„Nur am Klavier gelangte er in den Genuss seines Genies“

Kulturfrühstück mit Mozart in der Auburg startet mit unerwarteter Aufregung

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Ebenso unterhaltsam wie informativ berichten Eberhard Brünger (links) und Michael Mengeling über das Leben und Werk Mozarts.

Wagenfeld - Von Melanie Russ. Sonntag, 10 Uhr: Das Frühstücksbüfett ist reichhaltig bestückt, der Kaffee gekocht, die Gäste sind da, doch wo bleiben nur die Künstler? Die Aktiven des Wagenfelder Kulturkreises Auburg fürchteten schon eine Premiere der unschöneren Art: den Ausfall einer Veranstaltung. Doch wie sich schnell herausstellte, hatte ein Missverständnis für die unerwartete Aufregung beim Kulturfrühstück mit Mozart in der Auburg gesorgt.

Die Künstler Michael Mengeling und Eberhard Brünger waren davon ausgegangen, dass sie erst nach dem Frühstück die Bühne betreten sollten. In der Auburg ist es allerdings üblich, dass das Frühstück für die Darbietung unterbrochen wird. Die Gäste der ausverkauften Veranstaltung nahmen die Verzögerung gelassen und bedienten sich einfach ein weiteres Mal am mit diversen Brotsorten, Brötchen, Belägen, Salaten und heiß dampfendem Rührei bestückten Büfett, um dann gut gesättigt der Darbietung der beiden Künstler zu folgen.

Mengeling und Brünger konzentrierten sich bei ihrer literarisch-musikalischen Reise in das ausgehende Rokoko nicht allein auf Mozarts Leben und Werk, sondern zeichneten durch entsprechend ausgewählte Briefpassagen auch ein Bild der Welt des späten 18. Jahrhunderts. Von Kutschfahrten mit rasanten 15 km/h ist da beispielsweise die Rede, verbunden mit dem Rat des Dichters Jean Paul, möglichst viele Passagiere als „Füllsteine“ mitzunehmen, da man sonst in den ungefederten Kutschen hin und her geworfen werde.

Der „Vorleser“ Michael Mengeling und der Pianist Eberhard Brünger sind ein eingespieltes Team, das sich hervorragend ergänzt und im Laufe der Jahre schon zahlreiche Programme auf die Bühne gebracht hat. Zur Beschäftigung mit Mozart inspirierte Mengeling nach eigener Aussage ein Wiener Schauspieler, der aus dem Briefwechsel der Familie Mozart las. „Es ist unglaublich, was sich die Familie geschrieben hat“, sagt Mengeling und meint damit nicht nur die schiere Zahl von mehreren hundert Briefen, sondern auch deren Inhalt, der von sehr berührend bis – im Fall der Bäsle-Briefe – geradezu obszön reicht. „Man kann das Leben Mozarts durch die Briefe sehr gut nachvollziehen“, sagt Mengeling.

Und so beginnt der künstlerische Part des Kulturfrühstücks auch mit zwei kleinen Stücken, die „das Wolferl“, wie dessen Vater Leopold ihn nannte, im Alter von nur fünf Jahren komponiert hat. „Machen Sie das mal mit fünf Jahren“, verdeutlicht Brünger die beeindruckende Leistung, die der Anfang des Wunderkinds gewesen sei. Für den jungen Mozart selbst war seine Begabung nicht nur ein Segen. Von frühester Kindheit an sei er zum Erwachsenen dressiert worden, berichtet Mengeling. Mozarts Äußeres war unscheinbar, er hatte manisch-depressive Züge, war ungeschickt, beschreibt er. 

Doch wenn er am Klavier saß, wurde er ein anderer Mensch. „Dort gelangte er in den Genuss seines Genies“, so Mengeling. „Man kann Mozarts Lebenslauf nicht mit seinen Werken in Einklang bringen“, beschrieb auch Brünger das Spannungsverhältnis zwischen dem Künstler und dem Menschen. „Mozart konnte trübselig sein und trotzdem ein heiteres Stück komponieren.“

Fast so berühmt wie seine Kompositionen sind wohl die Bäsle-Briefe Mozarts an seine Cousine Maria Anne. „Ich hoffe, Sie erschrecken nicht“, warnte Mengeling vor der Rezitation und riet zarten Seelen scherzhaft, den Saal zu verlassen, denn in den Briefen fielen alle Hemmnisse der Konventionen und des guten Geschmacks. Zu zart besaitet waren die Zuhörer nicht, wohl aber erstaunt, über das, was sie da aus dem Munde Mengelings hörten. „Ist das wirklich alles original?“, fragte denn auch eine Zuhörerin.

Die Darbietung endete mit dem Tod Mozarts, dessen genaue Ursache bis heute nicht klar sei, so Mengeling, und mit dessen Beisetzung in einem Massengrab, die damals durchaus üblich war, bei jemandem von der Stellung Mozarts aber doch ein „Geschmäckle“ habe. Bei den Gästen des Kulturfrühstücks blieb dagegen ganz sicher kein fader Nachgeschmack zurück. Sowohl Gaumen als auch Geist hatten ihre helle Freude an dem Darbietung.

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