Rund 400 Dienststunden geleistet

Flächenbrand in Wagenfeld: Feuer vor lauter Rauch nicht gesehen

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Feuerwehrpressesprecher Jens Seeker und Friedhelm Niemeyer vom BUND in Ströhen erkunden den Ort des Flächenbrands. Im Bereich eines Hochsitzes fand das Feuer reichlich Nahrung und sprang über den Weg „Im Hespeloher Moor“. Die Birken am Waldrand wurden angesengt, werden aber laut Niemeyer im nächsten Jahr wieder ausschlagen.

Ströhen - Von Melanie Russ. Während in den vergangenen Wochen in den Kommunen rundherum immer wieder kleinere Flächenbrände aufflackerten, blieb es in der Gemeinde Wagenfeld lange verdächtig ruhig – bis zum Freitag vergangener Woche. Da kam der „große Knall“. Auf einer frisch geheuten Wiese im Moor in Ströhen breitete sich ein Flächenbrand aus, der laut Feuerwehrpressesprecher Jens Seeker etwa 1,5 Hektar umfasste (wir berichteten). Die Nachlöscharbeiten zogen sich wegen des torfhaltigen Bodens über mehrere Tage hin. Eine Woche später ist nun Zeit, Bilanz zu ziehen.

Als größte Herausforderung bezeichnete Seeker die enorme Rauchentwicklung. Der Wind habe den Rauch nach unten gedrückt und so verdichtet, „dass wir das Feuer nicht sehen konnten“. Einige Kameraden hätten versucht, den Wald im Bereich des Weges „Im Hespeloher Moor“ zu erkunden, hätten aber die Hand vor Augen nicht sehen können. Genau dorthin trieb der Wind das Feuer, das laut Seeker offenbar mitten auf der westlich angrenzenden abgeernteten Wiese entstanden war.

Optimal wäre gewesen, den Brand von dem Weg aus zu bekämpfen, um dessen Übergreifen auf den Wald und eine Wiese östlich des Weges sicher zu verhindern. Das sei aber aufgrund der Rauchentwicklung unmöglich gewesen, erläutert der Feuerwehrsprecher. So mussten die Einsatzkräfte „mit dem Wind“ löschen, dem Feuer also „hinterherlaufen“.

Eine weitere Herausforderung war das fehlende Wasser vor Ort. Mithilfe zweier Güllefässer wurden insgesamt 40.000 Liter angeliefert, 10. 000 Liter brachte die Ortsfeuerwehr Hemsloh mit. Als großes Glück bezeichnet Seeker einen nahegelegenen Teich, den die Feuerwehr am Freitag fast leer gepumpt hatte. In der folgenden Nacht wurde er mithilfe der Sprinkleranlage von Thiermann, der in unmittelbarer Nähe eine Heidelbeerplantage betreibt, wieder aufgefüllt. Weil der dortige Förderbrunnen mit einer elektrischen Pumpe betrieben werde, habe man das Wasser nicht direkt daraus entnehmen können, erläutert Seeker. „Wir hätten die Pumpe kaputtgesogen.“ Für die Wasserversorgung seien rund 1,5 Kilometer Schläuche verlegt worden.

Auf der geheuten Moorwiese hat das Feuer nur verbrannte Erde zurückgelassen.

Am späten Freitagabend schien der Brand gelöscht zu sein, doch bei der Kontrolle am nächsten Morgen glimmten schon wieder Glutnester. „Die Kollegen haben am Samstag richtig warme Füße bekommen“, so heiß sei der Boden noch gewesen, berichtet der Pressesprecher.

Unter Feuerwehrleuten kursiere der Mythos, dass das Moor nachts schlafe und damit auch das Feuer ruhe und am Morgen wieder erwache. Was da dran sei, fragte er gestern beim Ortstermin Friedhelm Niemeyer vom BUND in Ströhen. Der hat dafür eine ganz weltliche Erklärung. Abends werde es kühler und, meistens lege sich der Wind, das könne man sicher mit „das Moor schläft“ umschreiben.

Als effektivsten Weg, solche Flächenbrände zu verhindern, sieht Niemeyer die Wiedervernässung der Moore, die ohnehin in allen nicht genutzten Bereichen das Ziel sei, damit der dort gespeicherte Kohlenstoff nicht in die Atmosphäre gelange. Sei der Torf bis in die oberen Schichten wassergesättigt, sei die Brandgefahr natürlich deutlich geringer. Im Bereich des jüngsten Flächenbrands schätzt Niemeyer die (trockengelegte) Torfschicht auf eine Mächtigkeit von etwa 1,5 Metern.

Moorbrand vor fünf Jahren

Der Einsatz am Freitag sei in jüngerer Vergangenheit der größte dieser Art gewesen, sagt der Pressesprecher. Vor fünf Jahren habe es im gleichen Gebiet einen zweitägigen Moorbrand gegeben. 131 Feuerwehrleute aus Ströhen (27), Wagenfeld (25), Holzhausen (15), Barenborstel (15), Darlaten (12), Kuppendorf (12) und Kirchdorf (15) waren laut Seeker am Freitag ausgerückt. Außerdem war der Rettungsdienst mit acht Kräften vor Ort. Am Samstag löschten vormittags und abends insgesamt 22 Ströher Kräfte Glutnester ab, am Sonntag waren 14 Feuerwehrleute im Einsatz, am Montag noch einmal elf. Die Verantwortung bei den Nachlöscharbeiten hatte Ströhens Ortsbrandmeister Marco Schwarz. Insgesamt habe die Ströher Feuerwehr rund 400 Dienststunden absolviert, so Seeker. Im gesamten vergangenen Jahr seien es etwa 650 Stunden gewesen.

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