Dritte Reinwasserkammer erhöht Kapazität des Wasserwerks Wagenfeld um 1250 Kubikmeter

Für Abnahmespitzen gerüstet

Die dritte Reinwasserkammer während der Bauarbeiten im November aus der Vogelperspektive. 
Foto: Stadtwerke
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Die dritte Reinwasserkammer während der Bauarbeiten im November aus der Vogelperspektive.
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Wagenfeld – Die Rahmenbedingungen haben sich erheblich verändert, seit das Wasserwerk in Wagenfeld 1984 in seiner jetzigen Form den Betrieb aufnahm. Neue Gewerbebetriebe und Baugebiete sind entstanden, die vergangenen trockenen Sommer haben den Verbrauch temporär zusätzlich in die Höhe schnellen lassen. Um eine zuverlässige Wasserversorgung auch bei längeren Trockenperioden gewährleisten zu können, haben die Stadtwerke Huntetal das Wasserwerk darum in den vergangenen Monaten um eine dritte Reinwasserkammer erweitert.

„Die Jahresmenge ist nicht das Problem“, erklärt Stefan Brun, Bereichsleiter Technik, zum Hintergrund der Erweiterung. „Aber in den Sommermonaten sind die Spitzen so hoch, dass die Infrastruktur nicht mehr mitkommt.“

Die dritte Reinwasserkammer hat ein Fassungsvermögen von 1250 Kubikmetern und wurde im April an das Wassernetz angebunden. Das Investitionsvolumen beziffern die Stadtwerke mit rund 1,6 Millionen Euro. Die beiden vorhandenen Kammern haben ein Fassungsvermögen von circa 1850 Kubikmetern.

„Mit dem Bau der Reinwasserkammer wurde eine Spezialfirma beauftragt, die ein besonderes Verfahren der Montage in Fertigbauweise patentiert hat. Der Vorteil gegenüber einer Vor-Ort-Erstellung liegt insbesondere in der verkürzten Bauzeit und der hohen Qualität der Oberflächen der Betonteile, die für Trinkwasserbehälter gefordert sind“, erläutert Brun.

Das Ausheben der 15 mal 30 Meter großen und fünf Meter tiefen Baugrube für den Behälter begann im Frühjahr 2019. Im September wurden circa 40 Fertigbetonteile mit einem Einzelgewicht von fast zwölf Tonnen montiert und im weiteren Verlauf die Bodenplatte und die Betondecke erstellt. Aktuell laufen Restarbeiten zur Wiederherstellung der Außenanlagen.

„Ich freue mich, dass wir mit der Inbetriebnahme der neuen Reinwasserkammer weiterhin ein hohes Maß an Versorgungssicherheit in der Region leisten können“, erklärt Stadtwerke-Geschäftsführer Matthias Partetzke. Obwohl die Kapazitäten deutlich erhöht wurden, wirbt er für einen verantwortungsbewussten Umgang mit dem kostbaren Lebensmittel. Er hat beobachtet, dass sich neben den äußeren Rahmenbedingungen auch das Verhalten der Menschen in den vergangenen Jahren geändert hat. So sei das Thema Wellness wichtiger geworden. Als ein Beispiel nennt er Wellness-Duschen, die nicht so sparsam seien wie ein einfacher Sparduschkopf. Auch Gartenpools liegen im Trend. Im städtischen Bereich sei durchaus spürbar, wenn Discounter diese Pools im Angebot hätten. Wenige Tage später steige der Wasserverbrauch sprunghaft an.

Trotz der zuletzt trockenen Jahre sieht Stefan Brun die Grundwasserversorgung derzeit nicht gefährdet. Mit einer solchen Trockenperiode rechne man etwa alle 30 Jahre. Die Stadtwerke betreiben laut Partetzke etwa 180 Messstellen in ihrem Fördergebiet, die neben der Wasserqualität auch den Grundwasserspiegel ermitteln. Der sei noch im Bereich der normalen Schwankungen, wenn auch aktuell auf einem eher niedrigen Niveau. Darum könnte es nach Einschätzung Bruns gerne mal wieder eine feuchtere Periode geben. Die Chancen dafür stehen allerdings auch in diesem Jahr derzeit nicht sonderlich gut.

Wasseraufbereitung in drei Schritten

Die fünf Brunnen des Wasserwerks Wagenfeld fördern das Wasser aus etwa 40 Metern Tiefe. Dessen Qualität sei sehr gut, betont Bereichsleiter Stefan Brun. Darum sei der Aufwand für die Aufbereitung relativ gering. Der Nitratgehalt beispielsweise liegt laut der jüngsten Analyse bei 18,1 mg/l (gesetzlicher Grenzwert: 50 mg/l). Die Ergebnisse der regelmäßigen Trinkwasseruntersuchungen sind auf der Homepage der Stadtwerke Huntetal einsehbar.

Die Aufbereitung erfolgt in drei Schritten, wie Wassermeister Henning Sandmann erklärt. Wenn das Wasser aus dem Boden kommt, wird es zunächst belüftet und anschließend in Filterbecken zur Enteisung mithilfe von Quarzkies geleitet. In einer nächsten Stufe werden Mangan herausgefildert und der pH-Wert eingestellt. Weil das Grundwasser in Wagenfeld mit aktuell 7,5° dH sehr weich ist, wird etwas Kalk hinzugefügt. „Weil es schonender für die Leitungen ist“, erklärt Brun.

Das Wasserwerk Wagenfeld versorgt die Gemeinde Wagenfeld sowie die östlichen Bereiche der Samtgemeinden Rehden und Barnstorf mit Trinkwasser.

Von Melanie Russ

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