner Schwarz forderte zunächst Gespräche mit der Gemeinde selbst: „Die ahnt sonst gar nicht, was wir ihr alles Gutes tun wollen.“ Dass sie einbezogen werde, war für Wolfram van Lessen selbstverständlich.

Von Anke Seidel

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