Kabarettistischer Streifzug in der Auburg/Pago Balke pilgert auf Glaubensreise

Weltreligionen und Abgründe

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In dem Programm von Pago Balke haben alle Religionen Platz: Ob Halbmond, Kreuz oder Stern. Sie bekommen aber auch ihr „Fett“ weg. Balke hält es wie Zeichner Luz des Satiremagazins Charlie Hebdo, er weiß um die Gefahren religiösen Fanatismus.

Wagenfeld. Von Simone Brauns-Bömermann. Wenn es nach Kabarettist Pago Balke geht, wäre die Lösung in den weltweiten Religionskonflikten: Eine Universalreligion einführen!

Jedenfalls zeigte das sein „Finale religioso“ auf dem Dach der Welt in Tibet, wo Katholik, Evangelischer, Muslim und Jude gemeinsam beten, weil sie Schutz vor Gewitter suchen. Geht doch!

Und so nimmt das Publikum der ausverkauften Auburg teil an Balkes neuestem Programm „unglaublich“, dem Streifzug in die vielfältige Welt der Religionen mit Wundern und Verfehlungen. „Keine Sorge, morgen werden wir noch an etwas glauben. An Harry Potter, Google oder Jesus als Sohn Gottes.“ Und weil das Programm so komprimiert ist und gar nicht bei einmaligem Zuhören zu erfassen ist, gibt es das Begleitbuch zum Nachlesen statt Hotel-Bibel.

Mit Balke auf Reise um die Welt und ihren Religionen in Vergangenheit und Gegenwart Gerhard Stengert. Musiker aus Dinklage (Marimba, Percussion, Akkordeon), Dozent an der Hochschule in Osnabrück und auf der Bühne Komplize auf der Pilgertour. Die Gedanken von Regisseur Alvaro Solar blitzen durch die Programmpunkte, denn für ihn steht fest: „Es geht immer um die Suche nach dem Sinn. Dafür braucht man keine Religion.“

Im Publikum sicher Gläubige, auf jeden Fall Fachleute und erahnt viele Wissbegierige. Ein unglaublicher Balke springt als Wortakrobat zwischen Christen und Muslimen, Juden und Atheisten, ist auf heikler Mission unterwegs. Und er hatte doch zu Beginn gewarnt: „Die Religionen geben uns täglich so viele Fragen auf.“ Bei den von ihm eingeschobenen Tests in Sachen Bibel- oder Koranfestigkeit sieht er in Wagenfeld Nachbesserungsbedarf: „Frau Kleemeyer, Ihr Publikum ist nicht besonders gut vorbereitet.“ Dann wiederum sorgt er sich um seine eigene Sicherheit und die seines Musikers: „Hatten Sie an die vier Bodyguards gedacht, sie wissen ja brisantes Thema…?“. Sie seien im Publikum, beruhigt der Vorstand des Kulturkreis Auburg. Kirchenvertreter müssen sich einiges gefallen lassen, wenn der Kabarettist meint, dass Kirchen mehr Filialen hätten als Sparkassen, in der Bibel blutrünstigere Märchen stünden als in der Videothek.

Balke und Rainer Glaap haben brillant recherchiert, Literatur gewälzt, um den Geheimnissen zwischen Himmel und Hölle, Karma, Pilgern, Sammelklage in Jerusalem, islamische Paradiese, Bhagwan und anderen Verführern auf die Schliche zu kommen. Balke beleuchtet das Brennthema „Sex und Religion“ als Nonne, betätigt sich investigativ in der jüdischen Thora, bei Luther, bei den Katholiken. Es ist nicht immer schön, was da zu Tage kommt. Und damit es nicht vergessen wird, garniert er die bissige Ironie mit den ernsten Stichworten: Zwangsehen, Boko Haram, Verhüllungen, IS, Charlie Hebdo und fragt nach: „Fällt Ihnen etwa dazu ein guter Witz ein? Mir nicht.“

Als esoterische Laura mit der Aura lässt er das Publikum das Zitat von Woody Alan „Onanie ist Sex mit einem, den man wirklich liebt“ mitsingen.

Er startet das Programm mit dem Ave Maria von Bach, um über den „Libertango“ von Astor Piazolla und dem Gemeindelied „Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt“ zum Kultsong „Maria“ von Leonard Bernstein aus „Westside Story“ überzuleiten aus dem Mund von Papst Benedikt alias Balke.

Balke kann nicht nur texten und schauspielern, er kann auch hervorragend singen. Vor dem Papst groovt er als Fernsehprediger Charles Stanley über die Bühne und ruft in „Holy TV-Quality“ zur Unterstützung des Irakkrieges auf.

Die Köpfe rauchen im Publikum bei so viel Inhalt von Brahma, Shiva, Buddha, Allah, Jesus und Maria. Scharia, Krishna, Manitou und Seelenruh. Kaum zu glauben, dass Balke am nächsten neuen Programm arbeitet: „Es geht um Liebe, amourös und seriös“. Klingt versöhnlich nach den Abgründen in den Religionen.

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