„Grinsekatze“ trifft auf Bananenschale

Drei Künstlerinnen aus Liebenau stellen in der Auburg in Wagenfeld aus

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Diese drei Künstlerinnen stellen nicht das erste Mal gemeinsam aus: Elke Palatzky (von links), Enkelin Lisa Menke und Kerstin Friedrichs, alle aus Liebenau. Ihre Werke hängen derzeit in der Auburg.

Wagenfeld - Von Simone Brauns-b–mermann. Wer in Wagenfeld derzeit Lust auf Kunst verspürt, wird reich belohnt. Kurz aufeinander folgten zwei Ausstellungseröffnungen: Nach der mit drei Künstlern im Dienstleistungszentrum fand die erste Vernissage im Jubiläumsjahr des Kulturkreises Auburg am Samstagabend statt. „Unser Geschenk ans Publikum ist Frauenpower pur“, lud Vorsitzende Marita Kleemeyer zur Vernissage und zum anschließenden Konzert mit dem Duo „Pariser Flair“ ein.

Die Bilderausstellung trägt den Titel „3 Generationen-Farbenfroh“ der drei Liebenauer Malerinnen Elke Palatzky (1944), ihrer Enkelin Lisa Menke (1997) und Kerstin Friedrichs (1972). Die drei traten zum Beweis an, dass es sehr wichtig ist, neben dem Beruf ein ausgleichendes Hobby zu pflegen: in allen drei Fällen die Malerei. Sie zeigen, dass künstlerische Talente einen Stellenwert besitzen und neben den propagierten „MINT“-Professionen eine Berechtigung haben.

Carmen Finkenstädt, stellvertretende Vorsitzende des Vereins „Kunst in der Provinz“, führte in die Ausstellung ein. „Die drei Frauen haben bereits häufiger zusammen ausgestellt.“ Elke Palatzky male leise Bilder in Aquarell und die hätten es in der plakativen, digitalen Welt besonders schwer. „Ihre Bilder lassen sich nicht im Vorbeigehen erschließen“, betonte Finkenstädt und empfahl den Gästen, sich von der Malerin das Innere erklären zu lassen.

Im Gespräch erläuterte Palatzky ihre Triebfeder: „Die Engel, die ich erst gar nicht für ein Projekt malen wollte, flogen mir plötzlich einfach zu.“

Die Serie, die sie in der Auburg hängt, ist von großer Zartheit, immer mit dem zentralen Motiv einer Kreuzung und mit der unglaublichen Fähigkeit der Künstlerin, komplexe Gedanken zu filtern, zu bündeln und fokussiert im Mittelpunkt auf die 50-mal-50-Formate als Kernaussage zu platzieren. Das trifft nicht nur auf den brillant gelungenen Engel zu, sondern gerade auf brenzlige Themen wie Krieg und Stierkampf. Sie versteht sich auch in Sachen Balance und Mensch. Gerne malt sie nach eigener Aussage Reisebilder und Straßenzüge mit großem Wiedererkennungswert, entweder naturgetreu oder auf das Wesentliche beschränkt. „Ich habe auf jeder Reise meine Skizzenbücher dabei, die erbt meine Enkelin“, so Palatzky.

„Das Talent hat sie wohl ihrer Enkelin vererbt“, führte Finkenstädt Lisa Menke ein. Lisa nenne ihre Malerei „Nachwuchskunst“ und sei dabei sehr professionell unterwegs. Sie malt zum Ausgleich zur Ausbildung in einer Behörde. „Ich lerne bei der Agentur für Arbeit in Nienburg und male schon lange.“

Lisa hatte Glück, denn ihr ehemaliger Kunstlehrer ermunterte sie: „Lisa, Du wählst doch bitte Kunstleistungskurs!“, hatte er gesagt, erinnerte sie sich.

Ein Werk aus dem Kurs hängt im Foyer. Die Themenstellung heißt: „Von innen und von außen, gesehen und gesehen werden“. „Ich malte einen Drogenabhängigen.“ Herausgekommen ist ein Doppelbildnis mit greller verzerrter Grimasse am Abgrund des Lebens einem faden grauen Portrait eines x-beliebigen Menschen auf der Straße gegenübergestellt. Wer den Film „Alice im Wunderland“ sah, der kennt die schräge „Grinsekatze“. Die hatte es Lisa angetan. Akribisch mit Finelinern und Aquarellfarben entstand fotografisch exakt und doch variiert das Märchentier. Beide, Großmutter und Enkelin, hatten Originale an den Wänden und Miniserien als preiswerte Drucke zum Kauf dabei.

Dritte im Bunde ist Kerstin Friedrichs. Für die Ausstellung hatte sie ihre eine große Leidenschaft mitgebracht: Florale Motive. Mit der letzten Rose mit Makel, der Hortensie, Iris und anderen Schönheiten tauchte sie den Trauungssaal in frühlingshafte Stimmung.

„Kerstin Friedrich ist als Perfektionistin bekannt. Achten Sie auf den roten Samtvorhang beim Werk mit Bananenschale auf der Bühne“, darauf wies Carmen Finkenstädt hin. Ihre Detailbesessenheit beschreibt die Malerin aber an einer Tuschezeichnung: „Je feiner, desto entspannender ist das Malen für mich.“ Ihre Steckenpferde sind Portraits und Tuschezeichnungen. 21 Jahre war sie stellvertretende Vorsitzende von „Kunst in der Provinz“. „Ich unterstütze weiter den Verein mit rund 270 Künstlern aus dem gesamten nordwestlichen Raum.“ Friedrichs macht zwei bis drei Ausstellungen im Jahr, geplant ist derzeit wieder eine auf Amrum.

Die Ausstellung in der Auburg ist bis in den Mai hinein zu besichtigen.

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