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Marktplatz-Umgestaltung wird zwei Millionen Euro teurer

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Von: Melanie Russ

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Abschließender Entwurf der Marktplatz-Umgestaltung: Die Verkehrswege sollen kein helles Pflaster mehr bekommen, sondern ein rötliches, auf dem Reifenabrieb weniger deutlich zu sehen ist.
Abschließender Entwurf der Marktplatz-Umgestaltung: Die Verkehrswege sollen kein helles Pflaster mehr bekommen, sondern ein rötliches, auf dem Reifenabrieb weniger deutlich zu sehen ist. © Russ Bauwert

Die Umgestaltung des Wagenfelder Marktplatzes sollte ursprünglich 1,3 Millionen Euro kosten, jetzt wird sie zwei Millionen Euro teurer. Der Fachausschuss gab trotzdem grünes Licht.

Wagenfeld – Die Sitzung des Bau- , Wege-, Verkehrs- und Umweltausschusses am Dienstagabend war eine reichlich teure Angelegenheit für die Gemeinde Wagenfeld. Die Ausschussmitglieder segneten mit der Umgestaltung des Marktplatzes und der dortigen Bushaltestelle sowie der Umgestaltung des Außengeländes der Auburg Maßnahmen mit einem Volumen von rund vier Millionen Euro ab. Ein Großteil der Kosten wird zwar über Fördermittel gedeckt, trotzdem muss die Gemeinde deutlich mehr Geld ausgeben als gedacht.

Größter Preistreiber ist die Umgestaltung des Marktplatzes. Im integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept (ISEK) sind dafür 1,3 Millionen Euro veranschlagt, von denen Zweidrittel über das Förderprogramm „Lebendige Zentren“ finanziert werden sollen. Nach jetzigem Stand wird der Spaß allerdings 3,3 Millionen Euro kosten. Die Gemeinde muss also statt der geplanten 433.000 Euro nun rund 1,1 Millionen Euro zahlen.

Bürgermeister Matthias Kreye räumte ein, dass der ursprüngliche Kostenrahmen etwas knapp bemessen war, eine Kostenexplosion in dieser Höhe sei aber zu dem Zeitpunkt nicht absehbar gewesen. Weil nun der bewilligte Bruttokostenrahmen des Förderprogramms, in dem weitere Maßnahmen vorgesehen sind, sehr deutlich überschritten wird, dürfen Baufirmen erst beauftragt werden, wenn der Fördergeldgeber seine Zustimmung erteilt hat. Baubeginn soll im September sein. Außerdem beantragt die Gemeinde die Erhöhung des Kostenrahmens für die gesamte Ortskernsanierung.

Hinsichtlich der jetzigen Mehrkosten müsse man schauen, ob man bei anderen Maßnahmen sparen könne, sagte Kreye auf Nachfrage von Hans-Walter Scheland (FDP) zur Finanzierung. Stelle sich gegen Ende der Ortskernsanierung heraus, dass nicht alles finanzierbar sei, müsse man vielleicht auf einzelne Maßnahmen verzichten.

Marktplatz-Umgestaltung

Bei der Gestaltung des Marktplatzes folgte der Ausschuss im Wesentlichen den Vorschlägen aus den Workshops. Eine Anpassung gab es lediglich bei der Gestaltung der Verkehrswege. Im Entwurf des Workshops war für alle Wege und Flächen ein helles Pflaster vorgesehen und in einigen Bereichen ein rötliches Pflaster als Kontrast.

Laut Bauamtsleiter Dennis Härtel hatten zwischenzeitlich mehrere Einwohner Bedenken wegen Reifenabriebs auf dem hellen Pflaster geäußert. Die Ausschussmitglieder nahmen diese Bedenken auf und entschieden, lediglich die Wege und Flächen im Innenbereich mit sandsteinfarbenem Pflaster zu versehen, die äußeren Verkehrswege dagegen mit einem dunkleren Pflaster in Richtung rot-anthrazit.

