Michael Mikolaschek begeistert Zuhörer in Ströher Kirche

Kirchenorgel als Experimentierfläche

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Der Meister und sein „Werkzeug“: Michael Mikolaschek an der Kirchenorgel in Ströhen.

Ströhen - Von Simone Brauns-Bömermann. Sicher hat die Kirche in Ströhen schon viel erlebt, aber dass Metallica´s Kultsong „Nothing else matters“ auf der Orgel erklang und der Orgelkünstler ausgerechnet Stardirigent Yehudi Menuhin eine eigene Komposition widmet, weil er mit ihm auf Tournee war und der Dirigent vor ein paar Tagen hundert Jahre geworden wäre, noch nicht.

Michael Mikolaschek hatte beim Gedanken an Menuhin die Idee zu seiner Komposition „Auf leisen Flügeln“, leicht atonal, etwas filmisch und mit tonalem Ende. Der Organist Mikolaschek, der eigentlich auch Kontrabassist ist, kommt aus Marl im Ruhrgebiet, wohnt aber seit kurzem in Wagenfeld.

Mit dem Studium der Musik kam er an die Konzertreisen mit dem berühmten Maestro Menuhin und damit in die gesamte Welt. Gerne experimentiert er in Industriehallen und -brachen, Kirchen und ausgefallenen Lokationen. Was sich also hinter diesem Neubürger und seinem Tun verbirgt, das wollten etwa 160 Gäste am Sonntag etwas genauer wissen und hörten sich sein Konzert mit dem Titel „Jazz and more“ auf der Orgel an. „Er spielte noch vor kurzem im Audimax der Bochumer Universität“, kündigte Pastor Dirk Brandt den Musiker an, der das Konzert kostenlos spielte.

„Ich fühlte mich direkt in Wagenfeld und Ströhen willkommen“, begrüßte der Organist in Gymnastikschuhen sein Publikum. Die brauchte er auch, denn Orgelspieler benötigen immer vier Gliedmaßen mit beweglichen Zehen und Fingern. Mikolaschek machte aus der kleinen Orgel ein Instrumenten-Terzett. „Einiges swingt sehr stark, Jazz und Blues sind dabei“, und dann ging er an die Orgel und alle Gäste sahen ihn. Denn auch das war ein Novum: Der Organist ließ sich medial in den Chorraum beamen auf Leinwand.

Bei der Stückauswahl war Metallica noch nicht einmal das ausgefallenste auf der Orgel. Der Jazzstandard „Take Five“ von Paul Desmond jazzte im wahrsten Sinne die Kirche und obwohl nach Mikolascheks Wissen niemand außer ihm bisher das Stück auf Orgel brachte, war es für ihn längst logisch, es zu tun. Ragtime, ein improvisierter Blues, ein Road Song erklangen. Und zwei gewünschte Songs von Pastor Brandt: „River Quay“ und „Letter from Home“ von Komponist Pat Metheny.

Mikolaschek spielt seit seinem 16. Lebensjahr Orgel. Er möchte mit dem Instrument gemeinsam Neues ausprobieren, mit seinen eigenen Kompositionen oder mit Stücken, die man auf der Orgel nicht erwartet. „Ich versuche ein Crossover zwischen offensichtlichen Gegensätzen.“ Fetzige, bluesige, jazzige Parts treffen dabei auf balladige, mittelalterliche, barockige Tonsprache.

Die Faszination der anderen Musikliteratur auf der Orgel war in der Kirche zu spüren, vor allem Brandt erinnerte sich dabei fast an: „Das ist ja wie in den 70er Jahren der Progressive Rock.“ Da der Künstler von seiner neuen Heimat Wagenfeld aus für die Zukunft plant, zahlreiche Orgeln auszuprobieren Richtung Norden, aber auch wieder gen alter Heimat Ruhrgebiet, könnte es sein, dass er den Charakteren der unterschiedlichen Orgeln bestimmte ideale Musikgenres zuschreibt oder Namen gibt. Auszuschließen wäre das bei dem Klangkünstler nicht.

Das nächste Konzert ist schon geplant, Kirche und Zuhörer können sich wieder auf etwas Spezielles freuen: Klavier und Synthesizer mit Titel „Garten der Gefühle“ am Samstag, 11. Juni. Da Mikolaschek neben seiner freien musikalischen Arbeit als Musiker und Komponist lange Zeit auch als musikalischer Leiter an verschiedenen Theatern arbeitete – diese Tatsache wirft tolle Schatten voraus. Vielleicht werden die Kirchen der Umgebung bald echte Theatersäle, prall gefüllt.

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