Lebensräume im Naturtierpark Ströhen bereichern sowohl das Leben der Tiere als auch das Erlebnis der Besucher

„Jedes Biotop ist faszinierend“

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Vertraute Zweisamkeit: Tierparkbesitzer Dr. Nils Ismer mit Tapir Wolfgang.

Ströhen - Von Horst Benker. Der Naturtierpark in Ströhen richtet sich seit einiger Zeit neu aus, legt Lebensräume für seine Tiere an, um diese den Besuchern noch näher zu bringen und ihnen in naturnaher Umgebung mehr Komfort zu bieten. Tierparkleiter Dr. Nils Ismer zieht gegenüber unserer Zeitung eine erste Bilanz der bisherigen Aktivitäten in dieser Richtung.

Herr Ismer, seit einiger Zeit sind Sie dabei, Ihr Tierparkgelände nach Lebensräumen aufzuteilen. Was ist Ziel dieser Entwicklung?

Nils Ismer: Der Tierpark Ströhen ist seit jeher dem Tierschutz und der Arterhaltung verpflichtet. Allerdings spielen auch Information und Kommunikation mit den Besuchern eine immer größere Rolle. Mit dem Konzept, unsere Tiere in ihren ursprünglichen Lebensräumen zu zeigen und die Zuschauer auch über diese zu informieren, verbinden wir beide Konzepte und bereichern sowohl dass Leben der Tiere, als auch das Erlebnis der Besucher.

Wieviele dieser Lebensräume sind bisher entstanden und welche?

Ismer: Zehn Landschaften sind bisher im Tierpark entstanden und werden kontinuierlich erweitert: Afrikanisches Sumpfland, Afrikanische Savanne, Südostasiatische Waldlandschaft, Brasilianischer Regenwald, Südamerikanische Pampa, Europäischer Wald, Donaudelta, Bauernhof, Hochmoor und Madagaskar.

Sind weitere in Planung? Wenn ja, welche mit welchen Tierarten?

Ismer: Als nächstes ist der Lebensraum „Zentralasiatische Steppe“ geplant. Hier werden Trampeltiere und die sehr seltenen Kulane, asiatische Halbesel, gezeigt und dieser besondere Lebensraum erklärt.

Was Macht den Reiz dieser Lebensräume aus?

Ismer: Jedes Biotop, in dem verschiedene Tierarten einen Lebensraum finden, ist faszinierend. Es sollte unsere Pflicht sein, diese Lebensräume zu erhalten. Um dafür ein Interesse bei den Menschen zu wecken müssen sie erstmal wissen, dass es sie gibt und Informationen erhalten. Das versuchen wir mit unserem Konzept zu erreichen. Die faszinierenden Eigenschaften jedes einzelnen Lebensraums an dieser Stelle zu beschreiben übersteigt sicher unsere Zeit.

Sind nur die so genannten Exoten in solchen zusammengefasst, oder auch zum Beispiel heimische vom Aussterben bedrohte Rassen?

Ismer: Mit dem Lebensraum Bauernhof zeigen wir ganz bewusst einen heimischen Lebensraum, der sowohl von Haustierrassen, als auch von heimischen Wildtieren bewohnt wird. Hier zeigen wir zum Beispiel Lippegänse, Ostfriesische Möwen und Cröllwitzer Puten. Allesamt vom Aussterben bedroht, sind diese Rassen auch für spätere Neuzüchtungen in der Landwirtschaft mitunter von großer Bedeutung. Auch im Hochmoor werden neben Wildarten, wie der selten gewordenen Moorente und den Kranichen auch Haustiere gezeigt.

Wie ist die Resonanz der kleinen und großen Besucher auf diese Neuausrichtung?

Ismer: Die meisten Besucher nehmen die Neustrukturierung des Tierparks sehr gut an. Wir haben das Gefühl, dass die Gäste länger vor den Anlagen verweilen und sich intensiver mit den verschiedenen Tierarten und Lebensräumen beschäftigen. Das liegt natürlich auch daran, dass wir unsere Informationsschilder erneuert und interessanter gestaltet haben. Das Feedback ist jedenfalls sehr gut.

Wie kommen die Protagonisten, die Tiere, mit den neuen Situationen zurecht? Können Sie ein Beispiel nennen?

Ismer: Auf den meisten Anlagen funktioniert das Zusammenleben der einzelnen Tierarten sehr gut. Die Tiere profitieren natürlich auch von den vielen Strukturmaßnahmen, die wir in die Anlagen integriert haben. Im Grunde führen wir ja auch nur Tiere zusammen, die auch in freier Wildbahn miteinander leben. Ein Problem hatten wir in den Afrikanischen Sumpflandschaften. Hier gab es Rangkämpfe zwischen dem Sitatungabock und dem Leutschwemännchen. Aber das Problem ist geklärt. Der Leutschwebock muss leider in einen anderen Zoo. Dieses Verhalten ist aber als natürlich einzustufen, leider können wir die einzelnen Anlagen nicht so groß anlegen, dass sich die Tiere bei solchen Rangkämpfen gänzlich aus dem Weg gehen können.

Hat sich die Aufteilung in Lebensräume auf die Arbeit ihrer Tierpfleger ausgewirkt? Wenn ja, wie?

Ismer: Im Großen und Ganzen nicht. Außer, dass heute eben eine Anlage gereinigt werden muss, wo es vorher drei waren. Lediglich der Blick auf anstehende Konflikte zwischen verschiedenen Tierarten ist vielleicht etwas geschärfter.

Ist ein Ende dieses Prozesses in Sicht, oder unterliegen auch Sie als Tierpark einem ständigen Wandel, um attraktiv zu bleiben?

Ismer: Ganz sicher sind wir nicht am Ende unserer Entwicklung. Ich hätte Erweiterungs - und Änderungspläne für viele Millionen Euro in der Schublade, aber da wir uns komplett selbst finanzieren, müssen wir uns an dem orientieren was möglich ist. Als nächstes steht der Neubau einer Serval Freiananlage auf der Agenda um den Katzen einen schönen Auslauf zu ermöglichen. Mit den Baumfällarbeiten haben wir bereits begonnen. Danach sind die Umstrukturierungen der Volieren geplant. Generell wollen wir uns sowohl vom Tierbestand, als auch von der Attraktivität für unsere Besucher natürlich immer weiter entwickeln.

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