Wie Planer Frank Bohmann-Laing von der Wessels und Grünefeld Ingenieurberatung auf Nachfrage der Ausschussmitglieder versicherte, ist eine Pflasterung genauso belastbar wie eine Asphaltdecke, die als Alternative im Raum stand, außer Dennis Härtel und Wilhelm Fenker (CDU) aber keine Fürsprecher fand. Die Herstellungskosten seien bei beiden Varianten ähnlich. Hinsichtlich der Folgekosten für mögliche Ausbesserungen ist laut dem Planer wegen extrem schwankender Preise keine Prognose möglich, was günstiger wäre.

Offen war auch noch die Ausführung der demontierbaren Koppelzäune am nördlichen Rasendreieck entlang der Zufahrt zum Einkaufszentrum und im Bereich der Bushaltestelle. Sie sollen aus weißem Kunststoff mit Metallkern sein. Sven Wietelmann (UWG) hatte argumentiert, dass der weiße Zaun direkt an der Bushaltestelle mit Sicherheit als „Leinwand“ für Schmierfinken dienen wird. Sein Antrag, dort auf einen Zaun zu verzichten, fand aber keine Mehrheit.

Der Rest bleibt wie in den Workshops besprochen: von einer kleinen Mauer umschlossener kleiner Platz neben der Bäckerei, zwei befestigte Plätze für kleine Veranstaltungen und den Wochenmarkt, im vorderen Bereich verteilt 60 Parkplätze, Sitzbänke aus Holz und Metall, eine Reihe aus Säulenhainbuchen beziehungsweise Säulenkirschen und Blühstreifen im Randbereich.

Umgestaltung der Bushaltestelle

Für den Umbau der Bushaltestelle sind weitere 261.000 Euro veranschlagt. Er kann nicht über das Förderprogramm „Lebendige Zentren“ finanziert werden, allerdings hofft die Gemeinde auf Fördermittel vom ZVBN und von der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen in Höhe von 87,5 Prozent. Ein entsprechender Antrag geht in Kürze in die Post. Wie berichtet, soll die Haltestelle für Busse aus Richtung Diepholz an die Straße „Am Markt“ verlegt werden, damit die Schulkinder nicht mehr die Bundesstraße queren müssen. Die Busse fahren die neue Haltestelle über die noch auszubauende Gutenbergstraße an. Die Bauarbeiten sollen 2023 erfolgen. Zu klären ist noch, wo für die Zeit des Großmarktes eine Ersatzhaltestelle eingerichtet wird.

Ortskernsanierung: Als nächstes ist die Erweiterung der Grünen Zone dran

Die Umgestaltung des Marktplatzes ist die erste und größte Maßnahme, die die Gemeinde Wagenfeld im Rahmen des Förderprogramms „Lebendige Zentren“ umsetzt. Sieben weitere sollen in den kommenden Jahren folgen. Die Projekte wurden im integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept (ISEK) erarbeitet, das als Basis für die auf etwa zehn Jahre angelegte Ortskernsanierung dient. Eine Reihenfolge wurde allerdings nicht festgelegt.

Der Bauausschuss entschied am Dienstagabend, als nächstes Projekt die Erweiterung der Grünen Zone im Bereich Wiesenweg anzugehen. Nach Möglichkeit soll noch in diesem Jahr ein Planungsbüro beauftragt werden, die Umsetzung ist in zwei Jahren vorgesehen. Im ISEK wurden für die Erweiterung 540.000 Euro veranschlagt. Ob sie angesichts der allgemeinen Kostensteigerungen ausreichen, bleibt abzuwarten.

Die weiteren Projekte im ISEK sind die Aufwertung des Schulhofes der Auburg-Schule, die Aufwertung des Park de Vibraye, die Schaffung einer Geh- und Radwegverbindung am Sparkassenweg (Schulwegsicherung), die Umgestaltung von „Betten Scheland“, die Sanierung und Erweiterung von Stellplätzen an der Ortsdurchfahrt sowie die Anlage eines Dorfplatzes im Bereich der Eisdiele.

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