„Torf gehört ins Moor“

Dr. Michaela Meyer bringt die Schönheiten der Natur näher

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Dr. Michael Meyer erklärt den Teilnehmern der Moor-Exkursion allerlei Wissenswertes zu der faszinierenden Landschaft.

Ströhen - An diesem Tag sind es elf Damen und drei Männer, die sich der Leiterin der Moorwelten in Ströhen, Dr. Michaela Meyer, anschließen. Die Ressource Torf steht im Fokus, früher und heute.

Aus dem Ausflugs- und Wissensdurst der Teilnehmer entwickelte sich am Ende der rund dreistündigen Exkursion die Quintessenz: „Torf gehört ins Moor, Moore müssen wir schützen, damit aus einem wertvollen Kohlenstoffspeicher keine schädliche Kohlendioxidquelle wird, soweit die verstandene Theorie“, meinen die Teilnehmer der Gruppe.

Wissensdurstige Besuchergruppe

„Ergo wir sollen keinen Torf mehr für den Garten verwenden“, nimmt eine Exkursionsteilnehmerin kurz vor Schluss beim Warten auf die Moorbahn die Überraschung von Meyer vorweg. Denn nach der Wanderung durchs Moor mit vielen Erläuterungen zu Fauna und Flora, zur Moorrenaturierung, kaputte und intakte Moore, Neues aus Wissenschaft und Forschung und Vorschläge zu Vermeidungsstrategien zum Schutz der noch wenigen Moore mit Chance zum Überleben, bekommen alle Exkursionsmitglieder eine Samenmischung und torffreie Erde. „Bitte schicken Sie mir ein Bild von den Ergebnissen der Zucht“, bittet Meyer.

Überhaupt ist die Gruppe Damen aus Iserlohn, die ihren jährlichen Ausflug dieses Mal in ihnen gänzlich unbekannte Landschaft planten, extrem wissensdurstig, locker und hat viel Spaß. Im sonst so ruhigen Moor hört man ihr wohliges Lachen auf dem Moorpadd, dem Moorerlebnispfad. Die Sonne erwärmt den feucht-nassen Untergrund, das Klima ist speziell.

„Nicht mal in der Lüneburger Heide“

Der Boden weich, federt, vier Heidearten strecken sich den Wanderern entgegen: „Das finden Sie nicht mal in der Lüneburger Heide“, erläutert Meyer.

Dann wird es auf Wunsch eine Minute lang still: „Bitte riechen, hören und fühlen sie einmal das Moor mit allen Sinnen“, animiert die versierte Exkursionsleiterin. Die Minute wird zum Crash-Meditationskurs. „Was hörten Sie?“. „Ruhe, Zirpen, Brummen, dumpfe Geräusche“, die Antwort. „Und ich glaube einen Kuckuck“, meint Teilnehmer Hermann Rudolph aus Bad Iburg. Ihn zieht es immer wieder in die Region Dümmer und Umgebung erzählt er den Damen frank und frei. Die drei Herren gehören vor der Exkursion nicht zur Gruppe der Damen, nachher schon. Rudolph ist in Hüde im heutigen Gebäude der Eisdiele, im früheren Fischer Strophal-Haus geboren, als Kind ausgebombter Bonner und die Region hätte ihn geprägt. Sein Bruder sei sogar Professor in Münster und Experte für Libellen.

Die beiden anderen Herren kommen aus Rahden und Stemwede-Westrup. „Das Moor fasziniert uns immer wieder“, resümieren die zwei. Und die Gruppe der Damen? „Wir kommen auf Empfehlung“, kommt zögerlich, dann stellt sich aber heraus, dass die Schwester von Detlef Tänzer, Leiter Kreisentwicklung im Landkreis Diepholz, unter ihnen ist. Dass Tourismus und Naturschutz kein Gegensatzpaar ist, zeigt die Gruppe. Nicht immer reise sie in die pure Natur wie ins Neustädter Moor, doch der Aufenthalt bleibt beruhigend im Hinterkopf. Der Moorlehrpfad entpuppt sich unter ihren Schuster-Rappen zum Erlebnis- und Genussraum.

Rückzugsort für bedrohte Arten

Als Erwin Venske, einer der Moorbahnfahrer, sie am Kleinen Turm abholt, ist die Freude, den netten Senior wiederzusehen, der vor der Abfahrt etwas zum Torfabbau „gestern“ erzählte, groß. Trotzdem neigt sich die Exkursion dem Ende zu. Verstaut in den Loren der Schmalspurbahn, gesichert mit Ketten gegen Herausfallen, tuckert „Emma“ in entschleunigtem Tempo, damit sie nicht aus den Gleisen hüpft, wieder Richtung Moorwelten.

„Wir haben gelernt, dass das Moor Rückzugsort für bedrohte Arten ist, Artenvielfalt bietet und um ein Vielfaches schöner ist, als man sich vorstellen kann“, fassen es die Damen zusammen. Keine verteufelt die vergangenen Zeiten, die Venske, der selbst Torf als Brennstoff stach, erlebte. „Wir brauchten was zum Heizen wie andere Kohle oder Holz. Das Schönste war aber bei der harten Arbeit mit dem nassen Material immer das „Über den Daumen frühstücken“ und der Elf-Uhr-Zug“. Ein „Was?“ erklingt. „Na die Mettwurst dick überm Daumen abschneiden und der Schnaps um Elf.“

sbb

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