Ein Fest mit Seltenheitswert

Ehepaar Pommerin aus Wagenfeld 70 Jahre verheiratet

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Frieda und Johann Pommerin sind nunmehr seit 70 Jahren verheiratet.

Wagenfeld - Johann Pommerin überlebte viele mittel- und osteuropäische Kriegsschauplätze, erlebt das Kriegsende in Heide/Holstein und kann nicht nach Hause nach Emmerich an den Rhein. Dort ist alles kaputt gebombt. Die Umstände der Kriegswirren führten den heutigen Wagenfelder in das ihm völlig unbekannte Land zwischen den Mooren.

„Mein Vater arbeitete vorübergehend im Wollwerk, damals als Mitarbeiter der Reintjes-Werke, die dort produzierten“, erzählt der Jubilar, der auf 70 Ehejahre mit seiner Ehefrau Frieda, geborene Wiedelmann, zurückschaut. „Ich hatte, bevor ich zur Wehrmacht musste, Elektriker gelernt“, erzählt der Senior, der am 23. Mai 1925 als ältestes von sechs Geschwistern geboren wurde.

Als er in Wagenfeld strandete, wurde die Ausbildung sein Glück: Er fand eine Anstellung im Wollwerk. Dort traf er seine spätere und heutige Ehefrau Frieda. Die Geschichte hört sich weiter an wie die Mär von Ribbeck von Ribbeck, denn Frieda war in Anstellung bei Familie Körner, aus deren Garten sie Johann zurief: „Willst ´nen Appel?“.

Heirat am 5. März 1948

Frieda Wiedelmann ist gebürtige Wagenfelderin, war jüngstes Kind unter vier Geschwistern und kam in Neustadt am 23. Dezember 1926 zur Welt. Nach der Schule folgte eine Stellung bei Witwe Meyer in Förlingen und ihrem Fischgeschäft. Dort betreute Frieda die vier Kinder und führte den Haushalt der Witwe.

Ihre Liebe des Lebens durch das Apfelgeschenk gefunden, heirateten Johann und Frieda am 5. März 1948. „Gefeiert haben wir in kleinem Kreis auf der Diele.“ Sie wohnten zuerst in Neustadt zur Miete bis sie 1955 den Bauplatz für ihr heutiges Haus an der Sulinger Straße 45 kauften und sich ein Haus bauten. „Wir haben viel selbst gemacht“, weiß Johann Pommerin zu berichten. Tochter Ursula wurde 1949 geboren und Sohn Ralf kam 1962 zur Welt. Ralf und seine Ehefrau Birgit wohnen noch heute im Obergeschoss des Eigenheimes mit Pommerins zusammen. Inzwischen zählt die Familie drei Enkelkinder und vier Urenkel.

Gemeinsamer Nenner

Beruflich ging der Weg für Johann weiter: 1946 nahm er eine Stellung als Elektriker bei der Firma Brüggemann an, ließ sich später zum Nähmaschinenmechaniker umschulen, um sich bei der Näherei Hucke im Ort zu verdingen. Und auch da fand das Paar den gemeinsamen Nenner: Frieda nähte erst Zuhause, dann in der Firma Hucke. Johann engagierte sich zudem im Betriebsrat. Dass Wagenfeld zu seiner Heimat wurde, zeigt sein Engagement, 24 Jahre im Rat der Gemeinde die Geschicke des Ortes mit zu lenken, er war stellvertretender Bürgermeister, Kreistagsmitglied und Vorsitzender der SPD in Wagenfeld. Er trainierte und betreute 30 Jahre lang die Jugendfußballmannschaft des TuS Wagenfeld.

Frieda liebt den Garten, Handarbeiten und den Kegelclub „Krumme Neune“ gemeinsam mit ihrem Johann. Zwar machen manchmal die „Knochen“ nicht mehr so mit, aber dadurch lässt sich das Paar kein Stück Lebensfreude rauben: „Heute wollen wir mit Familie, Freunden und Nachbarn feiern, denn dieses Fest hat Seltenheitswert“, sagt es und startet zum Centralhotel Spreen. 

sbb

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