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Der Anfang vom Ende der Freilichtbühne Wagenfeld?

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Von: Melanie Russ

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Mit „großer Kapelle“ spielt die Freilichtbühne Wagenfeld im kommenden Juli wohl zum letzten Mal: Horst Guse (hinten von links), Hermann Spreen, Inge Gottwald, Carsten Falldorf, Annina Falldorf, Timo Friedhoff, Frederik Tepe, Thorsten Rumpke, Christian Maas, (Mitte) Wolfgang Gottwald, Janine Hagelmann, Stefanie Meyer, Bianka Mackenstedt, Brigitte Spreen, Sonja Falldorf, (vorne) Walter Rogge, Heino Bultmann, Christa Rogge und Wilhelm Schröder.
Mit „großer Kapelle“ spielt die Freilichtbühne Wagenfeld im kommenden Juli wohl zum letzten Mal: Horst Guse (hinten von links), Hermann Spreen, Inge Gottwald, Carsten Falldorf, Annina Falldorf, Timo Friedhoff, Frederik Tepe, Thorsten Rumpke, Christian Maas, (Mitte) Wolfgang Gottwald, Janine Hagelmann, Stefanie Meyer, Bianka Mackenstedt, Brigitte Spreen, Sonja Falldorf, (vorne) Walter Rogge, Heino Bultmann, Christa Rogge und Wilhelm Schröder. © Russ

Die Laienspieler der Freilichtbühne Wagenfeld spielen in diesem Sommer zum letzten Mal. Ob es mit einer neuen Truppe weitergeht, ist ungewiss.

Wagenfeld – Es scheint wie ein Aufbruch. Denn so groß war die Truppe der Freilichtbühne Wagenfeld, die nach zwei Jahren Pause am 2. Juli mit dem Stück „Suur Tieden – Störm in’t Gurkenglas“ Premiere feiert, schon lange nicht mehr. 14 Spieler bringen die turbulente Komödie in drei Akten um den vor der Pleite stehenden Gurkenfabrikanten Hubert Dillmann auf die Bühne, darunter auch Urgesteine wie Heino Bultmann, der sich eigentlich längst von der Bühne verabschiedet hatte. Doch ein Jahr vor dem 60-jährigen Bestehen der Freilichtbühne Wagenfeld könnte es auch der Abgesang sein. Fest steht laut Organisator Christian Maas: „Diese Gruppe spielt zum letzten Mal.“

Wenn es über die Saison hinaus auf der Freilichtbühne mit Laientheater weitergeht, dann mit einem ganz neuen Team, das laut Maas aber momentan nicht in Sicht ist. „Vielleicht findet sich noch der ein oder andere, der mitmachen möchte“, hofft er. Falls nicht, bleiben die Lichter so lange aus, bis sich eine neue Verwendung für das Fachwerk-Ensemble unter den Eichen am „Alten Hestern“ findet.

Das Coronavirus trifft ausnahmsweise keine Schuld. „Wir hatten vorher schon Probleme, genügend Spieler zu finden“, erinnert Christina Maas. In dieser Saison sind es 14 Spieler, doch normalerweise habe man einen Pool von nur fünf bis sechs Leuten. „Das ist zu wenig.“ Zum einen müssen diese Spieler in jedem Jahr viel Zeit investieren und haben nicht die Möglichkeit, mal ein Jahr auszusetzen. Zum anderen gibt es nach Maas’ Erfahrung nur wenige gute Stücke für so kleine Ensembles.

Zwar fanden sich auch immer wieder junge Spieler, die für ein oder zwei Saisons dabei waren, die Gemeinde dann aber fürs Studium verließen oder aus anderen Gründen keine Zeit mehr hatten. Eine nachhaltige Verjüngung blieb aus.

Als sich andeutete, dass in diesem Sommer wieder größere Veranstaltungen möglich sein würden, „haben wir uns zusammengesetzt und festgestellt: Wir haben viel zu wenig Leute“, berichtet Christian Maas. Die Akteure überlegten, ob sie nach zwei Jahren Pause überhaupt noch mal anfangen oder das Kapitel Freilichtbühne einfach zuschlagen sollten. Aber so sang- und klanglos verschwinden – das wollten sie dann doch nicht. Stattdessen haben sie noch einmal eine große Truppe mobilisiert, um mit einem Paukenschlag von der Freilichtbühne zu treten. Das sei man den vielen treuen Besuchern und der Gemeinde schuldig, so Maas. Denn an Besuchern hat es den Laienspielern bei gutem Wetter eigentlich nie gemangelt. Bei manch einem auswärtigen Verein war ein Ausflug zur Freilichtbühne fester Bestandteil des Sommerprogramms.

Für Wehmut aber ist im Spätsommer noch genug Zeit. Jetzt überwiegen der Tatendrang und die Freude, sich wieder regelmäßig zu treffen und endlich wieder etwas machen zu können. „Wir freuen uns sehr auf die neue Saison“, sagt Maas. Mit den Lesungen haben die Schauspieler bereits begonnen, ab Anfang April wird auf der Bühne an der Röthekuhle geprobt. Die Regie hat dieses Mal Wolfgang Gottwald übernommen.

Aufführungen: Die Freilichtbühne Wagenfeld gibt vom 2. bis 30. Juli 13 Aufführungen. Gespielt wird wie immer mittwochs und samstags um 20 Uhr sowie sonntags um 16 Uhr.

Das Stück: „Suur Tieden – Störm in’t Gurkenglas“ 

Nicht nur Hubert von Dillmanns Gurken sind sauer, sondern auch seine luxusverwöhnte Gattin Konstanze, als sie erfährt, dass der Traditionsbetrieb vor der Pleite steht und massive Sparmaßnahmen im Haushalt Einzug halten. Zudem muss ihr auf der Yacht geplantes Schäferstünden mit dem Fitness-Trainer Emanuel ausfallen, da Hubert seinen plumpen Mitarbeiter Jacobi und dessen starrköpfige Frau Helga zum Wochenende eingeladen hat.

Jacobis „Geheimrezept“ für scharfe Gurken waren der Renner auf der Industriemesse, und gemeinsam mit dem Werbemanager Udo Kiesmacher will Hubert den chronisch gutgelaunten Jürgen für sich gewinnen. Doch der Verlauf des Abends gestaltet sich für Hubert anders als erwartet: Die Köchin ist mit dem Tafel-Service auf und davon, der Butler zeigt sich renitent und die eiligst engagierte Küchenhilfe serviert aus Eimern und mit Wäschezange.

Während sich das dümmlich-naive Gurken-Model Melody Summer in einem Gurkenglas verkantet, findet Jacobis Frau Helga ihren Sohn und die Dillmann-Tochter gemeinsam nackt im Whirlpool. Als wäre dies nicht Chaos genug, erscheinen noch der zur Liebesnacht bestellte Fitness-Trainer und zwei einfach gestrickte Ganoven, die Huberts dominante Mutter Wilma entführen sollen, aber stattdessen gleich die ganze Yacht rauben.

Doch am Ende dieser turbulenten Nacht wird sich zeigen, dass nichts so ist, wie es scheint...

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