Viel Unterstützung für Zoo in Ströhen

Tierpark-Betreiber in Not: Deutliche Kritik an den Corona-Maßnahmen

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Der Nachwuchs der Zwergziegen blickt schon neugierig in die Kamera.

Ströhen - Eigentlich haben es sich die kleinen Otter mit ihren Eltern gerade in ihrem Haus gemütlich gemacht. Doch wenn die Tierpflegerin mit frischem Fisch lockt, dann sind sie sofort wach. Quiekend wuseln sie durch ihr Gehege, um ein Stückchen zu erhaschen und dann laut schmatzend zu verdrücken.

Ein paar Gehege weiter lassen es die kleinen Kattas noch ruhig angehen. Ein Zwillingspärchen wurde am 13. März geboren, ein weiteres am 4. April. Sie klammern sich noch an Mamas Bauch oder Rücken und lassen sich durch die Gegend tragen.

Auch Axishirsche, Hirschziegenantilopen und einige weitere Arten haben seit ein paar Wochen Nachwuchs. Dieses Schauspiel, wenn die Jungtiere ihre Welt erkunden, ist ein Highlight, das normalerweise viele Besucher in den Tierpark Ströhen lockt und damit Geld in die Kasse bringt. Doch derzeit ist die Anlage aufgrund der Corona-Pandemie geschlossen.

Tierpark Ströhen ächzt unter Corona-Pandemie: Bereits viele Spenden

„Am Anfang war es befremdlich und traurig“, beschreibt Dr. Nils Ismer sein Gefühl, als er in den ersten Tagen der Zwangsschließung durch seinen Tierpark ging. Mittlerweile, sagt Ismer, sei er aber in Aufbruchstimmung. „Ich möchte kreativ sein, Ideen entwickeln.“ Neben dem Schenkungsaufruf, dem inzwischen viele Tierpark-Freunde gefolgt seien, habe er das Thema Tierpatenschaften in den Fokus gerückt.

Auch das Angebot, jetzt eine Jahreskarte zu kaufen, die ab dem Zeitpunkt der Wiedereröffnung ein volles Jahr gültig ist, ist eine Möglichkeit zu helfen. Ein Unternehmen hatte jüngst 20 Tonnen Möhren gespendet, die die Tiere bereits verputzt haben. Auch die Lieferanten sind laut Ismer sehr kulant.

Wenn’s Fisch gibt, sind die kleinen Zwergotter sofort putzmunter.

Corona-Pandemie: Tiere wollen trotzdem gefüttert werden

„Wir sind sehr froh darüber“, sagt Ismer. Auch weil es zeigt, dass der Tierpark vielen Menschen am Herzen liegt. „Wir haben Besucher, die kommen schon in der dritten Generation zu uns. Erst als Kinder, später als Eltern und nun als Großeltern mit ihren Enkeln.“

Doch langfristig kann diese Hilfe den Tierpark nicht retten. Dass viele Unternehmen aktuell leiden, ist Ismer bewusst. Dennoch sieht er Zoos und Tierparks in einer besonderen Rolle. Während die Einnahmen wegbrechen, laufen die Kosten weiter. Schließlich wollen die Tiere gefüttert werden.

Coronavirus trifft Tierpark: Inhaber möchte Kulturförderung

Angesichts dieser Situation hat er einen Brief an Landrat Cord Bockhop geschrieben. Darin bittet er ihn zum einen, sich für die Einrichtung eines Bundesfonds für Zoos und Tierparks stark zu machen. „Das will ich gerne machen“, erklärt Bockhop auf Nachfrage.

Beim zweiten Wunsch Ismers ist der Landrat zurückhaltend. Sollte die Zwangsschließung längerfristig andauern, würde Ismer, der seinen Tierpark auch als kulturelle Einrichtung versteht, sich auch eine Unterstützung im Sinne einer Kulturförderung vom Landkreis Diepholz wünschen.

„Uns gibt es seit über 60 Jahren, und wir sind immer ohne öffentliche Förderung zurechtgekommen. Es wäre schön, wenn sich der Landkreis jetzt in irgendeiner Form erkenntlich zeigen würde“, so Ismer.

Die Katta-Zwillinge fühlen sich noch bei ihren Müttern am sichersten.

Landrat: Tierpark Ströhen ist ein privatwirtschaftliches Unternehmen

Er werde dieses Anliegen der Politik vorlegen, erklärt Bockhop. Aber er halte eine derartige Unterstützung für schwierig. Jeder habe eine Besonderheit, warum es ihn hart treffe. Der Landrat spricht auch eher von Wirtschafts- statt Kulturförderung. Der Tierpark sei ein privatwirtschaftliches Unternehmen. Er verweist da auf die Unterstützungsprogramme von Bund und Land.

Nils Ismer hofft unterdessen inständig auf Lockerungen für Tierparks und Zoos nach dem 19. April. Dass der Normalbetrieb nicht sofort weitergehen kann, ist ihm vollkommen klar. Häuser für Besucher schließen, Besucherzahl begrenzen, Mundschutzpflicht – Ismer wäre zu vielen Anpassungen bereit.

Corona-Pandemie: Tierpark-Betreiber will gegen Maßnahmen vorgehen

Sollte es zeitnah keine Lockerungen geben, will er nach eigener Aussage gegen die Einschränkungen klagen. Ihre Rechtmäßigkeit habe er bereits prüfen lassen. „Ich bin mir sicher, dass das rechtlich angreifbar ist“, erklärt Ismer. Es sei schwer darstellbar, dass sich die Menschen zwar am Dümmer aufhalten dürfen, nicht aber auf seinem weitläufigen Freigelände.

Eine Klage wäre aber das letzte Mittel, wie er betont. „Wir stellen unsere privaten Interessen nicht über die Belange des Landes. So vermessen sind wir nicht.“ Zu Beginn der Pandemie in Deutschland sei es sicherlich richtig gewesen, so zu handeln. Dass Zoos und Tierparks über Ostern geschlossen bleiben, kann Ismer ebenfalls nachvollziehen. „Auch wenn uns das sehr weh tut.“ Aber für die Zeit danach fordert er eine bessere Verhältnismäßigkeit.

Tierpark-Betreiber stellt Corona-Maßnahmen in Frage

Die Argumentation, dass die Gesundheit eines Teils der Bevölkerung um jeden Preis über wirtschaftlichen und sozialen Interessen steht, ist nach Ismers Meinung auf Dauer nicht haltbar. Er gibt zu bedenken, dass der Staat auch an anderer Stelle viel für die Gesundheit seiner Bürger tun könnte.

Als Diabetiker denkt er da beispielsweise an Regelungen für weniger Kohlenhydrate und Zucker in Lebensmitteln. Da gehe der Staat nicht so konsequent vor, weil wirtschaftliche Interessen dagegen stünden, so Ismer. Der richtige Weg muss aus seiner Sicht dahin führen, dass sich die Risikogruppen selbst noch stärker selbst schützen, bis ein Impfstoff entwickelt ist.

Aktuelle Informationen zur Coronavirus-Krise:

- Informationen zum Schulausfall aufgrund des Coronavirus und den Beschlüssen der Landesregierung 

Maskenpflicht und DIY-Mundbedeckung: Das sollten Sie über Corona-Masken wissen

- Coronavirus: Wie sinnvoll sind Wegwerfhandschuhe für die Virenabwehr?

- Daten-Apps zum Coronavirus: Das kann die Stop-Corona-App - Was Kritiker und Befürworter zu der Technik sagen

- Live-Ticker zur Coronsvirus-Krise in Niedersachsen

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