Stehende Ovationen in der Auburg für Erzählkonzert „Porgy and Bess“

Flair des Mississippi Deltas im Wagenfelder Moorland

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Drei Akte gab es trotz der kleinen Besetzung mit Saxophon, Piano und Storyteller: Die Essentials der Geschichte mit den unvergessenen Evergreens kombiniert und interpretiert.

Wagenfeld - Von Simone Brauns-Bömermann. Begeistert, sprachlos und mit stehenden Ovationen für die drei Männer auf der Bühne hinterließ das Trio aus zwei Musikern und einem „Storyteller“ das Publikum der Auburg zur Mittsommernacht und dem letzten Event der Saison. „Wir sind schon überall auf der Welt gewesen, aber nicht in der Auburg in Wagenfeld“, erläuterte Saxophonist Stephan Völker, der bereits mit Ute Lemper und Bill Ramsey auf der Bühne musizierte. „Deshalb dachten wir uns, wir machen die American Folk Opera in drei Akten zu Dritt…“

Das war natürlich Spaß, schmeichelte den Wagenfeldern aber sehr. Tatsächlich ist das Trio Stephan Völker, der Pianist und Professor Mike Schoenmehl und der afroamerikanische Gospelsänger und Schauspieler Ardell Johnson mit seiner Interpretation von „Porgy and Bess“ von George Gershwin seit fünf Jahren in Deutschland on Tour. „Feiern Sie also Ardell Johnson from Chicago to Wagenfeld“, sein Dank nach dem „Erzählkonzert“. Der Dank der Musiker aus dem Rhein-Main-Gebiet ging aber auch an das Team des Kulturkreises Auburg: „Chicago, Rhein-Main sind harte Pflaster, wir freuen uns, hier so familiär aufgenommen und an dem wunderbaren Flügel spielen zu können.“

Aber auf Anfang: Was in der Auburg zum Mittsommerkonzert erklang, war die Untiefe des „The way of Gospel, Blues and Jazz“ und einem Erzähler, der Flair, Feeling und Mood des Mississippi Deltas ins Wagenfelder Moorland brachte. Die Hoffnung, dass Ardell Johnson aus Chicago irgendwann im Konzert noch singen würde, wurde erfüllt. Zweimal erklang der legendäre Song von Gershwin „Summertime“, denn die Zugabe gab Johnson in Gospel-Blues-Manier. Mit, wie er sie nannte, seinen musikalischen Komplizen Völker und Schoenmehl zauberte Johnson den Spirit der Catfish Row im Charleston des 19. Jahrhunderts in die Auburg, von der Perle des Alten Südens der USA. Der Stadt in South Carolina, die mit Sklavenheeren ihren einseitigen Reichtum und Luxus der herrschenden Klasse schenkte.

Aber nicht hier fand Gershwin seine Story zu der er die Musik für „Porgy and Bess“ komponierte, sondern in den Freudenhäusern, Spielhöllen und illegalen „Speakeasy“-Kneipen der schwarzen Armenviertel. Dort wo Sehnsucht und Verführbarkeit herrschen, bittere Armut und menschliche Herzlichkeit und vor allem große Musikalität.

Den sprachlichen Teil und Touch liefert Johnson, musikalisch beschwören Völker und Schoenmehl den klagenden, scherzenden, tanzenden und betäubenden Jazz in brillanter Manier. Die zwei leben den Jazz und erfüllen das, was Arnold Schönberg (Begründer der Zwölftontechnik) über Gershwin sagte: „Musik war das, was ein Gefühl erweckte, und Musik war das Gefühl, das er ausdrückte“.

Der Aufbau des „Erzählkonzertes“ folgte dem Muster: Johnson beschrieb szenisch die Catfish Row, die Insel Kittawah Island oder wenn nach Ritual der Leichnam des Ermordeten, der einen Teller auf der Brust stehen hatte, damit mit den Spenden die Beerdigung bezahlt wird. Die Musik folgte jeweils der Szene.

In der Black Opera ist mit dem Krüppel Porgy und der leichtlebigen Schönheit Bess, kurz im Telegrammstil beschrieben, der große Traum und das dramatische Unglück verwoben. Die Story brachte so viele Jazzstandards wie keine andere Oper hervor. Sie spielt in der Armut der schwarzen Bevölkerung, die durch Naturkatastrophe und Illegalität beflankt ist. Wie auch heute noch: Die Armen trifft die Wucht des Sturmes immer noch härter.

Edwin DuBose Heywards Libretto und Gershwins Musik haben erschreckend aktuelle Bezüge mit Evergreens wie: „Summertime“, „I got plenty o’ nothing“ oder „It ain’t necessarily so“. Johnson nennt das: „Low life meets high drama“. Dann steht er da wie der Referent aus Blues Brothers alias James Brown und skandiert: „Hier meine Brüder und Schwestern findet die Geschichte ihren Höhepunkt“. Und das Saxaphon imitiert die Stimmung von Bess: „I love you Porgy“. „Der Ausgang der Story ist immer noch ungewiss und es kommt darauf an, „who´s telling the story“, schließt Johnson das schwarze Buch mit Aufschrift: George Gershwin´s „Porgy and Bess“ zum Midsummer-Jazz Event in der Auburg.

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