„Urlaub up’n Burnhoff“ begeistert Publikum

Gelungene Premiere auf der Freilichtbühne Wagenfeld

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Wurstfabrikant Franz Neumann macht mit der Familie „Urlaub up’n Burnhoff“. Ruhig geht es dabei nicht zu – seine Töchter wollen beispielsweise nicht auf ihre Freunde verzichten.

Wagenfeld - Von Simone Brauns-Bömermann. In Bad Segeberg springen die Rosse aus Fleisch und Blut in verbittertem Kampf „Weißer Mann gegen Rothaut“ über die Bühne, in Wagenfeld rollten zur Premiere am Samstag die Pferdestärken vor. Damit steht die Freilichtbühne Wagenfeld ihrem „Kollegen im Norden“, den Karl-May-Festspielen, in nichts nach.

Mit dem neuen Stück „Urlaub up´n Burnhoff“ eröffnete die Freilichtbühne die Spielsaison 2017 vor rund 100 Gästen, die den Wettervorhersagen für den Abend getraut hatten. Sie wurden auf das Feinste für ihren Besuch belohnt.

Die Freilichtbühnenspieler sind ja ohnehin für ihre Schauspielkunst bekannt, mit dem frechen, jungen und für Szenenapplaus und Lachsalven garantierenden Stück, hatte das Ensemble mit den Regisseuren Carsten Falldorf und Wolfgang Gottwald ins Schwarze getroffen. Zwar fehlten die Tiere aus logistischen und akustischen Gründen auf der Bühne, aber nicht die Pferdestärken. Leiterwagen, Schiebkarren, Bollerwagen, Kinderwagen – all diese Gefährte kannte die Bühne sicher, aber dass plötzlich ein Mercedes Kombi bis vor die erste Sitzreihe vorfährt, erstaunte das Premierenpublikum doch. OL-FN 52 ist das Kennzeichen. „Da kommen die Feriengäste“, so der Rückschluss aus den Besucherreihen. Und so ist es: Franz Neumann (Walter Rogge), Wurstfabrikant aus Oldenburg, möchte Ferien auf dem Bauernhof von Bäuerin Hanna (Janina Hagelmann) und Opa Oskar (Hermann Spreen) verbringen. Aus dem Angebot der Landwirtin, die sich mit der Vermietung von Ferienzimmern ein zweites Standbein aufbauen möchte und dem Bedarf der Städterfamilie Neumann, die Ruhe sucht, entspinnt sich ein wunderbares „Burnhoff-Treiben“ im Wandel der Zeit.

Szenenapplaus schon im ersten Akt, denn mit Rollenbesetzung, Maske, Wahl der Kostüme, Liebe zu Details und Ideenreichtum sowie natürlich mit der großen Spielfreude bei super flüssigem Spiel, begeistern die elf Schauspieler ihr Publikum bis kurz nach 23 Uhr. Die zwei Pausen waren umso wichtiger bei der Kumulation der Lachsalven. Im Publikum überraschend viel „Jungvolk“. „Das liegt sicher, und das ist sehr gut, an der hälftigen Besetzung durch junge Spieler“, erläutert Wilhelm Schröder in der Pause.

Zahlreiche aktuelle Themen aufgegriffen

Das Stück bedient zahlreiche aktuelle Themen bei maximaler Komik. Beispiel „Familienidyll“: Die viel zu junge zweite Frau von Wurstfabrikant Neumann, Lotte (Sonja Falldorf), die Stress mit den beiden Töchtern Moni (Jule Kawemeyer) und Vroni (Annina Falldorf) des Ehemannes hat und sich anhören muss: „Du hast Papa doch nur geheiratet, weil er Geld hat.“ Das negiert sie mit: „Nein, weil ich keins hatte.“ Diese Art Humor zieht sich durch das Stück. Beispiel: Tierschutz contra „Geiz ist geil“ beim Wurstkauf, wenn Lotte die Pumps gegen Gummistiefel tauscht und ihren Mann bittet: „Versprich mir, dass diese Ferkel nicht in deine Wurst gehen.“ Oder Carl Zuckmayers Thema „Kleider machen Leute“: Landstreicherin Trude (Brigitte Spreen) mimt die übel riechende Hausiererin und die adrette Dame aus dem Altersheim.

Verwandlungskunst: Die Punker Bobby (Jesper Kawemeyer) und Charly (Frederik Tepe). Sie können, bunt wie Kakadus und laut mit Mokick CS 50 Zündapp auf die Bühne knattern, voll cool tun und höflich in Anzug als Karl und Robert.

Nicht zuletzt die herrische Bäuerin Hanna, die Opa ins Altersheim loswerden will, weil sie sein Zimmer zum vermieten braucht.

„Ich bleibe hier, hier ist alles so urig“

Schnell kristallisiert sich als Running-Gag der Kommentar von Franz Neumann, „Ich bleibe hier, hier ist alles so urig“, heraus. An den richtigen Stellen kann das Publikum mitsprechen.

Das Ensemble überträgt seine Spielfreude aufs Publikum, die Professionalität mündet in Improvisation von Rogge, wenn Bäuerin Hanna mit den Nerven am Ende auf die Bank gelegt werden muss, während gerade aus der Ferne ein Martinshorn ertönt, real: „Dat passt ja nu gote“, sein Kommentar nicht aus dem Drehbuch. Auch Regisseur Carsten Falldorf entspannt sich nach dem ersten Akt sichtlich: „Läuft gut“, seine lächelnde Stellungnahme. Wolfgang Gottwalds herzliches lautes Lachen ist ohnehin der Lohn der Spieler. Das Rezept „Erfolg durch Mischen von Jung und Erfahren“ geht voll auf. Die Regisseure müssen aufpassen, welche Abwerbeangebote den Spielern auf den Tisch flattern nach der Saison. „Urlaub up´n Burnhoff“ ist eine herrliche Auszeit vom Alltag, ein Ersatz für bereits gemachten Urlaub oder zu wenig davon. Es ist nur kein „Urlaub für die Lachmuskeln“.

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