Planer stellt Sanierungsvorschläge für Wagenfelder Ortskern vor

Kostspieliges Mammutprojekt

Für den Marktplatz (links) und die Bushaltestelle im Wagenfelder Ortskern empfiehlt das ISEK zahlreiche Veränderungen. Grafiken: Kolhoff Landschaftsarchitekten

Wagenfeld - Von Melanie Russ. Es ist ein Mammutprojekt, das die Gemeinde in den kommenden zehn Jahren beschäftigen und richtig ins Geld gehen wird: die Sanierung des Wagenfelder Ortskerns. Umgesetzt werden soll sie auf Grundlage eines Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzepts (ISEK), das das Vechtaer Büro Kolhoff Landschaftsarchitekten in Kooperation mit Verwaltung und engagierten Bürgern erstellt hat. Werden alle Vorschläge umgesetzt, würde das nach Berechnungen des Büros etwa sieben Millionen Euro kosten.

Weil die Gemeinde alleine diese Investition nicht stemmen kann, hofft sie auf die Berücksichtigung in einem städtebaulichen Entwicklungsprogramm. Bund und Land würden dann jeweils ein Drittel der Kosten übernehmen, die Gemeinde müsste etwa 2,3 Millionen Euro aufbringen.

Das in knapp einem Jahr erarbeitete ISEK stellte Planer Matthias Kolhoff am Dienstagabend in der Sitzung des Bau-, Wege-, Verkehrs- und Umweltausschusses vor und fand einhellige Zustimmung. In dem etwa 140 Seiten starken Dokument werden anhand statistischer Daten sowie einer Bestandsaufnahme der Infrastruktur und der sozialen Angebote die Stärken und Schwächen des Ortskerns analysiert und Vorschläge für die Aufwertung unterbreitet.

„Ich glaube, dass es einiges an Sanierungsmöglichkeiten gibt“, sagte Kohlhoff einleitend, um dann auf die wesentlichen Punkte einzugehen. Stärken hat Wagenfeld demnach viele: Nahversorgung, Freizeit- und Kulturangebot, Bildungsangebot, eine gute medizinische Versorgung. Auf der anderen Seite gibt es insbesondere im Ortskern aber auch erhebliche Schwächen: Die Verkehrssituation, ein wenig attraktives Wohnumfeld und Leerstände sind nach Einschätzung Kolhoffs die größten Baustellen.

Ein wesentliches Problem sei die Verkehrssituation, vor allem bedingt durch die überdurchschnittlich viel befahrene B 239, die den Ortskern in der Mitte „zerschneide“, so Kolhoff. Von ihr gehen Abgase, Lärm und eine Gefahr für Radfahrer und Fußgänger, die diese queren müssen, aus. Die in Planung befindliche Ortsumgehung der B 239 bringe langfristig unterschiedliche Entwicklungspotenziale mit sich wie verkehrsberuhigende Maßnahmen oder weitere Aufwertungen. Kurzfristig könnte zum Beispiel die Anpflanzung geeigneter Bäume im Seitenraum etwas mehr Aufenthaltsqualität bringen.

Eine der größten Problemzonen sowohl optisch als auch sicherheitstechnisch ist der Marktplatz mit angrenzender Bushaltestelle auf beiden Seiten der B 239. Die Zahlen der Polizei belegen, dass der Marktplatzbereich mit seinen unübersichtlichen Zufahrten ein Unfallschwerpunkt in Wagenfeld ist. Nach den Planungen des Vechtaer Büros soll es künftig eine besser strukturierte Zuwegung bei Pohlys Snackeck und eine Zufahrt über die dann auszubauende Gutenbergstraße geben. Die mittig verlaufenden Wege werden für den motorisierten Verkehr gesperrt. Die Bushaltestelle wird komplett zum Marktplatz verlegt und von der Bundesstraße abgegrenzt. Die Zufahrt erfolgt über die Sulinger Straße, die Abfahrt über die B 239. Bepflanzungen sollen den Bereich freundlich gestalten.

Für den Sparkassenweg schwebt dem Planer eine Verlängerung als Rad- und Fußweg bis zum DRK-Parkplatz vor, den Kinder als sicheren Schulweg nutzen könnten.

Ein weiterer Schwerpunkt des ISEK sind der Platz vor der Eisdiele und der Park de Vibraye. Kolhoff hat für diesen Bereich die Ideen der Gruppe „Lebendiges Wagenfeld“ für eine grüne Zone aufgenommen. Vor der Eisdiele könnte ein begrünter Dorfplatz mit Sitzgelegenheiten entstehen. Ergänzend könnte das in die Jahre gekommene Gebäude abgerissen und durch ein neues ersetzt werden, in dem das Eiscafé wieder einen Platz findet. Der Park könnte mit einem Dorfteich und großen Spielfeldern aufgewertet werden. Zugleich könnten Schüler über einen Fahrradweg durch den Park zur Grundschule gelangen. Das wäre nicht nur sicherer, laut Kolhoff kann die Gemeinde mit solchen Maßnahmen der Schulwegsicherung auch bei der Genehmigungsbehörde für den Förderantrag punkten.

Auch die Gebäude an der Ortsdurchfahrt hat sich der Planer angeschaut. Während einige mit ihren Jugendstil- oder Fachwerkfassaden hübsch anzusehen sind, gibt es bei anderen Handlungsbedarf. Für Betten Scheland beispielsweise empfiehlt Kolhoff langfristig einen Abriss, beim Wollwerk-Gebäude gegenüber sieht er dagegen Potenzial. Er regte an, das Gebäude in eine Event-Halle für Veranstaltungen umzufunktionieren. Das alles natürlich nur, wenn die Eigentümer diese Pläne unterstützen.

Auch bei den Stärken sieht der Planer noch Potenzial. Im kulturellen Bereich fehlten Angebote für Jugendliche, das überdurchschnittliche Freizeitangebot könne man vielleicht noch stärker für den Tourismus nutzen.

Kolhoffs Fazit zum ISEK: „Wir haben zusammen mit der Verwaltung etwas Gutes geschaffen.“ Auch Bürgermeister Matthias Kreye blickte zufrieden zurück. „Für uns war es ein wirklich anspruchsvolles Jahr. Es waren viele lange Abende“, sagte er mit Blick auf die zahlreichen Abstimmungsgespräche. Dass das ISEK der einzige Tagesordnungspunkt sei, zeige dessen große Bedeutung ebenso wie die Sondersitzung des Rates am kommenden Mittwoch, die nur angesetzt wurde, um das ISEK zu verabschieden und damit den Weg für den Förderantrag frei zu machen, der bis Juni beim Amt für regionale Landesentwicklung liegen muss.

Die im ISEK genannten Vorschläge sind allerdings genau das: Vorschläge. Welche Maßnahmen konkret wie und wann angegangen werden, muss der Gemeinderat zu gegebener Zeit separat entscheiden.

Dokumentation

Die Unterlagen zu den Workshops sind auf der Homepage der Gemeinde zu finden, das ISEK selbst ist im dortigen Ratsinformationssystem hinterlegt.

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