Marias Puppenschuppen zum Kulturfrühstück in der Auburg in Wagenfeld

„Den Kaffee mit viel Korn“

Auch zur Sage „Die weiße Frau“ fand Maria Schupp ein Cross-Over zu ihrem Puppenspiel. Als weiße Frau sucht Gemahlin Luise Opa immer wieder heim: „Eigentlich bleiben in der Erinnerung nur die guten Erlebnisse“, aber manchmal hätte auch Opa seine Frau gerne zum „Schwarzen Pohl“ geschickt zu Lebzeiten.
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Auch zur Sage „Die weiße Frau“ fand Maria Schupp ein Cross-Over zu ihrem Puppenspiel. Als weiße Frau sucht Gemahlin Luise Opa immer wieder heim: „Eigentlich bleiben in der Erinnerung nur die guten Erlebnisse“, aber manchmal hätte auch Opa seine Frau gerne zum „Schwarzen Pohl“ geschickt zu Lebzeiten.

Wagenfeld - Jede Generation hat ihre Probleme im Umgang miteinander. Jede Region ihre Eigenarten und Geheimnisse. Wie das für Wagenfeld zusammen ging, das erfuhren die etwa 70 Gäste zum Kulturfrühstück in der Auburg von Puppenspielerin Maria Schupp und Opa am Sonntag.

Wagenfeld hat Moore, den Moorilaner, ein Fabelwesen mit einem Ohr auf dem Kopf, dazu eigene Indexschilder mit seinem Konterfei und eine 50 Kilometer lange Tour mit zwölf Standorten im sagenhaften Wagenfeld. Wie sich die überlieferten Geschichten am Rande der Wahrheit in ein Problem-Anspiel mit „Denk-mal-weiter-Effekt“ für Zuhause in ein Puppenspiel fügten, zeigte die Diepholzer Puppenspielerin Maria Schupp ihrem Publikum in der Auburg.

Eigentlich war die Schwiegertochter von Opa angereist, um in gepflegter Atmosphäre einen Fachvortrag über Beziehungsprobleme zu halten, aber es kam ganz anders. „Ich musste meinen Schwiegervater mitbringen, ich konnte ihn nicht zwei Stunden alleine zu Hause lassen“, damit begann das Problem-Anspiel, das Schupp als Figurentheater extra für Wagenfeld schrieb.

Das Publikum hat Opa sofort lieb, schließlich ist es kundig im Umgang mit der Generation in Latzhose, selbstgestrickten Socken, „Holzken“, eigenwillig, mit liebenswerter Art und derbem Humor. Der Kaffeeduft, die Wurstbrötchen steigen ihm in die Nase und Puppe Opa gibt der Vorsitzenden des Kulturkreises Auburg, Marita Kleemeyer, klar zu verstehen, wie er seinen Kaffee gern hätte. „Dünn, heiß und mit viel Korn, wie in Ströhen, bitte flott, nicht so schüchtern.“ Ein böser Seitenblick: „Dee, mine Schwiegerdochter, doot dat ja nich för mi.“

Und schon sind wir mittendrin im Beziehungsdilemma, das jeder im Publikum sofort nachvollzieht. Generation Schwiegertochter mit zwei „verhätschelten“ Kindern, wie Opa meint, und Generation „Überleben auf dem Hoff mit acht Bälgern“ trifft frontal in dem Problemspiel von Schupp aufeinander. Sie scheinen durch tiefe Furchen wie Sprache, Humor, fehlendem Verständnis füreinander getrennt. Maria Schupp bedient sich mit der Rolle und Denkweise von Opa der Fabel. Zwar ist Opa nicht selbst das Schwein, aber er übersetzt die Worte der Schwiegertochter in seiner Leidenschaft für die Schweinezucht. Die Probleme von Maria und Opa sind fehlendes Verständnis füreinander, Rechthaberei, zu hohe Ansprüche an den anderen, Kränkungen, Besserwisserei und Provokation.

Besserer Umgang unter den Generationen

Hilfestellungen für den Alltag zum besseren Umgang unter den Generationen erarbeiten sich Opa und Maria im Spiel. „Das Kunststück liegt darin, dem anderen besser zuzuhören, offen nachzufragen und mehr Toleranz zu üben.“

Schupp findet in den zwölf Sagen rund um Wagenfeld immer die Verbindung und zieht die richtigen Schlüsse, die sogenannte „Moral von der Geschicht“. Dann irgendwann hat auch Opa verstanden und dreht den Spieß um: „Merkst du, was hier in der Auburg geboten wird? Kultur, Kabarett, Kontakte. Wenn du nicht aufpasst bleibst du bei Kinder, Kirche, Küche.“ Da sind sie endlich für die Schwiegertochter, ihre ersehnten freien Zeiten von der täglichen Generationenpflege, kredenzt durch das Verständnis von Opa und für die beiden wird Currywurst und Pommes als seltene schnelle Mittagslösung so gut wie Bratwurst mit Bratkartoffeln.

„Willi, du wirst mir allmählich sehr sympathisch, eigentlich passen wir gut zusammen, Du bist praktisch und ich theoretisch“, lautet die Erkenntnis.

Puppenspielerin Maria Schupp kam in ihrer Auseinandersetzung mit der Sagentour zu folgendem Ergebnis: Spuk und Nervenkitzel sind doch etwas fürs Gemüt, das neue Europäische Fachzentrum Moor und Klima etwas für den Verstand, der Bibelgarten für die Seele und die Auburg für die Kultur, Pflege der Tradition und Menschlichkeit. Als Essenz kristallisierte sich letztlich „Wir wollen uns respektvoll behandeln“ für Puppenspielerin, Opa und das Publikum heraus.

sbb

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