Zeit für Reparaturen und neue Konzepte

Keine Angriffe, kein Märchenmarkt, kein Totentanz: Bogenwald liegt im Corona-Schlaf

Lena Weichselbaumer und Dirk Kemper nutzen die veranstaltungsfreie Zeit, um das Larp-Dorf Bogenwald zu vervollständigen.
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Lena Weichselbaumer und Dirk Kemper nutzen die veranstaltungsfreie Zeit, um das Larp-Dorf Bogenwald zu vervollständigen.

Ströhen – Verlassen und still liegt das kleine Dorf Bogenwald im Wäldchen südlich von Ströhen. Normalerweise tummeln sich dort zu dieser Jahreszeit Kaufleute, Hexen, Gaukler, Kämpfer und andere mehr oder weniger seltsame Gestalten. Doch in diesem Jahr ist alles anders. Kein Angriff der Dunkelheit, kein Märchenmarkt, kein Totentanz – denn Corona hat auch den Weg in die Fantasiewelt gefunden.

Für die beiden Larp-Dorf-Betreiber Dirk Kemper und Lena Weichselbaumer ist die veranstaltungsfreie Zeit eine schwierige, aber auch eine sehr kreative. Sie nutzen sie, um Bogenwald zu vervollständigen und das benachbarte neue Wikingerdorf Jyrlund aufzubauen, damit sie spätestens im nächsten Jahr richtig durchstarten können.

„Es ist schwer und ein bisschen frustrierend“, beschreibt Kemper die momentane Situation. Die ausbleibenden Einnahmen sind die eine Sache. Dank finanzieller Unterstützung vom Staat und von vielen Larp-Fans, die über das Portal Kofi oder auf anderem Wege spenden, kämen sie in diesem Jahr über die Runden, sagt Kemper. „Es ist schön, diese Solidarität zu spüren“, ergänzt Lena Weichselbaumer. Aber die beiden Betreiber vermissen auch die Charaktere, die ihr Dorf erst zum Leben erwecken. „Momentan ist es nur Arbeit. Die Belohnung bleibt aus. Uns fehlen die Veranstaltungen und die Menschen in ihren Gewandungen“, sagt Kemper.

Ganz aufgegeben haben die Beiden die Hoffnung auf eine kleine Veranstaltung in diesem Jahr noch nicht. Sie seien in Kontakt mit den Behörden darüber, was möglich ist. Doch angesichts von Abstandsregeln und Maskenpflicht ist eine Larp-Veranstaltung schwer vorstellbar. „Zum einen können wir nicht sicherstellen, dass alle Vorgaben eingehalten werden“, erklärt Weichselbaumer. „Außerdem nehmen die Beschränkungen ganz viel vom Spielerleben.“

Renovierung und Erweiterung in Bogenwald

Über Langeweile können sich Lena Weichselbaumer und Dirk Kemper aber auch ohne Veranstaltungen nicht beklagen. Im märchenhaften Bogenwald wird aktuell gestrichen, renoviert und dekoriert, einige Dächer bekommen standesgemäße Schindeln verpasst. Im noch jungen Jyrlund ein paar hundert Meter weiter stehen bereits ein Teil der Palisade und die Trutzmühle, die künftig mit Windkraft ein bisschen Strom erzeugen soll. Weitere Gebäude wie Langhaus und Tempel sind in Arbeit, eine Nachbildung von Stonehenge ist ebenfalls geplant.

Im Wikingerdorf Jyrlund stehen bereits ein Teil der Palisade und die Trutzmühle.

„Die unterschiedlichen Themen sollen sich in der Architektur widerspiegeln“, erklärt Dirk Kemper. Während die Gebäude in Bogenwald aufwendig gestaltet und mit Eisenbeschlägen und Ähnlichem verziert sind, wird in Jyrlund vorwiegend mit Holz, Stein und Holzdekorationen gearbeitet. „Es soll ein bisschen sein wie bei Asterix und Obelix.“

Unterstützung bekommen Kemper und Weichselbaumer von einigen Ströhern und kleinen Gruppen, die zum Teil längere Anreisen in Kauf nehmen, um ihr Hobby wenigstens ein bisschen leben zu können. „Alleine wäre das alles gar nicht zu schaffen“, weiß Weichselbaumer.

Moderne Technik und Harry-Potter-Welt in Ströhen

Neben dem Handwerklichen geht auch die inhaltliche Entwicklung weiter. Und dabei spielt auch moderne Technik eine wesentliche Rolle. Wie Dirk Kemper verrät, wird gerade ein computergesteuerter Kessel für den Alchemieraum gebaut, in dem die Rollenspieler Tränke brauen können. Sensoren erkennen, ob die richtigen Zutaten in der richtigen Reihenfolge hineingegeben werden und der Trank gelungen ist oder nicht.

 In Bogenwald wurde ein Koboldhaus errichtet, dessen Bewohner sich auch schon mal als Schneider verdingt.

Elektronische Zauberstäbe für ein der Harry-Potter-Welt ähnelndes Event sind ebenfalls in Arbeit. Mit ihnen sollen die Rollenspieler unter anderem Schlösser öffnen und gegeneinander kämpfen können. Sensoren in den Zauberstäben registrieren dabei, ob ein Zauberspruch abgewehrt wurde, Sensoren am Körper signalisieren einen Treffer. „Es ist Wahnsinn, was man mit Technik heute alles machen kann“, ist Kemper begeistert.

Aber die beste Technik ist in der Larp-Welt nichts ohne eine gute Geschichte. So können die Spieler einer von vier deutschen Zauber-Schulen angehören und gemeinsam Abenteuer erleben. Interessierte müssen sich mit einer eigenen Hintergrundgeschichte zu ihrem Charakter bewerben.

Das Hexenhaus in Bogenwald ist mit allerlei mysteriösen Ingredienzen ausgestattet.

Um den Bogenwald-Fans die Zeit bis zur Rückkehr zu verkürzen, hat Kemper gerade mit den Mittelalter-Bands Feuerschwanz und Faun „Das Lied der verschlungenen Pfade“ aufgenommen. Es erklingt zu Beginn jeder Veranstaltung und markiert den Übergang von der realen in die Fantasiewelt. In Kürze soll dazu auch ein Youtube-Video produziert werden.

Weitere Informationen gibt‘s auf der Homepage.

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