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Ministerin Lemke in den Moorwelten: „So kommen wir nicht weiter“

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Wiedervernässung von Hochmooren? Mit Sommern wie dem aktuellen funktioniert das nicht, schilderte Peter Germer Bundesumweltministerin Steffi Lemke eines von vielen Problemen. Es fehlt das Wasser.
Wiedervernässung von Hochmooren? Mit Sommern wie dem aktuellen funktioniert das nicht, schilderte Peter Germer Bundesumweltministerin Steffi Lemke eines von vielen Problemen. Es fehlt das Wasser. © Sander, Carsten

Bundesumweltministerin Steffi Lemke besucht die Moorwelten in Wagenfeld-Ströhen und lässt sich die Probleme bei der Wiedervernässung von Mooren erklären. Individuelle Interessen der Flächenbesitzer, dazu behördliche Hürden - „so kommen wir nicht weiter“, sagte die Grünen-Politikerin. Ein Ja mit Einschränkung gab es von ihr zum Bau von Photovoltaik-Anlagen auf ungenutzten Moorflächen.

Ströhen – Als sie alles gesehen und gehört hatte, war für Steffi Lemke klar: „Spätestens nach diesem Sommer sollte ein weit verbreitetes Verständnis für die Wiedervernässung von Moorflächen da sein.“ Die Bundesumweltministerin (Bündnis 90/Die Grünen) hatte am Freitag das Europäische Fachzentrum Moor und Klima in Wagenfeld-Ströhen – kurz: Moorwelten – sowie das Neustädter Moor besucht, um sich schlau zu machen, welche Arbeit vor Ort geleistet wird, wo die Probleme bei der Umsetzung der Ziele liegen. „Es ist kein reiner Wahlkampftermin, sondern ein Info-Termin“, betonte die Bundesministerin.

Wobei: So ganz trennen lässt sich das mit Blick auf die Landtagswahlen im Oktober dann doch nicht. In Lemkes Begleitung nahmen die Parteikollegen und Landtagskandidaten Thomas Heidemann (Wahlkreis Diepholz), Burkard Bauer (Nienburg Süd), und Ann-Sophie Wiek (Nienburg-Nord) an der Führung teil und nutzten die Prominenz des Gastes, der auf Einladung der Nienburger Bundestagsabgeordneten Katja Keul (Bündnis 90/Die Grünen) nach Ströhen gekommen war.

Lemke: „Es ist beeindruckend, was wir hier zu sehen bekommen“

Lemke fuhr in einer BMW-Limousine vor, vier Sicherheitskräfte – alle mit Knopf im Ohr und teils stilecht mit Sonnenbrille – immer in ihrer Umgebung. So ist das, wenn eine Bundesministerin auftritt. Aber: Der Umgangston war locker, das Interesse an dem, was Anika Starke von den Moorwelten und Peter Germer vom BUND über die jeweiligen Projekte berichteten, war authentisch.

Dem Moor- und Klimaschutz misst Steffi Lemke große Bedeutung bei. Denn Moore binden klimaschädliches Kohlendioxid, brauchen allerdings Wasser, um fortbestehen und bestenfalls sogar wachsen zu können. Womit der Brückenschlag zurück zum Eingangszitat gemacht wäre. Verhältnisse wie die aktuelle Dürre sind Gift für Moore – speziell für ein Hochmoor wie das besichtigte Neustädter Moor. „Wenn wir künftig nur noch solche Verhältnisse haben, sind Hochmoore nicht wiederzuvernässen“, erklärte Peter Germer der Ministerin. Die Aufgabe sei, Wasser in den Mooren halten, damit Kohlendioxid gebunden wird, beziehungsweise gebunden bleibt.

„Es ist beeindruckend, was wir hier zu sehen bekommen“, sagte Lemke am Ende der Exkursion. Sie hatte immer mal wieder zum Handy gegriffen, um festzuhalten, worum es geht bei der Arbeit im und für das Moor. Etwa, wie spektakulär tief sich ein langer Stock von Hand in den vernässten, federnden Moorboden bohren lässt. In diesem Fall knapp 170 Zentimeter.

Eine Erkenntnis hatte Steffi Lemke schon mit in die Ströher Moorwelten gebracht, und sie hatte sich nach den Ausführungen über Moore und die Tatsache, dass diese Jahrhunderte brauchen, um zu wachsen, nicht geändert: Den Klimawandel zu verlangsamen, vielleicht sogar zu stoppen, „das geht nicht mit einem Fingerschnippen“, so die Grünen-Politikerin.

Grüne im Grünen: Peter Germer (re.) erklärte den Bundes- und Landespolitikern Burkard Bauer, Ann-Sophie Wiek, Thomas Heidemann, Umweltministerin Steffi Lemke und Katja Keul (v.l.) Entstehung, Wachstum und Pflege von Hochmooren.
Grüne im Grünen: Peter Germer (re.) erklärte den Bundes- und Landespolitikern Burkard Bauer, Ann-Sophie Wiek, Thomas Heidemann, Umweltministerin Steffi Lemke und Katja Keul (v.l.) Entstehung, Wachstum und Pflege von Hochmooren. © HE

Aber dennoch gelte für sie und ihre Parteifreunde ganz klar: „Wir müssen mit dem Schutz der Moore und des Klimas schneller werden und dabei die Gesellschaft zusammenhalten.“ Es gehe auch darum, „ungenutzte Flächen“ für die Wiedervernässung und damit den Klimaschutz zu gewinnen. Individuelle Interessen der Flächeneigentümer sowie oft auch behördliche Vorgaben seien jedoch große Hürden, klagte Peter Germer, und die Bundesumweltministerin erkannte:. „So kommen wir nicht weiter.“ Ihr Ansatzpunkt: Welche Gesetze müssen geändert werden, um Abhilfe zu schaffen? Moorschutz stehe zwar im öffentlichen Interesse, aber noch in keinem Gesetzespapier.

Photovoltaik-Anlagen? Nur wenn die Wiedervernässung nicht behindert wird

Ein anderer Punkt, der viele Landwirte beschäftigt: Photovoltaik-Anlagen im Moor auf ungenutzten Flächen. Sie sollten kein Tabu sein, erklärte Lemke, allerdings dürfen sie aus Sicht ihrer Partei eine Wiedervernässung der Flächen nicht verhindern. So stehe es auch in einem Positionspapier ihres Hauses.

Das Ministerium der 54-Jährigen hat im Jahr 2022 erstmalig Gelder für ein „Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz“ eingeplant. Bis 2026 stehen hierfür vier Milliarden Euro zur Verfügung. Damit sollen unter anderem ehemalige Moore wiedervernässt und Auen renaturiert werden, außerdem Wälder, Böden und Gewässer, einschließlich der Meere, gesunderhalten und geschützt werden. Das Programm enthält 64 Maßnahmen und wird der Öffentlichkeit am 31. August vorgestellt. „Angesichts der weltweiten Klimakrise und des Artenaussterbens ist es dringend notwendig, den Naturschutz auch finanziell zu fördern. Das ist eine Investition in die Zukunft, für Menschen, Tiere, Pflanzen und kommende Generationen. Wir müssen die Klimakrise in den Griff bekommen und die Gesundheit von Ökosystemen stärken“, erklärte Steffi Lemke. „Wasser, Böden und Luft sollen sauber und gesund sein. Jeder Euro für Naturschutz rentiert sich vielfach. Und je eher wir an den richtigen Stellen investieren, umso mehr Geld können wir sparen, denn jede Verzögerung würde die Lage weiter verschlimmern und immer schwerer handhabbar machen.“  he/csa

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