Plädoyer für das Leben

Margot Peters veröffentlicht Buch über ihr Sternenkind Joshua und macht Eltern Mut

Margot Peters ist eine erstaunliche Frau: Im zwölften Jahr nach dem Tod ihres Sternenkind-Sohnes Joshua schreibt sie ihr Mut-Mach-Buch „Diagnose: nicht lebensfähig“.
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Margot Peters ist eine erstaunliche Frau: Im zwölften Jahr nach dem Tod ihres Sternenkind-Sohnes Joshua schreibt sie ihr Mut-Mach-Buch „Diagnose: nicht lebensfähig“.

Die Wagenfelderin Margot Peters berichtet in ihrem Buch „Diagnose: nicht lebensfähig: Mein Weg mit Joshua“ über ihr Schicksal.

Wagenfeld – Es ist 2008 und die 17. Schwangerschaftswoche, als Margot Peters, die mit ihrem dritten Kind schwanger ist, die erschütternde Diagnose erhält: „Ihr Kind wird aufgrund von rudimentär sich ausprägenden Lungen nicht lebensfähig sein.“ Bei Joshua liegt ein spontaner Gendefekt vor. Schulmediziner empfehlen in einem solchen Fall den sofortigen Schwangerschaftsabbruch. Doch Margot Peters und ihr Mann Ralf entscheiden sich dagegen. Ihr Sohn kommt zur Welt und verlässt sie nach nur zehn Minuten wieder in den Armen seiner Eltern. Zwölf Jahre nach seinem Tod hat die Wagenfelderin ihre Geschichte in einem Buch veröffentlicht.

„Diagnose: nicht lebensfähig: Mein Weg mit Joshua“ ist ein Plädoyer für das Leben. Denn das fängt nach Meinung der vierfachen Mutter kurz nach der Zeugung an. Der kleine Band hat 99 Seiten, nutzt in den Überschriften der Kapitel persönliche Schreibschrift und lässt mit unbedruckten Stellen immer wieder Platz für Denkpausen.

Den braucht man auch bei der Thematik, die sich mit der Existenz, Leben, Tod und den Dingen dazwischen beschäftigt. Das Buch ist wie ein Abtauchen aus einer ökonomisch optimierten Welt, in der die Frage nach dem Sinn des Seins keinen Platz hat.

Was auf den 99 Seiten in drei Teilen aus Sicht der Autorin, in einem Brief des Vaters an seinen verstorbenen Sohn Joshua, in Erinnerungen der Mutter von Margot Peters, ihrer Schwester, ihrer Freundin und zweier Hebammen erzählt wird, trifft direkt in Herz und Seele. Den I-Punkt setzt das Nachwort des Verlegers Arno Müller, den seine eigene Geschichte plötzlich einholt.

Der Mut von Margot Peters, ihr Kind trotz der Diagnose auszutragen, es nach siebeneinhalb Monaten Leben in ihr nach dem Kaiserschnitt rund zehn Minuten im Arm zu halten und es ruhig sterben zu sehen, ist unbeschreiblich.

„Das Buch ist für mich ein heilsamer Abschluss dieser Zeit. Für uns blieben keine Fragen offen“, sagt das Ehepaar Peters. Kein Warum, was wäre wenn oder ähnliche Zweifel und unbeantwortete Gedanken. „Man fällt nicht so tief in das Loch und findet trotz der Schwere der Zeit echten Frieden“, resümiert Margot Peters.

Sie schreibt darüber, wie dankbar sie ist, ihren Sohn geboren zu haben, ihn sehen zu dürfen und dass er Teil ihres Lebens war, wenn auch nur kurz. Margot Peters möchte mit ihrer Erfahrung allen Frauen und Familien Mut machen, sich bei der Diagnose „Ihr Kind wird nicht lebensfähig sein“ Zeit zu nehmen und sich zu informieren vor der Entscheidung Abbruch oder Austragen.

Die Wagenfelderin hätte nach der abschließenden Diagnose eines Spezialisten bereits am nächsten Tag für den Abbruch in die Klinik kommen können. Doch so schnell ging es nicht, denn das Paar musste zunächst eine Betreuung für ihre beiden kleinen Töchter organisieren.

Margot Peters und ihr Ehemann Ralf erlebten in dieser Zeit einen inneren Ringkampf. Was sollten sie tun? Dem Rat der Ärzte folgen oder ihrem Herzen? Das Paar entschied sich gemeinsam für das Austragen des Jungen, immer die Gesundheit der Mutter im Blick.

Da in Margot Peters’ Fall im Mutterleib mehr Wasser eingelagert wurde, entschieden die Eltern gemeinsam mit den Gynäkologen im Marienhospital Vechta, Joshua am 27. Februar 2009 per Kaiserschnitt auf die Welt zu holen. Das Ehepaar besprach mit dem Team in der Klinik die Vorgehensweise: „Sollte der Zustand von Joshua so sein, dass er länger lebt, dann würde die Kinderärztin ihn mir nach der Geburt gesäubert wieder bringen. Wenn nicht, dann sofort“, berichtet Margot Peters. Das Ehepaar fühlt sich in Vechta sehr aufgefangen – bei der Geburt und nach Joshuas Tod.

In Kapitel zwei des Buches schreibt Ralf Peters an seinen Sohn: „Du hast meine Sinne für das Leben und den Tod geschärft und gezeigt, dass Leben nicht selbstverständlich ist.“ Mit ihrem Buch erreicht Margot Peters nicht nur den Grund der verschütteten Erinnerungen in ihrer Familie. Sie versteht sich auch als Ansprechpartnerin für Paare mit ähnlicher Diagnose. Im kommenden März wird sie auf dem Internationalen Congress „Geburtshilfe im Dialog“ in Mannheim zu ihrem Thema referieren.

Obwohl Joshua nur kurz auf dieser Welt war, sprechen alle in der Familie Peters von vier Kindern – drei in diesem Leben und eins, das nicht physisch da, aber immer präsent ist.

Das Buch „Diagnose: nicht lebensfähig: Mein Weg mit Joshua – Ein Plädoyer für das Leben“ ist über die Homepage www.margotpeters.de für 14,90 Euro (Taschenbuch) erhältlich.

Von Simone Brauns-bömermann

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