20 Jahre gemeinsames Musizieren / Konzert in der Sankt Antoniuskirche / Zuhörer entscheiden über Musikauswahl

Lohaus und Henderson „stehen nicht still“

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Seit 20 Jahren musizieren Marianne Lohaus (links) und Leta Henderson nunmehr gemeinsam. Sie feierten dies am Sonntag mit dem Konzert „Jetzt und Hier“.

Wagenfeld - Der Genuss reichte von Schumann, Schubert und Sondheim bis Bizet, Udo Jürgens und Volkslied. Ein paar Gäste mehr hätten es bei der Qualität des Jubiläumskonzertes schon sein können am Sonntagabend in Wagenfeld.

Ein Heimspiel in vertrauter Atmosphäre an hoher Qualität lieferten Sängerin aus Wagenfeld Marianne Lohaus und Musikerin Leta Henderson. Mit ihrem Konzert „Jetzt und Hier“ holten sie ihr Publikum zum 20-jährigen Gemeinsam-Musizieren-Jubiläum ab. „Die Gegenwart ist wichtig, verschiebt die Liebe nicht auf morgen, nicht ins Rentenalter“, leitete Pastorin Edith Steinmeyer ein. „Wir konnten es auch kaum glauben, dass wir bereits 20 Jahre zusammenarbeiten“, betonte Leta Henderson. „Aber wir stehen nicht still“.

Applausmessgerät im Einsatz

Am Sonntag standen auf dem Programm Lieblingslieder des Duetts mit Gesang und Klavier und die bewusst herbeigeführte Auswahl mit Hilfe eines Applausmessgerätes, das das Klatschen des Publikums maß. „Dabei hat mir die Polizei geholfen, in der Anschaffung“, erläuterte Lohaus. Tatsächlich wurde es jedes Mal knapp bei der klatschenden Abstimmung, viel zu schön waren die vorgeschlagenen Titel.

Die Geschichte, wie Leta und Marianne 1996 zusammenkamen, erzählte Leta mit den Texten von Postkarten aus der Zeit. „An meine Schwester in England: Nach Konzert durfte ich auf privatem Bechstein Flügel spielen. Die Hausherrin singt.“ Die Auswahl der Lieder kommt der Stimme von Marianne Lohaus extrem entgegen: Die Qualität unterschied sich nicht, ob von Beethoven das Abendlied „Ich liebe Dich“ oder Musik von Bette Midler „The Rose“, ob von Udo Jürgens schlaue Weisheiten am Lebensende und seiner Liebe zur Musik und dem Traum von der großen Melodie.

Selten gehörte Operettenhighlights

Wie selbstverständlich fügt sich von Franz Schubert „Sah ein Knab´ ein Röslein stehen“ in den Reigen ein. Töne und Texte berührten gleichermaßen die Seele, fanden den Weg und öffneten die Herzen. Glamourös musste damals die Finalteilnahme von Marianne Lohaus im Chiffonkleid an dem Internationalen Gesangwettbewerb „Una Voce Particolare“ des niederländischen TV-Senders NCRV gewesen sein. Ihre Interpretation von Paul Linckes „Schlösser, die im Monde liegen“ aus der Operette „Frau Luna“ begeisterte. „Am Anfang dachte ich: Oh, ausgerechnet Operette soll ich begleiten“, plauderte Leta aus dem Nähkästchen weiter. „Mittlerweile kann ich auch besser Operette.“

Es waren die selten gehörten Operettenhighlights und die leisen, nachdenklichen. Wie „Es steht ein Soldat am Wolgastrand“ aus der Operette von Bela Jenbach „Der Zarewitsch“. Das Timbre von Lohaus spiegelt die Wellen der Wolga, die russische Seele samt Melancholie und die Vaterlandsliebe. „Ach, wir werden 20 auch noch im Oktober in der Auburg feiern. Schwerpunkt: Operette“, kündigte Pianistin Henderson an.

Mit der Zugabe luden die Musikerinnen zum Tanz

Die Reise ging weiter in der Retrospektive: „Wir dürfen hier im vierten Stock auf dem Flur auf Flügel proben, aber erst als Präsident Obama ausgezogen war“, liest Leta über die gemeinsame USA-Reise 2014 von der nächsten Postkarte. Dort wären die deutschen Volkslieder durch die Auswanderer ständig präsent, ein Stück gesungene Heimat. Das „Applauso-Meter“ entscheidet in Sachen Volkslied für „Die Gedanken sind frei“ und alle in der Kirche singen mit. Die Textstelle „Ich bin im Hier und Jetzt, Du schwebst im Raum“ aus dem Musical „A Little Night Music“ von Steven Sondheim könnte ein Anstoß für den Titel des Konzertes gewesen sein.

Ein Bekenntnis der beiden Musikerinnen nach 20 Jahren gemeinsamer Arbeit war: „Ich gehör nur mir“ aus dem Musical „Elisabeth“ und „Ich will alles sein, nur nicht brav und bieder“ aus Udo Jürgens Bekenntnis-Song „Ich will“. Die Zugabe lud zum Tanz: „Ich hätt‘ getanzt heut Nacht“, wie Eliza Doolittle aus „My Fair Lady“, so fühlten sich Leta und Marianne und ihre Fans.

sbb

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