„Männer agieren über Rollen, nicht über Reden“

Alvaro Solars in der Auburg in Wagenfeld

Um Männerfreundschaft ging es Alvaro Solar bei seinem Gastspiel in Wagenfeld. - Foto: Brauns-Bömermann

Wagenfeld - Von Simone Brauns-Bömermann. Die Ehe für alle ist da: Seit 1. Oktober dürfen homosexuelle Paare offiziell heiraten. In Wagenfelds Auburg ging es auch um Männerfreundschaft, die letzte Bastion der Beziehung und der Bande zwischen Männern untereinander, aber nicht um geschlechtliche Beziehung. Liebe, so Künstler Alvaro Solar, sei da nicht neutral genug. Ihm ging es um Freundschaft und die differenziert.

„Wir Männer agieren über Rollen, nicht über Reden“, und lud dann die rund 80 Besucher zu der Vorbereitung und die Vorfreude eines echten Männerabends ein. Noch erstaunt, denn Solar ist eine Mischung zwischen urbanem Manager einer der großen Weltmetropolen, einem Analysten der Börse und Al Pacino mit durchblitzenden Hosenträgern, stramm nach hinten geglätteten Haar eines Lateinamerikaners. In neuestem Schick für das männliche Geschlecht: Blauer Maßanzug, türkisfarbenem Hemd, rotem Einstecktuch und roten Lederschuhen.

Ach, um Frauen und damit um Mode, Schuhe, Outfit ging es bei seinem Programm über Männerfreundschaft ja nicht und um Reden auch nicht, beteuert der Künstler. Er telefoniert oder schreibt aber Kurznachrichten mit seinen besten Freunden Manfred, der im Keller sitzende Computer-Nerd, mit Bauch, ohne Po und Frau, Torsten, Professor Dr. der Physik, Peter dem Scheidungsanwalt, Horst, der übergebliebene Kommunist in WG mit der Mutter und José, eigentlich Karl-Heinz, der Deutsche mit Latinogefühl.

„Probleme lassen Männer Zuhause im Keller“

„Ich freue mich so sehr auf den Abend“, startet Solar, meint aber weniger den Abend in der Auburg, denn den Männerabend auf der Bühne. Das Spiel ist geistreich, denn den Anspruch wenig zu reden, wie es Männern nachgesagt wird, wird er im Einmannstück, zu dem er auch musikalisch agiert an der feurigen spanischen Gitarre, nicht. Vielmehr erfährt das Publikum viel zwischen den Themen, die sich Männer selbst zugestehen: „Wenn wir Politik, Nachrichten, Sport, manchmal Sex, aber kurz, abgehakt haben, reden wir über Blödsinn“, erklärt er. „Das, meist in der Kneipe Side-By-Side, vor der Theke, vor dem Spiegel.

Und nachdem eigentlich alle Klischees zur Kommunikationsunlust der Männer definiert und vom Publikum verstanden sind, startet sie auch schon, die Kommunikation zwischen den Männern. Unterhaltung per neuester Technik versteht sich für den Mann, über drei Ecken: Von Peter, der fragt, ob Torsten kommt und José, der sich meldet, dass er später kommt, aber den Nachtisch dabei hat. „Wir werden nämlich essen heute Abend. Essen ab 40 ist was früher der Engtanz war, Genuss muss sein. Solar schreibt Lied für Peter, dem ewig Verlassenen, dem Guten, für die es auf der Welt keinen Platz gibt: „Armer Peter.“ Mit Horsts Vita vom Maoisten der 1970er Jahre zum Kommunisten und zum Neoliberalen, Linken und zum Grünen mit reicher Frau kommt Politik ins Spiel. „Una Pausa por favor“, Solars Temperament in Gestik, Geschick und Musikalität fordern die.

Männertreffen hoch religiös

Wähnen die Gäste in Teil zwei immer die Freunde real durch die Tür kommen, poltern die Absagen per Handy und Kurznachricht nachein-ander ein. Es sind keine kurzen Absagen, wie sich Männer sie ja eigentlich schreiben, nein, es sind ans Herz gehende Beziehungs-Verlass- und Habe-gerade-neue-Beziehungsprobleme-Nachrichten. Brillant sind die einseitigen Telefongesprächsfetzen von Solar, die Hermann van Feen Liedermacher-Attitude mit chilenischem Rhythmus. Letztlich deklariert Solar ein reines Männertreffen als hoch religiös: Wie ein katholisches Konzil, wie ein Abendmahl und lässt schauspielerisch grandios Judas mit Jesus telefonieren. Plötzlich kippt der Tonfall von hart zu säuselnd: „Oh, hallo, wie geht es Dir?“ Das ist Brigitte, die neue Freundin von Torsten, die haben sich gestritten. „Für mich ist Brigitte das Gesetz der Entropie, die Verteilung im Raum maximal.“ Auf spanisch: Eine Göttin. Das Treffen platzt: Manfred, Horst und Torsten können nicht, haben Probleme. Und: „Ach, Josesito, das Treffen fällt aus, iss den Nachtisch mit Deiner neuen Freundin und sei nicht so beleidigt, wie ein Latino.“

Und könnte der Abend nicht besser enden, als mit Aussicht auf den Besuch von Brigitte bei Alvaro und dem Gassenhauer: Ein Freund, ein guter Freund?“ von Heinz Rühmann und Hans Albers. Das sangen Frauen und Männer gemeinsam und freuten sich über Freundschaft.

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