Diepholzer Moorniederung

Wiedervernässungsprojekt Klimatools: Erste kleine Erfolge sind erkennbar

Recyclingspundwände hindern im Neustädter Moor das Wasser daran, aus dem Moorboden zu entweichen. Sie sind Teil des Wiedervernässungsprojekts „Klimatools“ des BUND Diepholzer Moorniederung.
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Recyclingspundwände hindern im Neustädter Moor das Wasser daran, aus dem Moorboden zu entweichen. Sie sind Teil des Wiedervernässungsprojekts „Klimatools“ des BUND Diepholzer Moorniederung.

Das Wiedervernässungsprojekt Klimatools in der Diepholzer Moorniederung ist nach knapp sechs Jahren auf der Zielgeraden. Erste Erfolge sind schon erkennbar.

Ströhen – Hochmoor und Wasser – das gehört eigentlich zusammen. Ohne Wasser degeneriert der Moorboden, eine moortypische Pflanzen- und Tierwelt kann nicht gedeihen, klimaschädliche Gase entweichen in die Atmosphäre. Doch viele Hochmoorflächen sind viel zu trocken, sei es als Folge des Torfabbaus oder durch klimawandelbedingte Sommertrockenheit. Im Rahmen des Projekts „Klimatools – Klimaschutz und Biodiversität für Hochmoore in der Diepholzer Moorniederung“ erforschen die Mitarbeiter des BUND Diepholzer Moorniederung seit 2016 Maßnahmen zur Wiedervernässung. Ziel ist zum einen der Klimaschutz, aber auch der Erhalt einer einzigartigen Pflanzen- und Tierwelt. Jetzt befindet sich das Projekt auf der Zielgeraden. Ende des Jahres läuft es aus.

Die Projektflächen umfassen im Nördlichen Wietingsmoor, im Neustädter Moor und im Großen Moor bei Uchte insgesamt rund 460 Hektar. In den vergangenen Jahren ist dort einiges passiert. Laut Projektleiterin Imke Schweneker wurden seit 2017 in vier Winterhalbjahren verschiedene Maßnahmen umgesetzt und über ein Monitoring der Wasserstände, Vegetation und Vogelwelt regelmäßig kontrolliert, wie sich die Projektflächen in der Folge verändern.

Das Projekt war kürzlich auch eines der Schwerpunktthemen einer virtuellen Fachtagung im Europäischen Fachzentrum Moor und Klima in Ströhen mit knapp 100 Teilnehmern vor allem aus Norddeutschland und den Niederlanden, die der BUND in Kooperation mit der Alfred Toepfer Akademie für Naturschutz organisiert hatte. Ein Teil der Moorexperten traf sich am nächsten Tag zur Exkursion ins Projektgebiet.

Mehr Wasser im Moor – das ist das Ziel. Der neue Damm im Natura 2000-Gebiet Neustädter Moor zeigt gleich im ersten Jahr nach der Maßnahme seine gewünschte Wirkung.

„Die Moorexperten hatten besonders großes Interesse an dem Einbau von über 1000 laufenden Metern Recyclingspundwänden in dem seit Jahrzehnten in Renaturierung befindlichen Neustädter Moor“, so Schweneker. Dadurch sollen sich Moorflächen mit wertvollen hochmoortypischen Pflanzen- und Tierarten in Richtung eines naturnahen, wachsenden Hochmoores entwickeln.

Kunststoff als Retter einer empfindlichen Naturlandschaft? Klingt seltsam. Aber wie Projektmitarbeiterin Julia Lambers erklärt, ist Kunststoff in diesem Fall das Material der Wahl. Stahl sei zwar theoretisch möglich, aber in der Praxis viel zu schwer, um ihn ins Moor zu bekommen. Holz wäre naturnaher, aber zu vergänglich. Denn die Spundwände müssen eine lange Zeit überdauern.

