Humor und Sozial-Romantik

„Arrested Amtsbrüder“ treten in der Wagenfelder Auburg auf

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Die „Arrested Amtsbrüder“ begeisterten am Sonntagmorgen das Publikum in der Wagenfelder Auburg. Anlass war das Kulturfrühstück, zu dem der Kulturkreis eingeladen hatte.

Wagenfeld - Von Simone Brauns-Bömermann. Sie nehmen die Unzulänglichkeiten der Zeit in der wir leben musikalisch aufs Korn, klagen mit Musik, regen zum Innehalten und Nachdenken an. Sie sind die „Old-school“-Provokateure, die die bequem gewordene Welt braucht. Unverbogen, geradeaus und hilfsbereit. Ihr Name ist irgendwie Programm, denn wer nennt sich schon „Arrested Amtsbrüder“, wenn er damit nichts aussagen will.

Die „Amtsbrüder“ sind Uli Preuss aus Sulingen und Rainer Wölk aus Heiligenloh, die nun schon fast „Silberhochzeit“ feiern in der Konstellation. Im 23. Jahr sangen sie zu Rührei und Früchtebrot in der Auburg. In guter alter Liedermachermanier, multi-instrumental und mit viel Humor. Sozial-Romantik zum Kulturfrühstück, das geht so gut, wie ihre regelmäßigen Auftritte zum 1. Mai, dem Tag der Arbeit, in Barnstorf. Textmaterial haben der pensionierte Lehrer Rainer Wölk (Gitarre, Gesang, Geige) und Schuldnerberater Uli Preuss (Klavier, Gitarre, Mandoline, Gesang) reichlich gesammelt, eine Tasche voll dabei und für jeden Anlass griffbereit. „Wir können auch Plattdeutsch und einen ganzen Abend Irisch“, erzählt Rainer. Und sie lassen Gotthold Ephraim Lessings Trinklied, listig, lustig und mit irischen Anklängen im „Hopp-hopp-hopp-Galopp“-Rhythmus erklingen: „Der Tod und der Trinker (Gestern, Brüder, könnt ihrs glauben?)“ und freuen sich zum Text: „Tod, bat ich, ich möcht’ auf Erden gern ein Mediziner werden. Laß mich, ich verspreche dir meine Kranken halb dafür!“

Lieder zu allen Lebenslagen

Uli Preuss genießt das Spiel am Flügel, denn wenn die beiden Musiker sonst unterwegs sind, sind es eher das E-Piano oder das tragbare Keyboard, die mitreisen. An dem tollen Instrument fällt es noch leichter, die guten und schlechten Seiten des Lebens, die „Ups and Downs“, zu besingen. Sie gehen dabei psychologisch vor: Bauen erst einen Puffer mit Texten und Liebeserklärungen, wie von „Ditsche“ (Olli Dittrich) im Eppendorfer Grill „Wir sind am Leben, unser Moment ist jetzt und hier“ und akzentuieren Gedanken wie „Wir kratzen in die Wolken, dass wir hier waren“. Menschlich und voller Freude. Dann können sie nicht anders: Sie verhohnepipeln mit dem „Lied übers Kotzen“ die Selbstkasteiung der Menschen durch Dauerkonsum neuer Medien. „My apple makes my day“ und „WLAN statt Leinen los“ stimmen nachdenklich. „Wie viel Schwachsinn passt in mein Gehirn?“, fragen sie nach und antworten wieder mit Trinklied: „Einer geht noch“. „Ich renn mit meinem Computer von Router zu Router, wenn man nur hockt, das rockt“. Wie tief man fallen muss, um von sich zu behaupten, dass kotzende Kaninchen schön anzusehen sind, dafür wollen sie mit dem Lied sensibilisieren.

Weltgeschehen unter Hempels Sofa hervorgekramt und kritisch beäugt folgt: „Unter wessen Sofa ist nicht aufgeräumt?“, fragen sie ins Publikum und meinen damit die USA mit Trump, den erhöhten Meeresspiegel, den Brexit. Sie gestehen: „Wir sind die Hempels, das tut weh.“

Es gibt eigene Texte von den noch freien Amtsbrüdern, manche Anleihen klingen ebenso gut. Wie die von Tom Waits über Nachbarschaft. Leidig, aber eigentlich zutiefst menschlich, wenn die Hochzeit, Kinder- und Laubsaugerlärm zu laut, der Kuckuck-Kleber zu früh oder der Glascontainer mal wieder mit Papier gefüllt ist. Ein Lokalpatriotlied lässt aufhören: „Man wird die Lösung nie finden, wenn man nicht guckt, wie schön es Zuhause ist.“ Im Song „Ich will wieder heim“ finden viele Orte rund um Wagenfeld Platz. Mit zwei echten Schlussliedern endet das schön-nachdenkliche, humorvoll-launige Konzert der Zwei: „Augenblick verweile“ meinen sie, sei ein Rezept, das Leben anzunehmen oder der Gedanke, den die Comedian Harmonists ein letztes Mal 1934 öffentlich in Hannover singen durften: „Irgendwo auf der Welt gibt es ein bisschen Glück.“

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