Landfrauenfrühstück lockt 170 Besucher nach Wagenfeld

Friedliche Koexistenz mit dem schlechten Gewissen

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Landfrauenfrühstück mit viel Humor: Die Stimmung im Wagenfelder Central-Hotel war locker, es wurde viel gelacht.

Wagenfeld - Von Anja Schubert. Was kann man von einer Frau erwarten, die blond, über 50, in den Wechseljahren und zudem noch Ostfriesin ist, genetisch total verdorben und hoffnungslos chaotisch obendrein? – Sehr viel, zumindest, wenn es sich bei der Dame um Maike Carls handelt und „frau“ gewillt ist, „das ewig schlechte Gewissen“ abzulegen, um ihrem Leben mit Humor, gestärkten Schultern und aufrechtem Gang neuen Schwung zu geben.

Mit ihrem erfrischenden Vortrag war die Diplom-Pädagogin für Erwachsenenbildung aus Reepsholt am Samstagmorgen zu Gast beim großen Neujahrsfrühstück des Landfrauenvereins Diepholz.

„Wir haben wieder einmal ‚volles Haus’“, freute sich Vorsitzende Ulrike Meyer, 170 Damen zu der geselligen, genussvollen Runde im Wagenfelder Central-Hotel begrüßen zu können. Der Vortrag von Maike Carls setzte gewissermaßen als Nachtisch einen lebendig-erfrischenden Impuls.

Mit einem ganzen Arsenal an Handpuppen und einem Erste-Hilfe-Koffer der besonderen Art, hatte die Referentin auf der Bühne alles Notwendige parat, um den Damen im Publikum die Ursachen des ewig schlechten Gewissens und was man dagegen tun kann plausibel zu machen.

Das quälende Gewissen und ewige Schuldgefühle seien für viele Frauen ständige Begleiter. „Sie rackern bis zum Umfallen: Haushalt, Beruf, Kinder, Garten, Fitness – ständig bemüht, es allen recht zu machen und für andere zu sorgen. Nur sie selbst geraten in Vergessenheit“, weiß Carls aus eigener Erfahrung. Doch ihr gelang es, nach schwerer Krankheit die Reißleine zu ziehen und sich bewusst zu einem netteren Umgang mit sich selbst zu entscheiden. „Statt im gebückten 50-Euro-Gang gehe ich jetzt aufrecht mit gehobenem Blick durch die Welt.“ So könne ihr vieles besser den Buckel runterrutschen. „Eine ständig gebeugte Haltung verhindert die Ausschüttung von Glückshormonen und man nimmt sich selbst die Chance für das Erleben positiver Erinnerungen und Erfahrungen.“

Doch warum fällt vielen Frauen so schwer, anstelle eines oft widerwilligen „ja“ ein klares „nein“ zu setzen? „Vieles hat mit Erziehung, Denkstrukturen, Feinfühligkeit und Verantwortungsbewusstsein zu tun. Das fängt unbewusst mit den Sprüchen in den Poesiealben der Kindheit bereits an“, analysierte die Expertin. Hinzu kämen falsche Vorbilder. Wer von den 90-60-90-Maßen einer Barbie träume, den würden Winterspeck und Frühlingsrolle natürlich stören.

„Mein Körper ist wie ein Film mit Hauptrolle, Nebenrolle und ein paar Statistenrollen“, gab Carls den Dingen eine neue positive Sichtweise. Dem Perfektionismus hinterher zu laufen sei einer der schlimmsten Fehler. „Das tut einem selbst und den Mitmenschen nicht gut.“ Mit Müssteritis, Sollteritis, Hätteritis, Wenneritis – nannte Carls „Krankheiten“, die die Referentin ebenso gut kannte wie ihr Publikum. Auch Günther, eine Handpuppe mit einem Schweine- und einem Hundekopf, war den Landfrauen kein Unbekannter. „Der innere Schweinehund, der einen von vermeintlichen Pflichten ablenkt, muss nicht immer schlecht sein. Er lehrt uns, es manchmal einfach gut sein zu lassen.“ Mittlerweile lebe sie mit dem schlechten Gewissen in friedlicher Koexsistenz und genieße es, sich auch mal gezielt um sich selbst zu kümmern.

„Wir meckern und quaken auf hohem Niveau“, führte Carls humorvoll mit Froschperücke vor Augen. Ihr Verhalten habe sich von der verbissen-bissigen „Wolfkommunikation“ zum Giraffenblick gewandelt. „Einfach mal über den Dingen zu stehen hilft gewaltig.“ Zum umdenken sei es nie zu spät, stellte der Quell der guten Laune motivierend heraus. „Das geht immer, solange der Körper noch warm ist.“ Mir einem Stift zwischen den Lippen, der automatisch ein Lächeln ins Gesicht zaubere, einer „selektiven Brille“, Lichtschmuck und bunten Clownsnasen für jede Lebenssituation, gewährte die Referentin zum Abschluss einen Einblick in ihren nicht ganz alltäglichen Erste-Hilfe-Koffer, der das Leben leichter mache. Langanhaltender Applaus zum Ende des Vortrages unterstrich, dass der Referentin die schwierige Übung, sich selbst auf den Arm zu nehmen, mit viel Humor bravourös gelang.

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