Inwieweit Recyclingspundwände ein wegweisendes Modell auch für andere beeinträchtigte Hochmoore sind, hängt laut Imke Schweneker von der gebietsspezifischen Ausgangssituation ab. „Eine Blaupause gibt es nicht.“

Eine weitere Möglichkeit der Wiedervernässung ist die Verwallung. Die ist laut Julia Lambers für das Neustädter Moor aber nicht geeignet, weil es dort Bereiche mit sehr wertvoller Vegetation gibt, die durch eine Verwallung zerstört würden.

Veränderungen in der Vegetation sind auf der Projektfläche im Neustädter Moor laut Lambers noch kaum zu sehen. „Es dauert, bis sich die Vegetation an die neuen Gegebenheiten anpasst.“

Im hydrologischen Bereich gebe es aber erste Erkenntnisse. „Vor dem Einbau der Spundwände lagen die Wasserstände in einem Projektteilgebiet im Neustädter Moor in den Sommermonaten, der Hauptwachstumsphase der Torfmoose, den ,Baumeistern der Hochmoore‘, regelmäßig für viele Wochen in einem für Hochmoore untypischen Bereich“, so Lambers. Sie spricht von 30 bis 80 Zentimeter unter Flur. 30 Zentimeter sind akzeptabel, optimal wären aber 0 bis 10 Zentimeter. „Seit der Maßnahmenumsetzung ist eine Stabilisierung erkennbar, ein starkes Absinken der Wasserstände blieb weitestgehend aus.“ In den kommenden Jahren müsse sich allerdings noch zeigen, inwieweit dieser Effekt anhalte oder auf im Vergleich zu den Vorjahren höhere Niederschläge in den Sommermonaten 2020 zurückzuführen sei.

Im Großen Moor bei Uchte wurden im Rahmen des Klimatools-Projekts mehr als 1000 laufende Meter Torfverwallungen gebaut und Entwässerungsgräben verschlossen. Das Projektteilgebiet liegt in einem Randbereich des Moorkomplexes, in dem sich durch die Wiedervernässung halboffene, für den Rand intakter Hochmoore typische Bereiche entwickeln sollen. „Die Maßnahmen zeigen bereits erste Erfolge“, berichtet Imke Schweneker. „So wird Wasser, das zuvor über einen an das Gebiet angrenzenden Graben abgeführt wurde, durch die Verwallungen im Gebiet gehalten, und Untersuchungen zeigen, dass bereits ein Anstieg und eine leichte Stabilisierung der Wasserstände nach Maßnahmenumsetzung zu verzeichnen ist.

Das Projekt: Antragsteller für das Projekt Klimatools ist der BUND Landesverband Niedersachsen. Die Umsetzung erfolgt durch den BUND Diepholzer Moorniederung. Es wird im Rahmen der Richtlinie „Klimaschutz durch Moorentwicklung“ mit Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und des Landes Niedersachsen gefördert. Projektpartner und Drittmittelgeldgeber sind die Landkreise Diepholz und Nienburg/Weser. Außerdem bringt der BUND Eigenmittel ein. Weitere Infos gibt es auf der Homepage.

Hoch- und Niedermoore

Hochmoore sind laut BUND Diepholzer Moorniederung für Niedersachsen so bedeutend wie für kein zweites Bundesland. Mittendrin liegt die Diepholzer Moorniederung mit zentraler Bedeutung für den Moorschutz. Dort werden bereits seit Jahrzehnten Moorflächen renaturiert. Und auch hier besteht die Gewissheit, dass ein naturnaher Moorwasserhaushalt erst durch konsequente Wiedervernässung erreicht werden kann.

Der Naturraum Diepholzer Moorniederung hat eine Größe von 118 000 Hektar (1180 Quadratkilometer). 15 Hochmoore mit insgesamt 24 000 Hektar prägen mit 20 Prozent Flächenanteil den Naturraum. Die Niedermoore liegen konzentriert in der Dümmerniederung oder vorgelagert zu einigen Hochmooren. Der Dümmer ist von einer circa 400 Hektar großen Verlandungszone umgeben, die in Niedermoorflächen von gut 5000 Hektar übergeht. Sie wurden nahezu vollständig kultiviert. Laut BUND ist die ökologische Ausstattung der Hoch- und Niedermoore in Verbindung mit ihrem Schutzstatus bundesweit einmalig.

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