BUND zum trockenen Sommer

Kraniche finden noch reich gedeckten Tisch

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Auch wenn das Nahrungsangebot nach dem trockenen Sommer etwas geringer ausfällt, finden die Kraniche in der Diepholzer Moorniederung laut BUND noch genug Futter.

Ströhen - Jedes Jahr im Herbst sind sie allgegenwärtig in der Diepholzer Moorniederung: Kraniche. Mehrere Zehntausend Tiere legen dort alljährlich eine Rast ein und stärken sich auf den Feldern, bevor sie in ihre Winterquartiere weiterziehen. Inwieweit der ungewöhnlich trockene Sommer Auswirkungen auf ihr Brut- und Zugverhalten hat, erläutert Kerrin Obracay, Kranichexpeterte beim BUND Diepholzer Moorniederung in Ströhen, im Interview. Die Fragen stellte Melanie Russ.

Wie viele Tiere haben in diesem Jahr in der Diepholzer Moorniederung gebrütet?

Kerrin Obracay: Im Jahr 2018 brüteten hier etwa 65 Kranichpaare. Alle Revierpaare halten sich während der Brutzeit in den wiedervernässten Hochmooren auf.

Hatte der trockene Sommer negative Auswirkungen auf den Bruterfolg?

Obracay: Der sehr niederschlagsarme Sommer führte dazu, dass wiedervernässte Moorflächen und Handtorfstiche austrockneten. Dadurch kam es in einzelnen Fällen zum Trockenfallen von Nestern. Das wiederum führte dazu, dass Prädatoren (Fressfeinde) wie Fuchs oder Wildschwein sehr viel einfacher zu den Gelegen gelangen und Eier fressen konnten.       

Kraniche brüten stets auf einer kleinen Insel, die sie entweder mit Pflanzenmaterial selbst bauen, oder auf bestehenden Inseln wie kleinen Torfinseln, Wollgras-, Pfeifengras- oder Flatterbinsenhorstes oder Baumwurzelbereichen. Das Gelege besteht aus zwei Eiern. Bei Verlust eines Geleges können Kraniche, wenn Brutplätze vorhanden sind und die Brutzeit nicht zu weit fortgeschritten ist, ein Nachgelege hervorbringen.       

Insgesamt war die Brutzeit 2018 durch die Speicherung der Winter- und Frühjahrsniederschläge in den Mooren ausreichend nass, sodass es keinen nachweislich negativen Einfluss des trockenen Frühjahrs und Sommers auf den Bruterfolg gegeben hat.

Welche normalerweise feuchten Bereiche eignen sich derzeit nicht als Schlafplatz? Wo haben sich die Kraniche Alternativen gesucht?

Obracay: Die Kraniche übernachten in den größeren flach überstauten Wiedervernässungsflächen in den Hochmooren der Diepholzer Moorniederung. Dort verbringen sie stehend in etwa kranich-knietiefem Wasser die Nacht. So sind sie vor Fressfeinden sicher. Infolge der ausgeprägten Trockenheit des Sommers und Herbstes sind einige der sonst als Schlafplätze genutzten Flächen trocken. 

Nasse beziehungsweise leicht überstaute Restflächen sind in jedem Moor vorhanden. Darüber hinaus nutzen die Kraniche jetzt Wasserflächen, die in normal nassen Jahren zu tief sind und in diesem Jahr geeignete Wasserstandshöhen aufweisen. Die Namen der Moore, in denen sich Kraniche konzentrieren, können wir aus Schutzgründen leider nicht nennen.

Inwieweit beeinflusst die veränderte Rastplatzsituation die Aufenthaltsdauer der Kraniche? Ziehen sie schneller weiter, weil es zu eng wird?

Obracay: Der Kranichzug ist stark wetterabhängig. Bei günstiger Windrichtung (Rückenwind aus Nordost), sinkenden Temperaturen und klarem Wetter bestehen sehr gute Zugbedingungen, die die Vögel für den Weiterzug in die Überwinterungsgebiete nutzen. Auch ungünstige Rastbedingungen wie wenig Nahrung, häufige größere Störungen und ungünstige Schlafplätze führen zu einem schnelleren Weiterzug.       

Die Trockenheit hat sicherlich einen Einfluss auf die Aufenthaltsdauer in diesem Jahr, allerdings lässt sich die Rastdauer nicht allein auf diesen Faktor zurückführen. Im Herbst 2017, bei guten Wasserverhältnissen, zogen die Kraniche wie auch in diesem Herbst verhältnismäßig schnell weiter, da die wetterabhängigen Zugbedingungen sehr gut waren und die Vögel diese nutzten.

Finden die Kraniche vor dem Hintergrund, dass die Ernte ebenfalls unter dem trockenen Sommer litt, genug Nahrung in der Diepholzer Moorniederung?

Obracay: Kraniche sind Allesfresser. Auf den abgeernteten Äckern nehmen sie neben Ernterückständen wie Mais- und Getreidekörner auch Mäuse, Regenwürmer, Larven, Insekten und Ähnliches auf. Die Mehrzahl der Maisanbauflächen wird für Biogasanlagen geerntet; dabei fallen nahezu keine Ernterückstände ab. 

Auf Flächen, auf denen Mais zur Körnermaigewinnung geerntet wird, ist der Anteil an Resten deutlich höher. Hier finden Kraniche einen reich gedeckten Tisch. Ich denke, dass es auch in diesem Jahr ausreichend Nahrung für die Kraniche gibt, beziehungsweise es aufgrund der Trockenheit nicht zu einem Nahrungsengpass kommt.

Wie viele Kraniche haben bisher im Vergleich zu den Vorjahren in der Diepholzer Moorniederung gerastet?

Obracay: Im Oktober hielten sich mit etwa 40.000 Kranichen weniger rastende Vögel in der Diepholzer Moorniederung auf, als in den Vorjahren. Dies liegt an den beschriebenen guten Zugbedingungen in Kombination mit den teilweise ausgetrockneten Schlafplätzen.

Wie viele Zähler sind für den BUND in der Diepholzer moornieder im Einsatz?

Obracay: Für die Erfassung der Rastbestände sind bei jeder Synchronzählung etwa 30 Zählerinnen und Zähler beteiligt.

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