Liedermacherin Annett Kuhr schärft in der Auburg den Blick für das Detail

Einfühlsam und tiefgründig

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Annett Kuhr begeisterte das Publikum auch mit ihrem musikalischen Können.

Brauns-Bömermann - Von Simone. Melancholie beflügelte schon manchen Künstler in Musik, Kunst und Literatur. Liedermacherin Annett Kuhr aus Rottweil umarmte förmlich mit ihrer Kunst, ihrer Perfektion als Chansonier und als intellektuelle Frau mit überproportionaler Lebenserfahrung am Samstagabend das Publikum in der Auburg in Wagenfeld.

Es schien eine Frau und Musikerin gegenüber zu sitzen, die den wahren Sinn im Leben gefunden hat. Natürlich mit den notwendigen Ressourcen: Talent, Fleiß und dem Geschick, die Orte und Kleinigkeiten im Leben aufzuspüren, vielmehr überhaupt zu sehen und in Töne und Wörter mit Tiefgrund zu fassen.

Ihr gegenüber ein tief beeindrucktes Publikum angesichts ihres musikalischen Könnens an den Saiten ihrer Gitarre, die leise wie eine Kollegin mitsang, ihrer intelligenten Texte und ihrer Einfühlsamkeit. Kuhrs Stimme erinnert an Edith Piaf, tief und doch hell, schwingend wie die Höhen und Tiefen im Leben, abwechslungsreich zwischen Gesang und Sprechgesang.

Ihr Programm in Wagenfelds Auburg hieß „Von der Liebe zum Detail“, und das hält die Künstlerin auch. Sie besingt parodistisch den Marktplatz in Rottweil, wo sie wohnt, die Macken der Menschen und die Augenblicke, die nicht wiederkehren: Der Moment mit dem Vagabunden, der höflich um einen Apfel bittet. Sie komponiert einen Bossa à la Kuhr „Rucola mit frischer Nonchalance“ für ihre Vorliebe als Bioobstverkäuferin und ihre Passion, Gemüse in Muster zu legen.

Die Treppe in ihrer alten Schule wird im Chanson Protagonistin und erhält eine Hauptrolle. Sie dichtet eine Kontaktanzeige für ihre Freundin und sucht im Publikum nach dem richtigen Herrn. Ihr Lieblingsort Bahnhof soll am liebsten ein Kopfbahnhof sein und am allerliebsten der in Stuttgart. „Das wird wohl heute ein Nachruf“, ergänzt sie. „Kopfbahnhöfe sind mehr wie Häfen, Menschen kommen rein und fahren in die Welt wieder hinaus“.

Darum geht es der Künstlerin, sie möchte den Blick in der lauten Welt für das Detail, den Tag, die Stunde, die Sekunde schärfen, um ihm Wert zu geben. Da kann die Stadt sich schon einmal in den Tag hineinträumen, wie ein Kind in seinem Bett. Oder: Ein Märztag kann den Anstoß nach dem Winter geben, wieder optimistischer zu werden. Den oft fehlenden Mut zur wahren Liebe besingt sie mit dem Tango „In der Bar Chez Madeleine“.

Die Aussage: „Es ist gar nie zu spät für Jetzt!“ verarbeitet sie mit dem Lied „Ausklang“. Sie beschreibt den Tod als so milde, wie echte Freunde. Das Lied komponierte sie für eine verstorbene Freundin. Zu dem Thema hat die Künstlerin auch ein eigenes Programm. Titel: „Wenn ich mal tot bin, mach ich, was ich will“.

Große Hochachtung schallte der Künstlerin entgegen in der Auburg. Und wenn es nach Marita Kleemeyer vom Kulturkreis Auburg geht: „Frau Kuhr sollten wir wieder einladen“. Denn die Chemie zwischen Publikum und Künstlerin stimmte so sehr.

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