Milchtankstellen und mehr

Unabhängig und fair: Direkter Milchverkauf im Kreis Diepholz

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Landkreis Diepholz - Milchbauern kämpfen um ihr wirtschaftliches Überleben oder müssen fehlende Gewinne durch das Erschließen neuer Betätigungsfelder ausgleichen. Grund sind zu niedrige Einnahmen beim Verkauf ihrer Ware. Wo im Landkreis Diepholz Alternativen zur Milch aus dem Supermarkt-Regal zu finden sind und wie diese aussehen, erklärt dieser Artikel.

Milchtankstellen haben sich mittlerweile an mehreren Orten im Landkreis etabliert und versorgen Kunden aus der näheren Umgebung rund um die Uhr mit unbehandelter Rohmilch oder schonend pasteurisierter Trinkmilch. Angefangen hat diese Entwicklung im Mai 2014, als Milchbauer Wolfgang Johanning in Rehden eine Tankstelle eröffnete. Für ihn war es damals ein erster Schritt in die Selbstvermarktung seiner Produkte - auch, um „allen die Möglichkeit zu geben, den Geschmack von Milch in ursprünglicher Form zu erleben“ und sich und seine Arbeit den Verbrauchern gegenüber transparent zu präsentieren. 

Einer der Höfe, die nachgezogen sind, befindet sich nahe der Weser in Weyhe-Dreye bei Wiebke und Gerrit Kuck. Dass der Direktvertrieb von Milch auch den direkten Kontakt zu den Verbrauchern stärkt, hat sich Cord Borchers-Rohde in Klein Lessen bei Sulingen auf die Fahnen geschrieben - der Milchbauer hat zudem einen guten Überblick über die Tankstellen-Situation in seinem Landkreis.

Eine Lücke im Tankstellen-Netz im Alten Amt Lemförde hat Familie Helmsmüller im vergangenen Jahr in Hüde geschlossen und setzt bei seinen Produkten auch darauf, dass es den Kühen auf seinem Hof gut geht. Einige Monate länger, seit dem Herbst 2015, gibt es Milch am Automaten auch in Mörsen (Twistringen). Dort kümmert sich Susanne Rasche darum, dass die Bürger mit guter Milch direkt vom Hof versorgt werden.

Fragen zu Verarbeitung, Hygiene und Gesundheit

Milch, die aus Milchtankstellen gezapft wird, befindet sich häufig als Rohmilch im Automaten. Sie wird „Ab Hof“ unter besonderen Anforderungen an die Hygiene angeboten, vor dem Verzehr muss die Milch abgekocht werden, um natürliche Keime abzutöten, die für gesundheitlich angeschlagene Personen gefährlich sein können. Das gilt auch für die im Handel erhältliche Vorzugsmilch.

Alternative Formen der Vermarktung

Landwirt Dieter Rempe glaubt indes, dass Direktvermarktung im Hofladen oder an Milchtankstellen immer nur eine Nische füllen kann. Um dem Problem zu niedriger Erzeugerpreise umfassender entgegen zu wirken, hat er gemeinsam mit einigen anderen Milchbauern die Erzeugergemeinschaft Hunte-Weser gegründet. Als Vorsitzender dieser Gemeinschaft will er den Abhängigkeiten traditioneller Verträge neue Methoden entgegen setzen, damit am Ende mehr Geld beim Landwirt ankommt.

Dieter Rempe (l.), Vorsitzender der Erzeugergemeinschaft Hunte-Weser, mit seinem Stellvertreter Wilhelm Haarberg.

Dass Milcherzeuger eigene Wege gehen und sich dabei von großen Molkereien lossagen, beschäftigt auch die Molkerei Grafschaft Hoya, die in Asendorf möglichst naturbelassene Waren aus Milch produziert. Dem Antrag eines Landwirts, in Zukunft einen Teil seiner Milch über Milchtankstellen zu verkaufen und dafür Abgabepflichten zu verringern, stimmte die Molkerei kürzlich zu. Mittlerweile beliefert dieser mehrere Milch-Automaten an Supermärkten im Landkreis, in denen wenig behandelte Trinkmilch angeboten wird.

Die Siebenhäuser Molkerei

Am 1. Mai eröffnete Wolfgang Johanning in Rehden eine Milchtankstelle, nachdem er eine solche auf einer Messe kennengelernt hatte. Damals war er im Landkreis Diepholz der erste, der einen solchen Automaten aufgestellt hat. Im Lauf der vergangenen Jahre hat er diesem ersten Schritt zu mehr Selbstvermarktung weitere folgen lassen und betreibt seit dem Frühjahr 2015 die Siebenhäuser Molkerei, um möglichst viel Milch zu verarbeiten und eigene Produkte selbst zu vermarkten.

Mittlerweile hält Johannings Team neben Milchprodukten ein breites Angebot an regionalen Waren bereit und darf seine Produkte auch EU-weit verkaufen, da die Molkerei im Herbst 2016 nachweisen konnte, unter anderem hohe Standards bei der Hygiene zu erfüllen.

Tankstellen werten Orte auf

Nach und nach sind einige Kollegen dem Vorbild Johannings gefolgt und verkaufen ihre Milch an eigenen Tankstellen im gesamten Landkreis. Einige Beispiele stehen stellvertretend für das Angebot im Landkreis Diepholz - und wie sie die Region als ein Teil der Nahversorgung aufwerten.

In Stuhr-Heiligenrode sichert eine Milchtankstelle zumindest einen Teil der Versorgung. In Hüde am Dümmer See bildet eine solche Tankstelle die Grundlage für weitere Bemühungen um ein zukunftsfähiges Dorfleben. Dass Milchtankstellen nicht nur aufrichtige Kunden anlocken, aber dennoch insgesamt positiv einzuschätzen sind, hat Bernd Oehlmann in Heede im vergangenen Jahr erfahren.

Die Anfänge der Milchtankstellen in Niedersachsen

In Niedersachsen fassten die heute bekannten Milchtankstellen im Jahr 2011 Fuß. Die Idee dahinter ist allerdings noch einmal zehn Jahre älter, vor allem in Süddeutschland oder Österreich gab es zu jenem Zeitpunkt bereits viele Orte, in denen Milchautomaten standen. Ursprünglich stammt die Idee allerdings aus dem Rheiderland nahe der niederländischen Grenze.

Im Lauf der Jahre hat sich das Modell „Milchtankstelle“ etabliert, lässt sich allerdings nur schwer in Zahlen fassen. Wie viele Stationen es in Deutschland gibt, ist unklar. Oft geht es den Betreibern auch darum, den Kunden ein besonders natürliches schmackhaftes Produkt anbieten zu können. Als hinderlich gilt es, dass gefilterte Rohmilch „Ab Hof“ nicht außerhalb des eigenen Hofes mit eigener Milch vertrieben werden darf.

kom

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