Ezé Wendtoin unterhält in der Auburg ebenso schwungvoll wie humorvoll mit Liedern über Pokémons, Dresden und Zivilcourage

Leichtigkeit des Seins mit kritischen Tönen

Laut und rasant ging es zu im Konzert von Ezé Wendtoin und seinem Bruder Aristide in der Auburg.  - Foto: Russ

Wagenfeld - Von Melanie Russ. Einmal leichtfertig auf Aufforderung des Künstlers in die Hände geklatscht und schon hatten die Besucher des Konzerts mit Ezé Wendtoin und seinem Bruder Aristide Nikiema am Donnerstagabend in der Wagenfelder Auburg einen Vertrag geschlossen. „Wir sind jetzt bis zum Ende des Konzerts verbunden. Sie müssen alles tun, was ich Ihnen sage“, erklärt Wendtoin mit einem fröhlichen Lächeln auf den Lippen.

Sein Publikum erweist sich von der ersten Minute an als folgsamer Vertragspartner, klatscht, schnippt und singt kräftig mit, wenn dazu aufgefordert. Seine Zuhörer von Anfang an so „im Griff“ zu haben, gelingt nicht jedem Künstler so spielend wie dem 26-Jährigen aus Burkina Faso. Es mag daran liegen, dass er offensichtlich großen Spaß auf der Bühne hat und sich seine Zuhörer seiner ansteckenden Fröhlichkeit und seiner Energie schlicht nicht entziehen können, selbst wenn sie es gewollt hätten.

Diese Leichtigkeit des Seins hindert den jungen Mann, der seit einigen Jahren in Dresden lebt und dort Germanistik studiert, allerdings nicht daran, sich gesellschaftskritisch zu äußern und den Menschen – mal humorvoll-ironisch, mal in sehr ernsten Tönen – den Spiegel vorzuhalten. „Man muss immer Verantwortung tragen. Als Künstler hat man eine Stimme, mit der man die Menschen erreichen kann“, beschreibt er, warum er sich in seinen Liedern auch mit AfD, Pegida oder Fremdenhass befasst. Es sei wichtig, die Menschen darüber aufzuklären, dass bestimmte Dinge einfach nicht in Ordnung seien, und sie zum Handeln zu bewegen. So singt er etwa, begleitet von seinem Bruder am Piano, Konstantin Weckers „Sage Nein!“ – ein eindringlicher Aufruf, sich Nazis entgegenzustellen.

Doch die ernsten Momente sind selten im Konzert der beiden Afrikaner. So manchen Lacher entlockt er dem Publikum, als er darüber singt, dass seine Liebste sich nur noch für Pokémons (Computerspiel-Figuren) interessiert und nicht mehr für ihn. Ebenso energiegeladen ist sein Liebeslied an seine deutsche „Heimatstadt“: „Dresden Daheeme“.

Das Publikum ist wieder gefordert, als Ezé Wendtoin „Die Gedanken sind frei“ anstimmt – auf Deutsch und in seiner Muttersprache Mòoré – um dann elegant zu „Dat du min Leevsten büst“ überzuleiten. Bei beiden erweisen sich die Zuhörer ausgesprochen textsicher. Nach der Pause gibt der 26-Jährige deutsche Schlager zum besten, darunter ausgerechnet Rudi Carrells Klassiker „Wann wird's mal wieder richtig Sommer“.

Bedauerlich ist an diesem Abend allein, dass der Konzertraum der Auburg nur etwa zur Hälfte gefüllt ist. „Wir wären froh gewesen, wenn noch ein paar Hundertschaften mehr gekommen wären“, bemerkt Marita Kleemeyer vom Kulturkreis eingangs – nicht zuletzt, weil die Einnahmen des Abends komplett dem Künstler zugutekamen. Wendtoin möchte damit unter anderem einen von ihm mitgegründeten Verein in Burkina Faso dabei unterstützen, eine Schule in Ouagadougou zu bauen, in der Kinder aus schwierigen Familienverhältnissen und Straßenkinder unterrichtet werden sollen.

„Aber wir haben Spaß und die, die nicht gekommen sind, haben Pech gehabt“, prognostiziert Kleemeyer einen unterhaltsamen Abend und behält damit absolut recht.

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