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IG Metall und Wagenfelder Spinnereien einigen sich auf 3,1 Prozent mehr Lohn für die Mitarbeiter

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Von: Anja Schubert

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Mit einem Demonstrationszug bekräftigten die Beschäftigten ihren Unmut.
Mit einem Demonstrationszug bekräftigten die Beschäftigten ihren Unmut. © IG Metall

Die Beschäftigten der Wagenfelder Spinnereien bekommen 3,1 Prozent mehr Lohn. Das ist das Ergebnis der Tarifverhandlungen mit der IG Metall.

Wagenfeld – „Der Arbeitgeber lenkt endlich ein.“ Mit diesen Worten kommentierte die IG Metall den neuen Vertragsabschluss für die 130 Beschäftigten des Garnherstellers Wagenfelder Spinnereien. Sie hätten sich gemeinsam mit der Gewerkschaft nach drei Jahren tarifloser Zeit ihren Tarifvertrag zurückerkämpft. Auch die Geschäftsführung des Unternehmens zeigte sich froh, dass eine Einigung erzielt werden konnte.

Um 3,1 Prozent steigen die Löhne und Gehälter innerhalb der nächsten zwölf Monate, ab 1. März gibt es eine Erhöhung um zwei Prozent, ab 1. November eine weitere von 1,1 Prozent. Außerdem steigen das Weihnachts- und Urlaubsgeld jeweils um zwei Prozent und eine Coronaprämie von 100 Euro netto wird im März 2022 ausgeschüttet. Der Tarifvertrag gilt bis März 2023.

Der Tarifvertrag kam nach zwei Verhandlungsrunden zustande; am vergangenen Donnerstag hatten Beschäftigte ihre Forderungen mit einem Warnstreik bekräftigt.

Der Arbeitgeber habe zunächst die unsichere Lage auf dem Energiemarkt angeführt, um die notwendige Erhöhung zu vertagen, heißt es von der Gewerkschaft. Er habe im Dezember lediglich eine Coronaprämie vorgeschlagen. Dennoch seien die Metallerinnen und Metaller im Betrieb „standhaft geblieben“.

Dem Aufruf zum Warnstreik seien nahezu 100 Prozent der Belegschaft gefolgt, so die IG Metall. Mehr als 70 Beschäftigte der Frühschicht hätten sich trotz regnerischer Verhältnisse vor das Tor gestellt.

So habe die Tarifkommission mit breiter Brust in die Tarifverhandlung gehen können, heißt es in der Mitteilung weiter. In einer zähen Verhandlung jedoch konnte sich die Arbeitgeberseite nach mehreren Pausen auf ein tragfähiges Angebot einlassen, welches von der Tarifkommission angenommen wurde und nun durch die Mitglieder der IG Metall bestätigt werden muss.

„Das Verhandlungsergebnis ist ein Zeichen für die Zukunft der Wagenfelder Spinnereien. Die Beschäftigten können sich nun auf regelmäßige Entgelterhöhungen, Weihnachts- und Urlaubsgeld sowie die steuerfreie Coronaprämie freuen. Das haben sie sich verdient“, stellt Martin Bauerschäfer, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Nienburg-Stadthagen fest und fügt an: „Die Mitarbeiter haben bewiesen, dass man gemeinsam alles erreichen kann. Sie sind ein gutes Beispiel für die gesamte Region, welchem man gerne nachfolgen kann.“

Über 70 Beschäftigte der Frühschicht hatten am Donnerstag trotz regnerischer Verhältnisse bei einem Warnstreik vor dem Werkstor ihre Forderungen bekräftigt.
Über 70 Beschäftigte der Frühschicht hatten am Donnerstag trotz regnerischer Verhältnisse bei einem Warnstreik vor dem Werkstor ihre Forderungen bekräftigt. © IG Metall

„Auch wir sind froh, dass jetzt eine Einigung erzielt werden konnte“, äußerte Dietmar Weber, einer der beiden Geschäftsführer am Montag auf Nachfrage unserer Zeitung. „Die Demo war für mich unverständlich, die hätten wir eigentlich gar nicht mehr gebraucht, denn auch ohne dieses Zeichen hatten wir uns bereits auf höhere Zahlungen eingestellt.“

„Wir haben volle Auftragsbücher und hoffen, mit dem Tarifvertrag einen Anreiz geschaffen zu haben, um neue Mitarbeiter zu gewinnen“, so Weber weiter. Wenn die Auftragslage bleibe wie im Moment, sei er sehr zuversichtlich. „Wir würden gern mehr Maschinen laufen lassen, aber dafür brauchen wir zusätzliche Mitarbeiter. Wir hoffen, dass der nun ausgehandelte Tarifvertrag Motivation genug ist, sich zu bewerben.“

Man habe sich vor Weihnachten zurückhaltend gezeigt, weil man Probleme mit der Energiebeschaffung gehabt habe. „Der Energievertrag wurde uns gekündigt“, so Weber weiter. „Da wussten wir nicht, wie es weitergeht, aber das ist jetzt alles unter Dach und Fach.“ Die hohen Energiekosten machten dem Unternehmen schon zu schaffen.

Von Materialknappheit, wie man sie derzeit aus anderen Branchen kenne, seien die Wagenfelder Spinnereien glücklicherweise verschont geblieben. „Wir haben früh genug eingekauft und sind im Sortiment von der klassischen bis hin zur technischen Textillinie sehr breit aufgestellt.“

Auch Auftragsrückgänge, wie sie alle Branchen zu Hochzeiten der Pandemie verzeichnet hätten, würde man jetzt wieder aufholen. „Der Markt zieht an.“ Dank eines soliden Kundenstammes blicke man zuversichtlich in die Zukunft.

Von Anja Schubert

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